https://www.bmu.de/PM597
16.09.1998

Internationaler Tag zum Schutz der Ozonschicht

Merkel: Entwicklungsländer müssen nun mit Hilfe der Industrieländer ihren Beitrag leisten

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit teilt mit:

Anläßlich des heutigen Internationalen Tags zum Schutz der Ozonschicht erklärt Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel: "Das 1987 verabschiedete Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht beweist, daß umweltpolitische Erfolge auf der Basis internationaler Übereinkommen auch in relativ kurzen Zeiträumen möglich sind. Bereits seit Anfang 1996 darf in den Industrieländern das ozonschichtschädigende FCKW nicht mehr hergestellt und verwendet werden. In Deutschland haben wir dieses Ziel durch unsere strengeren Vorschriften und durch Selbstverpflichtungen der deutschen chemischen Industrie bereits 1994 erreicht. Alle weiteren Anstrengungen müssen sich jetzt auf die Hilfe für die Entwicklungsländer richten. Diesen wird vom Montrealer Protokoll eine 10-Jahres-Frist bis 2006 eingeräumt. Während dieser Zeit müssen sie das Ziel des Ausstiegs erreichen. Hierfür wurde ein multilateraler Fonds eingerichtet, aus dem bisher etwa 100 Entwicklungsländern rund 760 Millionen US $ zugewiesen worden sind. Hieran ist Deutschland mit rund zehn Prozent als Geberland beteiligt. Die Bundesregierung wird die Entwicklungsländer bei ihrem Ausstieg aus den ozonschichtschädigenden Stoffen auch mit einem gezielten Technologietransfer weiter unterstützen. Bilaterale Projekte in China und Indien bedürfen der Fortführung und Erweiterung auch auf andere Entwicklungsländer. Von der von mir angestrebten Einbindung des Leipziger Internationalen Transferzentrums für Umwelttechnik (ITUT) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in den Technologietransfer erwarte ich einen noch besseren Zugang zu zukunftsträchtigen deutschen FCKW-Ersatztechnologien."

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Veränderungen der stratosphärischen Ozonschicht

1974 hatten Mario Molina und Sherwood Rowland von der University of California in Irvine erstmals darauf hingewiesen, daß von Menschen hergestellte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) die Ozonschicht ernsthaft gefährden könnten. Da der Ozonabbau jedoch nach diesen Vorhersagen nur langsam erfolgen und sich hauptsächlich auf Höhen oberhalb von 30 km beschränken sollte, prognostizierte damals keiner der Wissenschaftler eine Gefahr für das Leben auf der Erde. Daher wurde die Weltöffentlichkeit 1985 aufgeschreckt, als Joseph Farman und seine Mitarbeiter über einen extrem starken Einbruch der Ozonsäule im antarktischen Frühling seit Mitte der siebziger Jahre berichteten. Ihre von Bodenstationen durchgeführten Messungen wurden durch amerikanische Satellitendaten bestätigt und ergänzt. Zuvor waren sie als unrealistisch angesehen worden. 1986 wurde erstmals ein Ozonloch (Ozonabbau von über 50 Prozent) gemessen.

Die Entwicklung des sogenannten Ozonlochs über der Antarktis, die bereits in den Jahren 1992 und 1993 zu einer extremen räumlichen Ausdehnung und Verdünnung der Ozonsäule geführt hatte, wurde in den letzten drei Jahren fortgesetzt. Vor allem 1995 waren der Umfang des Ozonlochs und die Dauer der Flächenausdehnung bemerkenswert. Die Gesamtfläche von 10 Millionen km² wurde über mehr als 2 ½ Monate (77 Tage) hinweg erreicht. In mehr als der Hälfte dieses Zeitraumes (39 Tage) wurde gar eine Gesamtausdehnung von 20 Millionen km² gemessen. Zur Zeit der Entdeckung des Ozonlochs (1985) wurden 10 Millionen km² an 25 Tagen registriert, und die größte beobachtete Ausdehnung betrug 12 Millionen km².

Auf der Basis der nationalen und internationalen Maßnahmen zur Verbrauchs- und Produktionsminderung wird eine Trendumkehr beim Ozonschichtabbau im Jahr 2003 erwartet. Mit einer Wiederherstellung der Ozonschicht, wie sie vor dem Eintrag von Ozonschicht abbauenden Substanzen wie FCKW in die Atmosphäre bestand, ist frühestens Mitte des nächsten Jahrhunderts zu rechnen.

Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt

Der Gruppe für wissenschaftliche Evaluierung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zufolge wird der kausale Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Ozonschicht und der verstärkten ultravioletten Strahlung (UV-Strahlung) auf der Erdoberfläche immer deutlicher. Eine Zunahme der UV-B-Strahlung an der Erdoberfläche schädigt die menschliche Gesundheit (Hautkrebs, grauer Star, Schwächung des Immunsystems), Tiere und Pflanzen zu Land und zu Wasser, biogeochemische Kreisläufe, Werkstoffe und Luftqualität. In einigen wissenschaftlichen Berichten wird eine rund 25%ige Zunahme der Nichtmelanom-Hautkrebserkrankungen bis zum Jahr 2050 (Basisjahr 1980) prognostiziert, auch wenn alle Vertragsparteien die 1992 in Kopenhagen beschlossene Änderung des Montrealer Protokolls einhalten (bislang wurde die Kopenhagener Änderung erst von 63 der 161 Vertragsparteien ratifiziert). Die Gruppe für wissenschaftliche Evaluierung gelangte daher zu dem Schluß, daß der wirksamste globale Schutz der Ozonschicht in einer stärkeren Emissionsbegrenzung bei Stoffen besteht, die die Ozonschicht vor allem kurzfristig schädigen. Dazu zählen auch Methylbromid und H-FCKW.

16.09.1998 | Pressemitteilung 139/98 S | Klimaschutz