Wie schaffen wir die Energiewende?

22.04.2021

Wir müssen auf Kohle und Öl verzichten, um das Klima zu schützen. Der Schlüssel: Erneuerbare Energien wie Sonne & Wind.

Im Jahr 2015 wurde in Paris Geschichte geschrieben. Auf der internationalen Klimakonferenz wurde das Pariser Abkommen beschlossen. Damit verpflichten sich alle Staaten, die Weltwirtschaft auf klimafreundliche Weise zu verändern.

Ziel ist es, die globale Erwärmung zu begrenzen. Im Vergleich zu der Zeit vor Beginn der Industrialisierung soll die weltweite Durchschnittstemperatur um deutlich weniger als zwei Grad Celsius steigen. Idealerweise soll der Anstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. So sollen die Auswirkungen des Klimawandels möglichst gering gehalten werden.

Um das zu erreichen, muss die Menschheit in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts , also ab 2050, treibhausgasneutral wirtschaften. Das heißt: Es dürfen keine zusätzlichen klimaschädlichen Gase mehr in die Atmosphäre gelangen. Das kann nur dann erreicht werden, wenn sogenannte fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas nicht mehr zum Einsatz kommen. In ihnen ist Kohlenstoff gespeichert. Wenn fossile Brennstoffe verbrannt werden, entsteht das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) und gelangt in die Atmosphäre.

Besonders wichtig für den Klimaschutz ist der Energiesektor. Bei der Erzeugung von Strom und Wärme mithilfe von Kohle, Erdgas oder Mineralöl entsteht der größte Teil der deutschen Treibhausgasemissionen. Es sind etwa 85 Prozent.

Unsere Versorgung mit Energie muss also umgebaut werden, um das Klima zu schützen. In Zukunft sollen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne unsere Versorgung übernehmen. Bisher bildeten hauptsächlich fossile Brennstoffe, aber auch Atomenergie, die Basis der Energieversorgung. Dieser Umbau wird als Energiewende bezeichnet.

Verträge und Gesetze für das Klima

Auch die Europäische Union und Deutschland sind dem Pariser Abkommen beigetreten. Was darin festgelegt ist, dient als Grundlage für die Klimaschutzziele der Europäischen Union und für die nationalen Klimaschutzziele Deutschlands. Die Bundesregierung hat ihre Ziele im sogenannten Klimaschutzplan 2050 festgehalten. Im Klimaschutzprogramm 2030 sind die Ziele noch genauer beschrieben, und es steht darin, mit welchen Maßnahmen sie erreicht werden sollen. Ein wichtiger Schritt zur Durchführung der Maßnahmen ist das Bundes-Klimaschutzgesetz, das der Bundestag Ende 2019 beschlossen hat. Dass Deutschland spätestens ab 2050 Treibhausgasneutralität erreichen soll, ist darin als Ziel festgeschrieben. Außerdem ist festgelegt, wie stark der Ausstoß von Treibhausgasen von Jahr zu Jahr bis 2030 sinken soll – aufgeschlüsselt nach den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft.

Herausforderung Energiewende

Ein besonders wichtiger Teil der Energiewende ist der Verzicht auf kohlenstoffhaltige Energieträger bei der Stromerzeugung. Dazu gehört zum einen, dass Kohle nicht mehr genutzt wird, und zum anderen, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden.

Der Umbau der Stromversorgung ist gleichzeitig ein wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz in anderen Bereichen, wie Industrie und Verkehr. Denn auch diese Bereiche werden mit Strom versorgt.

Mit einer Reihe von politischen Entscheidungen wurden in Deutschland die Weichen für diesen Umbau gestellt. Im Juli 2020 haben Bundestag und Bundesrat das Kohleausstiegsgesetz verbschiedet. Damit wurde beschlossen, die Stromerzeugung aus Kohle bis spätestens 2038 zu beenden.

Gleichzeitig wird der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben. Schon heute stammt rund die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Klimaschutz: Was sind die deutschen Ziele?

Im Klimaschutzplan 2050 und im Bundes-Klimaschutzgesetz sind Ziele für alle Bereiche festgelegt. Es gibt konkrete Zahlen dazu, wie stark die Treibhausgasemissionen bis 2030 sinken sollen (im Vergleich zu den Werten von 1990). Die wichtigsten Bereiche sind:

Energiewirtschaft: -62 Prozent bis 2030

Gebäude: -66 bis 67 Prozent

Verkehr: -40 bis 42 Prozent

Um das zu erreichen, soll Energie besser genutzt werden. Das wird als Energieeffizienz bezeichnet. Beispiele zur Erhöhung der Energieeffizienz sind energiesparende Beleuchtung und verbrauchsarme elektrische Geräte. Auch der Energiebedarf soll sinken. Das soll vor allem durch die Sanierung von Gebäuden erreicht werden. In Gebäuden mit moderner Wärmedämmung und modernen Heizungen wird viel weniger Energie gebraucht.

