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10.12.2018

COP-TOP 1: Klimarisikoversicherungen

Über 50 Akteure entwickeln gemeinsam Ansätze zur finanziellen Absicherung gegen Klima- und Naturkatastrophenrisiken, zugeschnitten auf landesspezifische Bedürfnisse der besonders armen Bevölkerung, und setzen sie um.

Hintergrund

Extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Starkregen werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver. Sie treffen arme und verwundbare Bevölkerungsgruppen besonders stark. Viele Menschen verlieren so nicht nur ihr Hab und Gut, sondern durch Ernteausfälle oder Viehsterben auch ihre Einkommensgrundlage. Mangelernährung, Krankheiten und erzwungene Migration sind die Folgen. Gegen diese Klimarisiken ist aber nur ein sehr geringer Teil der armen und verwundbaren Bevölkerung in Entwicklungsländern finanziell abgesichert.

Gemeinsam Schutzlücke schließen

Um diese Schutzlücke zu schließen, hat die Bundesregierung 2017 die Globale Partnerschaft für Klimaund Katastrophenversicherungen und Risikofinanzierung (InsuResilience Global Partnership) gegründet. Sie erweitert die unter deutscher Präsidentschaft 2015 in Elmau gegründeten G7-Initiative, durch die 400 Millionen zusätzliche arme und verwundbare Menschen bis 2020 Versicherungsschutz gegen Klimarisiken erhalten sollen. Die Partnerschaft setzt sich darüber hinaus ein, die Resilienz der Länder insgesamt zu stärken. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat bislang 130 Millionen Euro zugesagt. Deutschland ist damit größter Unterstützer. Großbritannien, als zweitgrößter Geber, hat bislang 30 Millionen Pfund zugesagt.

Starke Partnerschaft

Insgesamt beteiligen sich über 50 Partner: Vertreter der G20 (20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer) und der V20 (ärmsten und verwundbarsten Länder der Welt), der Privatwirtschaft, multilaterale Entwicklungsbanken, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Gemeinsam entwickeln sie Ansätze zur finanziellen Absicherung gegen Klima- und Naturkatastrophenrisiken, zugeschnitten auf landesspezifische Bedürfnisse und Herausforderungen der besonders armen Bevölkerung, und setzen sie um.

Lebensgrundlagen schützen

Die finanzielle Absicherung armer und verwundbarer Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern steht im Mittelpunkt der Partnerschaft. Im Katastrophenfall verlieren sie einen deutlich höheren Anteil ihrer Lebensgrundlagen als wohlhabendere Personen. Gleichzeitig haben sie weniger Möglichkeiten, die Verluste abzufedern. So ist die Gefahr groß, dass sie durch Extremwetterereignisse weiter verarmen und sich nicht mehr aus der Armut befreien können.

Risikofinanzierung und Versicherungen gegen Extremwetterrisiken helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, und unterstützen Menschen dabei, nach einer Katastrophe schneller wieder Fuß zu fassen. Eine Auszahlung der Versicherung kann zum Beispiel den Verkauf ihres Viehs ersparen oder ermöglicht es, Felder neu anzulegen. Das rettet Lebensgrundlagen und sichert Entwicklungserfolge ab.

Risikofinanzierung und Versicherungen können auch Regierungen helfen, nach einer Katastrophe handlungsfähig zu bleiben und rasch finanzielle Mittel für Nothilfe und Wiederaufbau bereitstellen zu können.

Zielgruppe der Klimaversicherungen und Risikofinanzierung:

  • Extreme Armut: Menschen mit Einkommen von weniger als 1,9 US-Dollar Kaufkraftparität pro Tag
  • Gemäßigte Armut: 1,9–3,1 US-Dollar pro Tag
  • Verwundbarkeit: 3,1–15 US-Dollar pro Tag

Strategie und Erfolge

Die Partnerschaft für Klima- und Katastrophenversicherungen und Risikofinanzierung unterstützt rund 25 Ansätze für Klimarisikoversicherungen und Risikofinanzierung in mehr als 70 Ländern. Zum Beispiel:

  • Afrikanische Dürreversicherung African Risk Capacity. Afrikanische Staaten schließen sich hier zu einer Risikogemeinschaft zusammen, um sich gemeinsam abzusichern. Im Vorfeld erarbeitete Notfallpläne legen fest, wie Versicherungszahlungen im Katastrophenfall eingesetzt werden. Dadurch kann der betroffenen Bevölkerung schnell und gezielt geholfen werden. Insgesamt erhielten mit diesen Mitteln über zwei Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfen, und fast eine Million Nutztiere konnten durch Futterhilfen gerettet werden.
  • Die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility versichert die karibischen Inseln und zentralamerikanische Staaten. Neben Versicherungen gegen Starkwinde und Erdbeben gibt es auch Policen gegen Starkregen. Ab 2019 wird zudem eine Dürreversicherung angeboten. Zuletzt wurden im Oktober 2018 nach den verheerenden Auswirkungen des Wirbelsturms "Kirk" sowie nach Starkregen in der Karibik über 8 Millionen US-Dollar an zwei Länder ausgezahlt. Insgesamt wurden bereits knapp 140 Millionen US-Dollar Soforthilfen ausgezahlt.
  • Der 2017 gegründete InsuResilience Solutions Fund fördert die Entwicklung von Versicherungskonzepten zu umsetzungsfähigen Produkten. Er bietet Risikoanalysen und Wissensaufbau in den Partnerländern an, unterstützt Machbarkeitsstudien und fördert die Weiterentwicklung zu nachhaltigen Versicherungsprodukten. So erhalten mehr Menschen Zugang zu Absicherung gegen steigende Klimarisiken.
  • Im Oktober 2018 hat Deutschland zusammen mit Großbritannien und der Weltbank die Global Risk Financing Facility gestartet. Sie ist zentraler Finanzier für den Auf- und Ausbau von Klimarisikoversicherungen sowie von innovativen Finanzierungsinstrumenten mit staatlichen Partnern, um im Katastrophenfall innerhalb kurzer Zeit signifikante Finanzmittel bereitstellen zu können.
  • In Sambia ermöglicht die Partnerschaft für Klima- und Katastrophenversicherungen und Risikofinanzierung Kleinbauern den Zugang zu Agrarversicherungen. So entschieden sich bereits 52.000 der Kleinbauern im Vertragsanbau der Baumwollfirma NWK für eine wetterindexbasierte Versicherung und Lebensversicherung. Nach einer ausgeprägten Dürreperiode im Jahr 2016 erhielten mehr als 23.000 Landwirte Auszahlungen.
10.12.2018