Jede Art ist wichtig!

29.06.2020 | Biodiversität

Der Zustand der Natur ist bedenklich. Dagegen müssen wir etwas tun. Auch, weil wir selbst die Natur brauchen.

Schlagworte wie "Artensterben" tauchen häufig in den Medien auf. Kein Wunder, denn der Zustand der biologischen Vielfalt ist bedenklich. In Deutschland ist ein Drittel aller Arten gefährdet. 

Weltweit sind bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Wertvolle Lebensräume sind gefährdet und somit auch ihre Leistungen für den Menschen. 

Was sind die Ursachen dafür? Und was können wir tun, um Arten und Lebensräume zu schützen?

Der Mensch verändert den gesamten Planeten

Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Viele davon könnten bereits in den nächsten Jahrzehnten verschwinden. Das ist ein Ergebnis des Globalen Berichts zum Zustand der Natur, den der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) 2019 vorgestellt hat. 

Auch viele andere Untersuchungen und Beobachtungen zeigen, dass Arten und Lebensräume weltweit gefährdet sind. In Deutschland ist die Lage ebenfalls alarmierend, heißt es im Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz von 2015.

Zudem ist es so, dass heute Arten viel schneller aussterben, als das in den vergangenen zehn Millionen Jahren der Fall war.

Eine wesentliche Ursache sind die Aktivitäten von uns Menschen.

Die wichtigsten Ursachen für das Artensterben

  • Die Nutzung von Land und Meer. Zum Beispiel Landwirtschaft, Rodung von Wäldern, Wachstum von Städten.
  • Die direkte Nutzung von Tieren und Pflanzen. Zum Beispiel Fällen von Bäumen, Fischerei, Jagd.
  • Der Klimawandel. Zum Beispiel, weil geeignete Lebensräume verschwinden oder sich die Zusammensetzung der Arten ändert.
  • Umweltverschmutzung. Zum Beispiel durch Müll oder Schadstoffe.
  • Einschleppen von sogenannten invasiven Arten in fremde Lebensräume. Dort verdrängen sie heimische Tier- und Pflanzenarten.

Warum müssen wir die Vielfalt der Natur schützen?

Jede Tier- und Pflanzenart ist wichtig, denn viele Arten sind aufeinander angewiesen. Das Verschwinden von einzelnen Arten kann ganze Ökosysteme in Gefahr bringen. 

Ein Ökosystem ist eine Lebensgemeinschaft von Arten in einem bestimmten Lebensraum. Ein Wald zum Beispiel ist ein Ökosystem. Dort leben viele Tier- und Pflanzenarten, die einander brauchen. So ein Ökosystem funktioniert nur, wenn die Zusammensetzung der Arten im Gleichgewicht ist. Funktionierende Ökosysteme sind unter anderem wichtig für den Klimaschutz. Ein gesunder Wald beispielsweise entzieht der Luft das Treibhausgas CO2.

Auch für den Menschen sind Tiere, Pflanzen und funktionierende Ökosysteme lebenswichtig. Menschen ernähren sich von Tieren und Pflanzen. Und sie entnehmen der Natur Rohstoffe wie Holz. 

Ökosysteme leisten aber noch viel mehr. Sie sorgen für frische Luft und sauberes Wasser. In der Natur finden sich auch immer wieder Wirkstoffe für die Medizin.

Durch den Verlust von Arten und andere Schäden kann sich die Fähigkeit von Ökosystemen verschlechtern, solche Leistungen zu erbringen.

Was steckt hinter dem "Insektensterben"?

In den vergangenen Jahren sind oft die Begriffe „Bienensterben“ und „Insektensterben“ in den Medien aufgetaucht. Denn in vielen Gebieten der Erde werden bedenkliche Verluste bei Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten beobachtet. Das zeigt unter anderem der Bericht des Weltbiodiversitätsrates zur Lage von Blütenbestäubern von 2016.

Im Alltag werden manche Insekten als lästig empfunden. Doch wenn Insekten fehlen, werden viele Pflanzen nicht mehr bestäubt. Ein großer Teil der Nutzpflanzen ist von bestäubenden Insekten abhängig. Ohne sie würde es Ernteausfälle geben, vor allem bei Obst und Gemüse. 

