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30.06.2000

Das Umweltbewusstsein ist gewachsen

Umweltschutz ist so wichtig wie die Rente

Umweltschutz ist so wichtig wie die Rente

Trotz hoher Arbeitslosigkeit und Spendenskandal gehört der Schutz der Umwelt nach wie vor zu den Top-Themen, denen in der Bevölkerung hohe Bedeutung beigemessen wird. 53% der Bevölkerung halten Umweltschutz für "wichtig", weitere 41% für "eher wichtig" (zusammen 94%). In der Rangfolge der wichtigsten Probleme liegt die Umweltpolitik gleichauf mit der Renten- und Sozialpolitik (jeweils 16 Prozent). Dies sind die Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung, die der Marburger Universitätsprofessor Udo Kuckartz und das EMNID-Institut im Auftrage des Umweltbundesamtes zu Beginn dieses Jahres durchgeführt hat. Die Studie ist die siebte Folge einer Untersuchungsreihe, mit der das UBA seit 1991 in regelmäßigen Abständen erforschen lässt, wie sich das Umweltbewusstsein der Bevölkerung entwickelt. Die letzten Zahlen stammen von 1998.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin: "Die Studie belegt, dass das Umweltbewusstsein schärfer ist, als in der öffentlichen Diskussion oft wahrgenommen wird. Offensichtlich ist das Umweltbewusstsein aus der Talsohle der vergangenen Jahre herausgekommen. Wenn heute insgesamt 94% der Bevölkerung dem Umweltschutz einen hohen Stellenwert geben, dann signalisiert dies eine große Offenheit und Chance für Umweltpolitik, die es zu nutzen gilt."

Als klare Unterstützung für die Politik der Bundesregierung wertet Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Angaben zum Thema Atomenergie: 85% der Befragten halten sie für gefährlich, drei Viertel wollen so schnell wie möglich außteigen, und 67% hielten es zum Zeitpunkt der Erhebung (Januar/Februar 2000) für wahrscheinlich, dass dies geschieht. Nach der Erhebung ist auch das Bewusstsein von den Umweltgefährdungen gestiegen: 59% (gegenüber 50% 1998) stimmen dem Urteil zu, dass die Grenzen des Wachstums erreicht seien; 62% (1998: 56%) befürchten, dass wir auf eine Umweltkatastrophe zusteuern. "Das zeigt: Wenn wir politische Lösungen anbieten, müssen wir deutlich auf die Probleme hinweisen, die dahinter stehen - das Bewusstsein dafür ist vorhanden", so Jürgen Trittin. Trittin hob hervor, die Studie belege eine erstaunlich hohe Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, mit gutem Beispiel voranzugehen: 49% sind bereit ihr Leben umweltfreundlich zu gestalten, auch wenn es schwer falle. Die Bereitschaft, beim Umweltschutz auch höhere Preise in Kauf zu nehmen, ist ausgeprägt: 12% erklären sich als "sehr bereit", weitere 59% als "eher bereit". Die Ablehnung hat gegenüber 1998 abgenommen. Trittin: "Das heißt noch nicht, dass die Menschen es auch tatsächlich tun, wenn es konkret wird. Es zeigt aber, dass es ein Potenzial gibt, das durch überzeugende Vorschläge gewonnen werden kann."

Die Studie zeigt, dass es in erster Linie die Gefährdungen der persönlichen Gesundheit sind, an denen sich Umweltbewusstsein ausprägt. 89% der Befragten glauben, dass allergische Krankheiten umweltbedingt sind. "Auch wenn die Experten sich streiten mögen - die Alltagserfahrung, in der die Hälfte der Befragten mit Allergien konfrontiert sind, spricht für sich. Dem tragen wir in der Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit Rechnung."

Als zwiespältig und wenig befriedigend bezeichnete Trittin die Untersuchungsergebnisse zum Thema Ökosteuer. Einerseits sei es zu begrüßen, dass die Idee der ökologischen Steuerreform in der Bevölkerung auf grundsätzliche Zustimmung stoße: 82% finden es gerecht, umweltverträgliches Verhalten steuerlich zu belohnen. Andererseits herrsche ein großes Unverständnis für die Umsetzung der Steuerreform. So akzeptieren nur 56% der Bevölkerung die Aussage, dass höhere Energiesteuern zu einem rationellen, sparsamen Umgang mit Energie anregen. Und 71% glauben nicht, dass sie Energie teurer und Arbeitskraft billiger mache und dadurch zusätzliche Arbeitsplätze entstünden. Jürgen Trittin: "Es ist offenkundig bisher nicht ausreichend gelungen, die Ökosteuer als Modernisierungsstrategie zu vermitteln. Die ökologische Lenkungswirkung der Ökosteuer wird in den beiden ersten Stufen über einen Modernisierungseffekt wirksam, der erst zeitlich versetzt sichtbar wird. Hier offenbart die Untersuchung Wissensdefizite und Verständnisprobleme, denen sich die Politik verstärkt widmen muss."

Dies gelte auch für den Klimaschutz, so Trittin. Einerseits herrsche große Einigkeit über die Bedeutung dieses Themas: 98% halten es für wichtig, jedoch begleitet von Pessimismus, dass sich etwas ändern wird. Die hohen Erwartungen gehen einher mit dem Eindruck von 58%, die Bundesregierung tue zu wenig dafür. Trittin: "Ich betrachte dieses Ergebnis als Bestätigung dafür, wie dringlich die Umsetzung der Klimaschutzstrategie der Bundesregierung ist, die wir auf den Weg gebracht haben."

Bundesumweltminister Trittin: "Die Studie zum Umweltbewusstsein 2000 hat in einer Reihe von Punkten die Umweltpolitik der Bundesregierung bestätigt, insbesondere was die grundsätzlichen Einstellungen in der Bevölkerung angeht. Das Umweltbewusstsein wächst wieder - das ist eine Herausforderung an die Politik, dem auch gerecht zu werden. Die Studie hat eine Reihe von Problemen aufgezeigt, wie unsere Politik verbessert kann, wo sie vor allem aber noch besser als bisher den Menschen nahegebracht werden muss. Nur wenn es gelingt, Verständnis für unsere umweltpolitischen Maßnahmen zu wecken, geben wir den Menschen das berechtigte Gefühl, dass wir sie mit ihren Problemen und Erwartungen nicht allein lassen."

30.06.2000 | Pressemitteilung 117/00