Die Alpen: Eindrucksvolle Landschaft in Gefahr?

01.03.2021

Die Natur der Alpen ist einzigartig. Doch Verkehr, Tourismus und Klimawandel stellen die Region vor Herausforderungen.

Die faszinierende Landschaft der Alpen lockt jedes Jahr viele Millionen Menschen in die Region. Skifahren, Snowboarden, Wandern oder Rafting – die Freizeitmöglichkeiten sind vielfältig. Doch immer mehr Verkehr und der zunehmende Tourismus gefährden die empfindliche Natur.

Außerdem verändert der Klimawandel die Bergregion. Die milderen Temperaturen führen unter anderem dazu, dass die Schneegrenze steigt. Damit schrumpfen die Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die sich an das raue Klima des Gebirges angepasst haben.

Bevölkerung und Kultur

Im Alpenraum leben rund 14 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Die Bewohner/-innen der Alpen verteilen sich auf eine Vielzahl von Volks- und Sprachgruppen in den acht Staaten Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Schweiz, Slowenien und Monaco. Die große kulturelle und sprachliche Vielfalt auf vergleichsweise kleinem Raum ist einzigartig auf der Welt. 

Warum brauchen die Alpen unseren Schutz?

Da die Alpen im Herzen Europas liegen, führen zahlreiche internationale Hauptverkehrsadern durch das Gebirge. Handelsgüter, die beispielsweise von Deutschland nach Italien transportiert werden, müssen über die Alpen. Jedes Jahr überqueren mehr als zehn Millionen LKW die Berge. Dazu kommen Millionen von Touristen, die entweder in den Bergen Urlaub machen oder auf der Durchreise sind. Die Umweltbelastung durch den Verkehr ist in den Bergen oft größer als anderswo. Denn Lärm und Schadstoffe konzentrieren sich in den Tälern.

Der Tourismus ist wichtig für die Wirtschaft im Alpenraum. Doch der Massentourismus gefährdet die Bergwelt. Hotels, Parkplätze, Straßen, Lift- oder Freizeitanlagen benötigen Platz. Große Flächen werden zugebaut und verkleinern so den Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Dabei ist die intakte Natur eine Voraussetzung für den Tourismus.

Ein weiteres Problem ist der Klimawandel. Die Durchschnittstemperaturen steigen in den Alpen fast doppelt so schnell wie im Rest der Nordhalbkugel. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist es im Durchschnitt fast zwei Grad wärmer geworden. Die Folgen: Die Gletscher schmelzen schneller als je zuvor, und die Baumgrenze hat sich nach oben verschoben. Auch andere Arten wandern in höhere Lagen, wo sie allerdings auf Konkurrenten treffen. Immer mehr Tiere und Pflanzen müssen sich einen kleiner werdenden Lebensraum teilen. Auf diese Weise kann sich die Zusammensetzung der Arten ändern und Ökosysteme gefährden.

Was wird für den Alpenschutz bereits getan?

Viele Probleme der Alpen können nur gemeinsam von den Alpenländern gelöst werden. Denn beispielsweise die Lebensräume von Tieren und Pflanzen machen nicht vor Ländergrenzen halt. Auch der internationale Transitverkehr und der Tourismus betreffen viele Alpenländer gleichermaßen.

Für den länderübergreifenden Alpenschutz setzt sich seit langem die Organisation CIPRA ein (Commission Internationale pour la Protection des Alpes/Internationale Alpenschutzkommission). Sie vertritt rund 100 Verbände aus der Alpenregion, wie den Deutschen Alpenverein, die Naturfreunde Österreichs oder den Tierschutzverein Liechtensteins.

Aufgrund einer Initiative der CIPRA entstand 1991 die Alpenkonvention. Das ist ein Vertrag zwischen allen Ländern auf dem Gebiet der Alpen und der Europäischen Union. Ziel der Alpenkonvention ist es, die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

In Protokollen und Mehrjährigen Arbeitsprogrammen (MAP) wird festgelegt, welche konkreten Schritte die Länder unternehmen müssen, um die Alpen zu schützen. In regelmäßigen Abständen werden die Ergebnisse überprüft.

Wie können wir die Alpen schützen?

Alle Reisenden, die einen Urlaub in oder jenseits der Alpen planen, können mithelfen, den sensiblen Lebensraum in den Alpen zu schützen.

Da der Verkehr zu den größten Verursachern von CO2-Emissionen im Alpenraum gehört, ist die An- und Durchreise mit der Bahn eine gute Wahl für die Umwelt. Beinahe 30 Prozent der Treibhausgase werden durch den Personen- und Güterverkehr verursacht.

In den Alpen gibt es bereits zahlreiche Angebote, um den Aufenthalt klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten. Zum Beispiel die 29 "Bergsteigerdörfer" der Alpenvereine. Sie haben sich verpflichtet, ihre Skigebiete nicht mehr zu erweitern und keinen künstlichen Schnee einzusetzen. Sie wollen die alpine Natur bewahren, indem sie eine nachhaltige Mobilität und regionale Produkte fördern.

Auch wer Wintersport betreiben möchte, hat verschiedene Wahlmöglichkeiten. Denn Ski- oder Schneewandern schonen bei umsichtigem Verhalten im Gegensatz zum Snowboarden und Abfahrtsski die Umwelt.