Außerdem dienen Insekten anderen Tierarten als Nahrung. Zum Beispiel für Vögel wie Spechte, Meisen oder Spatzen. Auch Mäuse, Frösche und Eidechsen fressen Insekten. Wenn Insekten verschwinden, fehlt diesen Arten Nahrung.

Europa

Zusammenarbeit zum Schutz der Vielfalt

Europa ist insgesamt stark vom Verlust der biologischen Vielfalt betroffen. Von 15.600 europäischen Arten sind mehr als ein Zehntel vom Aussterben bedroht. Rund ein Fünftel aller in Europa vorkommenden Amphibien und Reptilien sowie 17 Prozent der Säugetiere stehen auf der sogenannten Roten Liste, dem Verzeichnis bedrohter Arten.

Bei einigen europäische Arten ist die Gefahr besonders groß. Dazu gehören der Polarfuchs und der Iberische Luchs, eine der seltensten Raubkatzen der Welt.

Die Lebensräume der Tiere und Pflanzen wie Wälder, Flusssysteme, Gebirge, Feuchtgebiete oder Meere erstrecken sich in Europa über viele Ländergrenzen hinweg. Deshalb arbeiten die meisten Länder seit vielen Jahren beim Artenschutz eng zusammen.

Wie können wir die biologische Vielfalt erhalten?

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Einrichtung von Schutzgebieten und deren Vernetzung, Artenschutz, Gewässerschutz, nachhaltige Landwirtschaft, die Begrenzung von Siedlungs- und Verkehrsflächen, die Verringerung der Stickstoffbelastung und der Klimaschutz.

Was tut die Politik?

Weltweit gibt es viele Bemühungen, um die Biodiversität zu schützen. Auch die Vereinten Nationen haben es zum Ziel erklärt, den Verlust von Arten und Lebensräumen zu stoppen. Das ist unter anderem in den sogenannten 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung festgelegt (englisch: Sustainable Development Goals, SDGs).

Schon seit 1992 gibt es auch einen weltweiten Vertrag zum Schutz der biologischen Vielfalt, die sogenannte Biodiversitätskonvention (auch: Übereinkommen über die biologische Vielfalt, CBD).

Die Europäische Union hat es ebenfalls zum Ziel ihrer Politik erklärt, die Biodiversität zu schützen, ebenso wie Deutschland. Hier hat die damalige Bundesregierung im Jahr 2007 die sogenannte Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt beschlossen. 

In der Europäischen Union gibt es schon seit den 1970er-Jahren gemeinsame Abkommen, um Arten zu schützen. So entstand ein europaweites Netz von Schutzgebieten.

In jüngster Zeit spielt der Schutz der Biodiversität eine besonders große Rolle auf europäischer Ebene. Im Dezember 2019 hat die EU-Kommission den sogenannten europäischen Grünen Deal vorgestellt. Er soll als Fahrplan dienen, um die europäische Wirtschaft nachhaltiger zu machen sowie Umwelt und Natur wiederherzustellen. Wichtiger Bestandteil ist die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, die die biologische Vielfalt in Europa bis 2030 auf den Weg der Erholung bringen soll.

EU-Ratspräsidentschaft

Seit Juli 2020 liegt die EU-Ratspräsidentschaft bei Deutschland. Das Bundesumweltministerium möchte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um den Schutz unserer Natur und ihrer Vielfalt gemeinsam mit den europäischen Partnerländern weiter zu stärken.

Was kann ich selbst tun?

Jeder Konsument und jede Konsumentin kann an der Supermarktkasse oder an der Fisch- und Fleischtheke etwas für den Erhalt der Biodiversität tun. Zum Beispiel durch den Kauf von Produkten, die mit einem Nachhaltigkeitssiegel gekennzeichnet sind. Dazu gehört das MSC-Siegel für Fisch und das FSC-Siegel für Holz- und Papierprodukte. Der Einkauf von Bio-Produkten fördert den ökologischen Landbau, der zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt.

Wer die Möglichkeit hat, kann auch ganz konkret vor Ort etwas tun. Naturschutzverbände wie NABU oder BUND suchen laufend Freiwillige, die beim Biotopschutz, bei Vogelzählungen und zahlreichen weiteren Aktivitäten helfen. Auch auf der der Internetplattform GoNature finden sich zahlreiche Projekte zum Artenschutz, bei denen Freiwillige mithelfen können.

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