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11.06.2020

Schulze: Corona-Digitalisierungsschub für den Umweltschutz nutzen

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Zwischenbilanz COVID-19: Umweltpolitik und Digitalisierung

Zwischenbilanz COVID-19: Umweltpolitik und Digitalisierung
Die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie haben zu erheblichen Folgen für Digitalisierung und Umwelt geführt. Das ist das Ergebnis einer Datenrecherche, die im Auftrag des BMU durchgeführt wurde.

Covid-19-Zwischenbilanz zeigt deutliche Veränderungen im Bewegungs- und Konsumverhalten der Deutschen

Die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie haben zu erheblichen Folgen für Digitalisierung und Umwelt geführt. Dazu gehören weniger Verkehr, mehr Datenvolumen und ein verändertes Einkaufsverhalten. Das ist das Ergebnis einer Datenrecherche, die das Wuppertal-Institut und Ernst & Young (EY) im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführt haben und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze heute in Berlin vorgestellt hat.

Bundesumweltministerin Schulze: "Wir erleben in diesen Monaten der Pandemie einen Bruch mit vielen Routinen, die wir vor Corona hatten. Viele von uns reisen weniger, verbringen mehr Zeit in Videokonferenzen oder kaufen häufiger online ein. Niemand will, dass das Leben auf Dauer so bleibt, wie es in der Pandemie war. Aber manche neue Routine sollten wir uns erhalten, weil es Umwelt und Lebensqualität dient. Deutschland hat während des Corona-Lockdowns einen echten Digitalisierungsschub erlebt. Für die Umwelt bietet das Chancen und Risiken. Jetzt kommt es darauf an, durch kluge Politik die Chancen für den Umweltschutz zu nutzen und die Risiken zu minimieren."

Auswirkungen der COVID-19-Gegenmaßnahmen auf den INternet-Datenverkehr am Beispiel DE-CIX Internetknoten in Frankfurt.

Auswirkungen der COVID-19-Gegenmaßnahmen auf den Internet-Datenverkehr am Beispiel DE-CIX Internetknoten in Frankfurt. Der durchschnittliche Datenverkehr hatte am 10. März 2020 mit 9,1 Terabyte pro Sekunde (Tbit/s) einen Weltrekord aufgestellt. Dabei ist die durchschnittliche Datenlast um 10 Prozent gestiegen. Der Traffic der Videokonferenzen ist um 120 Prozent angewachsen und 30 Prozent Steigerung gab es für Online- und Cloud-Gaming.

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Der Personenverkehr ging durch die Corona-bedingten Einschränkungen deutlich zurück, so die Zwischenbilanz von Wuppertal Institut und EY. Ein Viertel aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitete demnach zeitweise im Home-Office. In einer Umfrage erwarten jeweils rund ein Drittel der Befragten, dass Meetings auch in den kommenden Jahren durch Videokonferenzen ersetzt werden und dass weniger berufliche Reisen stattfinden werden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der gesamte Personenverkehr um bis zu acht Prozent reduzieren lasse, wenn Home-Office und virtuelle Arbeitsformen gefördert werden.

Infografik zu Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice

Mit der Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice ging der Personenverkehr durch die Corona-bedingten Einschränkungen deutlich zurück, sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch im Autoverkehr.

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Schulze: "Weniger Pendelverkehre und weniger Geschäftsreisen sind auch eine Chance für Lebensqualität und Umwelt. Darum habe ich mich als Umweltministerin im Rahmen des Konjunkturpakets dafür eingesetzt, die Abschreibungsmöglichkeiten für die Digitalisierung der Wirtschaft zu erweitern. Damit wollen wir Anreize setzen für Investitionen in die digitale Infrastruktur und die Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Infografik zu Homeoffice und Geschäftsreisen

Wie wird sich die Art und Weise wie gearbeitet wird in den nächsten ein bis zwei Jahren entwickeln? 42 Prozent der Befragten weltweit und 35 Prozent in Deutschland sagen, sie werden häufiger Videokonferenzen für interne Abstimmungen und Treffen für die Arbeit nutzen. 41 Prozent der Befragten weltweit und 34 Prozent in Deutschland möchten Videokonfrenzen für externe Abstimmungen und Treffen für die Arbeit nutzen. Weniger Geschäftsreisen wollen 39 Prozent der Befragten weltweit und 31 Prozent in Deutschland in Anspruch nehmen.

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Ein weiteres Ergebnis der Studie ist das Wachstum beim Online-Shopping. Umfragen zeigen zwar ein erhöhtes Interesse an regionalen Produkten. Allerdings fehlt hier noch häufig der Zugang. Die Studienautoren sehen daher ein Potenzial in der Förderung regionaler digitaler Plattformen.

Analog zum Rückgang des Verkehrs ist das Datenvolumen während der Corona-Zeit um rund zehn Prozent angestiegen – getrieben vor allem durch Streaming und Videokonferenzen. Ohne flankierende Maßnahmen dürfte dieser Anstieg auch zu einem höheren Energieverbrauch führen.

Steigende Online-Transaktionen im März gingen mit steigendem Interesse am regionalen Einkaufen einher.

Steigende Online-Transaktionen im März gingen mit steigendem Interesse am regionalen Einkaufen einher.

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Schulze: „Im Konjunkturpaket habe ich Wert auf die Feststellung gelegt, dass der Digitalisierungsschub in Verwaltung und Wirtschaft mit Blick auf den Energieverbrauch nachhaltig sein muss. Hierzu haben wir konkrete Ideen, etwa ein Investitionsprogramm "Green Cloud". Ziel ist der Ausbau von energieeffizienten und besonders klimafreundlichen Cloud-Infrastrukturen für Verwaltungen, den Bildungsbereich und Unternehmen.“

Regional Einkaufen

Welche Altersgruppen wollen zukünftig bewusster bei Geschäften in der Region einkaufen? 66 Prozent der bis 29-Jährigen stimmen dem zu. 78 Prozent der 30- bis 59-Jährigen möchten ebenfalls regional einkaufen und auch 76 Prozent der ab 60-Jährigen befürworten es.

Das BMU hatte im März 2020 seine umweltpolitische Digitalagenda vorgelegt, die sich derzeit in der Umsetzung befindet. Der nächste große Schritt ist, das Thema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit" auf die europäische Ebene zu heben. Für Mitte Juli ist ein virtuelles Treffen der EU-Umweltministerinnen und -Umweltminister unter deutscher Ratspräsidentschaft zu diesem Thema geplant.

Deutsche wollen in Zukunft mehr online einkaufen; aber wesentlich weniger als im globalen Vergleich.

Deutsche wollen in Zukunft mehr online einkaufen; aber wesentlich weniger als im globalen Vergleich. Nur 17 Prozent der Befragten in Deutschland wollen Lebensmittel öfter online einkaufen. Im weltweiten Vergleich sind es 46 Prozent. Bei Gebrauchsgütern möchten 25 Prozent der Deutschen mehr online einkaufen, während es weltweit 39 Prozent sind.

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11.06.2020 | Pressemitteilung Nr. 090/20 | Digitalisierung