Ausstieg aus der Atomkraft

In Deutschland werden bis Ende 2022 die letzten noch laufenden Atomkraftwerke abgeschaltet. Den Ausstieg aus der Atomkraft hat der Bundestag 2011 beschlossen. Hintergrund für diese Entscheidung war der Unfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011.

Atomkraft ist zwar vergleichsweise CO2-arm, aber nicht "sauber". Treibhausgase werden unter anderem bei der Förderung von Uran freigesetzt, das in Atomkraftwerken benötigt wird. Außerdem schädigt die Förderung die Umwelt. Und durch die Nutzung von Atomkraft entstehen radioaktive Abfälle. Deren Entsorgung ist aufwändig, langwierig und teuer.

Darüber hinaus besteht das Risiko, dass es zu Unfällen kommt. Die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass schwere Unfälle niemals völlig ausgeschlossen werden können. Selbst bei ganz neuen Atomkraftwerken wird es immer ein Restrisiko geben.

Dennoch diskutieren einzelne Regierungen, Atomkraft zu nutzen. Sie begründen das  unter anderem mit dem Klimaschutz. Atomkraft wird manchmal als sogenannte Brückentechnologie oder Übergangstechnologie auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität bezeichnet. Auch in den Medien finden sich solche Positionen.  

Dagegen sprechen nicht nur die Gefahren für Mensch und Umwelt. Atomkraftwerke können auch keinen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Um nur zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen einzusparen, müsste bis 2050 die Zahl der Atomkraftwerke verdreifacht werden.

Fachleute: Eine klimaneutrale Energieversorgung ist möglich

Dass es möglich ist, Deutschland in Zukunft vollständig klimaneutral mit Energie zu versorgen, belegen mehrere Studien. Dazu gehört die Studie Klimaneutrales Deutschland, die von Prognos, Öko-Institut und Wuppertal-Institut herausgegeben wurde.

Die Kernaussage: Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen die heute bereits verfügbaren oder weit entwickelte Technologien konsequent angewendet werden. Dann können wir Strom komplett aus erneuerbaren Energien gewinnen. Auch Straßenverkehr und Wärmeversorgung steigen weitgehend auf Strom um.

Im Verkehr wird der Anteil von Elektrofahrzeugen deutlich steigen, so die Studie. Die Menschen fahren außerdem mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zudem werden mehr Wege mit dem Rad und zu Fuß zurückgelegt. Für den Güterverkehr werden verstärkt die Bahn oder elektrisch betriebene LKW genutzt.

Eine wichtige Rolle wird dann Wasserstoff spielen, wie die Fachleute in ihrer Studie erläutern. Er kann mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Wasserstoff kann unter anderem genutzt werden, um Schiffe und Flugzeuge anzutreiben. In Zeiten eines erhöhten Energiebedarfs wird Wasserstoff in Gaskraftwerken als Brennstoff genutzt.

Manche Emissionen von Treibhausgasen, wie in der Landwirtschaft und in der Zementindustrie, werden sich dennoch nicht vollständig vermeiden lassen. Diese Restemissionen sollen laut Studie dadurch neutralisiert werden, dass der Atmosphäre CO2 entzogen und dauerhaft gelagert wird, zum Beispiel unter der Erdoberfläche. Dafür wird oft das Kürzel CCS verwendet, es steht für englisch: "Carbon Capture and Storage".

Jeder Beitrag zählt

Die Bundesregierung hat den Klimaschutzplan 2050 im November 2016 beschlossen. Im Herbst 2019 folgten das Klimaschutzprogramm 2030 sowie das Bundes-Klimaschutzgesetz. Auch weitere Gesetzgebungsprozesse hängen mit dem Klimaschutzplan zusammen, zum Beispiel das Kohleausstiegsgesetz, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Brennstoffemissionshandelsgesetz.

Fachleute kommen zu dem Ergebnis, dass eine klimaneutrale Energieversorgung möglich ist. Jedoch wird auch deutlich, dass dafür sehr schnell die Weichen gestellt werden müssen. Sonst wird der Zeitpunkt überschritten, nach dem das Ziel nicht mehr wie geplant erreicht werden kann. Jeder Beitrag zum Umbau der Energieversorgung ist demnach wichtig. Dazu zählen nicht nur Entscheidungen in der Politik, sondern jede und jeder einzelne kann Beiträge leisten, zum Beispiel beim Konsum.

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