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30.04.2018

Freie Bahn für Wildtiere – Wiedervernetzung natürlicher Lebensräume

In Deutschland ist die Durchlässigkeit der Landschaft stark eingeschränkt. Der Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume, die größer als 100 Quadratkilometer sind, liegt nur noch bei rund 26 Prozent der Bundesfläche.

In Deutschland ist die Durchlässigkeit der Landschaft stark eingeschränkt. Der Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume, die größer als 100 Quadratkilometer sind, liegt nur noch bei rund 26 Prozent der Bundesfläche.

Wir brauchen eine umfassende Vernetzung der Biotope. Es müssen alle Schutzgebiete von Natur und Landschaft, ebenso wie Lebensräume ohne Schutzstatus über Korridore miteinander verbunden werden. Arten müssen die Möglichkeit haben, zwischen den vorhandenen Gebieten zu wechseln oder sich in neuen Lebensräumen zu etablieren. Dies fördert den genetischen Austausch und somit die Anpassungsfähigkeit an neue Umweltbedingungen.

Die Vernetzung von Lebensräumen in unserer Landschaft bekommt eine zusätzliche Bedeutung vor dem Hintergrund des Klimawandels. Der Klimawandel stellt einen erheblichen "Stressfaktor" für Natur und Landschaft dar. Die Umweltbedingungen in den Lebensräumen werden sich ändern – es wird wärmer, trockener, nasser. Einige Tier- und Pflanzenarten werden von dieser zusätzlichen Dynamik profitieren, einige kaum berührt sein und andere werden darunter leiden. Sorge bereitet, dass viele Arten nicht schnell genug auf die Veränderungen reagieren können und so ganze Netzwerke an biologischen Beziehungen aufgebrochen und letztlich zerstört werden könnten.

Deshalb ist es dringend erforderlich, dass von den Ländern der Auftrag aus dem Bundesnaturschutzgesetz, einen Biotopverbund auf mindestens 10 Prozent der jeweiligen Landesfläche zu schaffen endlich vollständig umgesetzt wird.

Aber auch die Eingriffe in Natur und Landschaft müssen auf ein Mindestmaß beschränkt werden und dort, wo Eingriffe unvermeidbar sind, müssen die Vernetzungsbeziehungen aufrechterhalten bleiben. Dies kann auch durch Grünbrücken erfolgen.

Erste Forderung muss sein: Die derzeit vorhandenen 26 Prozent unzerschnittener verkehrsarmer Räume größer 100 Quadratkilometer dürfen nicht weiter verringert werden. Das heißt nicht, auf neue Infrastrukturvorhaben zu verzichten. Das heißt aber, an die Planung solcher Maßnahmen höchste Ansprüche zu stellen und bei unvermeidbaren Zerschneidungen Querungshilfen wie Grünbrücken von vornherein vorzusehen.

Zweite Forderung muss sein: Die restlichen 74 Prozent der Bundesfläche müssen für die biologische Vielfalt durchlässiger werden. Wir brauchen einen bundesweiten Verbund der Biotope und dort, wo eine Vernetzung nicht mehr gegeben ist, eine Wiedervernetzung.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen und immer weiter voran schreitenden Veränderungen in unserer Landschaft:

Anzusprechen ist die intensive Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Die biologische Vielfalt ist in hohem Maße von der Art der Bewirtschaftung dieser Flächen abhängig.

Anzusprechen ist auch der immer noch zu hohe Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen, der Lebensräume aber auch Vernetzungsräume vielfach unbrauchbar macht. Der Ausbau und die Erweiterung der Infrastrukturnetze, die in unserer modernen und wohlhabenden Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind, haben unweigerlich zur Folge, dass wichtige ökologische Wechselbeziehungen zwischen Gebieten rechts und links von Verkehrswegen zusätzlich erschwert oder sehr oft sogar verhindert werden. Die Umsetzung des Bundesverkehrswegeplans 2030 wird vor diesem Hintergrund erhebliche Umweltauswirkungen haben. Ziel des Bundesumweltministeriums ist es, dass bei den Neubauprojekten des Bundesverkehrswegeplans die Naturschutzbelange in den anstehenden Linienbestimmungsverfahren frühzeitig eingebracht werden. Nur so können Konflikte, wie zum Beispiel die Zerschneidung eines unzerschnittenen verkehrsarmen Raums von vornherein vermieden werden.

Das Bundesamt für Naturschutz hat alle 1634 Straßenbauprojekte des Bundesverkehrswegeplans 2030 auf naturschutzfachliche Brisanz geprüft. Herausgekommen ist eine Liste von 213 Straßenprojekten, bei denen mindestens drei FFH-Gebiete, unzerschnittene verkehrsarme Räume, die größer als 100 Quadratkilometer sind, sowie Lebensraumnetzwerke erheblich beeinträchtigt werden.

Insgesamt haben wir in Deutschland derzeit 109 Grünbrücken über Autobahnen und Bundestraßen, davon haben 36 eine nutzbare Breite von mehr als 50 Metern. In Bau sind acht Grünbrücken und zwei kleine Faunabrücken. Der Vernetzung dienen auch die 23 Landschaftstunnel und fünf Wildwarnanlagen, die für eine gefahrlose Wildquerung an Bundesstraßen sorgen sollen. Damit sind wir noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.

30.04.2018 | Meldung Naturschutz/Biologische Vielfalt