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10.06.2020

Svenja Schulze über Wasserstoff-Energie

Porträtfoto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze
download icon 29.05.2020 | Klimaschutz

Positionspapier zur grünen Wasserstoffwirtschaft

Positionspapier zur grünen Wasserstoffwirtschaft
download icon 10.07.2019 | Nationale Klimaschutzinitiative

Aktionsprogramm PtX: Power-to-X

Aktionsprogramm PtX: Power-to-X
Svenja Schulze spricht im ARD Morgenmagazin über die Energieform Wasserstoff. In Deutschland müsse die saubere Wasserstoff-Produktion vorangetrieben werden.

MARION VON HAAREN (ARD): Guten Morgen, Frau Schulze, Sie geraten geradezu ins Schwärmen, wenn Sie das Wort Wasserstoff hören. Warum?

SVENJA SCHULZE: Wasserstoff hat die Chance, wirklich einen doppelten Schub zu geben. Ein Schub für den Klimaschutz. Das ist eine saubere Energieform und einen Schub für Industrie und damit auch für Arbeitsplätze, weil man damit das ersetzen kann, was bisher CO2 produziert.

Eine saubere Energie, könnte man fast sagen. So war das ja auch mal bei Wind und Sonne. Nur die kommen gerade überhaupt nicht so richtig voran.

Ja, wir hatten bei Wind und Sonne Probleme, aber wir haben jetzt die Bremse gelöst. Wir haben den richtigen Rahmen gesetzt. Der rechtliche Rahmen, der es jetzt wieder ermöglicht, mehr Energie auszubauen. Wir werden ganz viel Energie aus Wind und Sonne brauchen. Deswegen brauchen wir auch mehr Anlagen, die dann laufen können.

Strom ist hier in Deutschland ganz besonders teuer. Können wir uns da noch nebenher die Produktion von Wasserstoff leisten, der ganz viel Strom braucht?

Ja, das können wir uns leisten. Und das müssen wir uns auch leisten, weil das wirklich die Energieform der Zukunft ist. Und wenn wir mehr erneuerbare Energien haben, dann können wir damit den Preis auch wieder drücken. Und wir werden jetzt auch. Da haben wir im Konjunkturprogramm auch Maßnahmen drin, um den Strompreis etwas zu dämpfen.

Was muss denn überhaupt geschehen? Dass Wasserstoff rentabel konkurrenzfähig wird? Denn wir haben ja gerade eben gehört, ihn herzustellen kostet erst einmal relativ viel Geld.

Im Moment ist es so, dass es noch recht wenig Wasserstoff gibt, weil kaum jemand produziert Wasserstoff, wenn er nicht weiß, dass er auch abgenommen wird. Diejenigen, die es abnehmen können, bekommen aber viel zu kleine Mengen. Und deswegen müssen wir jetzt von staatlicher Seite her organisieren, dass einfach mehr Wasserstoff produziert wird. Dass es einen Anreiz gibt, dass man sich ganz sicher ist, dass das auch abgenommen wird. Ich habe zum Beispiel vorgeschlagen, eine Quote zu machen, was beim Fliegen, beim Kerosin beigemischt wird, weil dann weiß man einfach: Diese Menge wird schon mal gebraucht. Und wenn wir mehr Wasserstoff haben, dann senkt das auch die Preise.

Das heißt, mit anderen Worten Der Staat gibt so eine Art Abnahmegarantie, damit sich das für die Investoren lohnt?

Ja, wir machen im Grunde genommen den Start. Wir organisieren den Anfang der Wasserstoffproduktion hier in Deutschland. Wir wollen, dass die Technik sozusagen bereitgestellt wird. Weil das ist gar nicht so einfach, mit Wasserstoff zu arbeiten.

Der ist explosiv…

Das ist explosiv, ja. Aber wir in Deutschland können das, wir haben das hier in Deutschland nachgewiesen. Und jetzt müssen die richtig großen Industrieanlagen kommen. Wir haben die Chance, Wasserstoff in der ganzen Welt zu verkaufen. Wir werden ja nicht nur hier Wasserstoff brauchen, sondern wenn wir damit fliegen wollen, Schiffe betreiben wollen, dann muss das auf der ganzen Welt erreichbar sein.

Nun sagen mir Experten: Für den Anfang könnte man ja auch Gas nehmen, um Wasserstoff herzustellen. Warum sind Sie da so total dagegen?

Ja, es wird Übergänge geben am Anfang, wo noch nicht der gesamte Wasserstoff grün ist. Aber wir machen das ja, um CO2 einzusparen. Und bei Gas ist das noch nicht der Fall. Da ist immer noch CO2, was dabei produziert wird. Und deswegen muss der Wasserstoff der Zukunft grün werden. Die Übergänge dahin, die werden wir jetzt in den nächsten Monaten und Wochen sehen.

Der Ausbau der Ladestationen für E-Autos kommt hier in Deutschland sehr schleppend nur voran. Der Ökostrom reicht dafür auch noch nicht aus. Also, wie wollen Sie denn den Bedarf für die E-Autos einerseits und für die Herstellung von Wasserstoff andererseits sicherstellen?

Wir werden eine Menge erneuerbarer Energien brauchen. Das haben wir auch genau geplant. Deswegen sagen wir ja immer: Wir brauchen 65 Prozent erneuerbare Energien in 2030, und zwar von der Menge Strom, die dann gebraucht wird. Das ist schon viel. Deswegen drängen wir auf den Ausbau. Und das zweite ist, dass Wasserstoff nicht nur in Deutschland produziert werden wird. Das ist ja auch heute so. Das Öl kommt ja nicht komplett aus Deutschland, sondern das holen wir aus der ganzen Welt. Und das wird auch mit Wasserstoff so sein, dass wir hier etwas produzieren. Aber vor allen Dingen die Technik verkaufen. Da sind wir in Deutschland wirklich gut.

Dennoch: Viele Hürden sind noch zu nehmen. Das war Svenja Schulze heute Morgen Herzlichen Dank, dass Sie heute Morgen bei uns waren und uns das ein bisschen erklärt haben.

10.06.2020 | Medienbeitrag Energieeffizienz | ARD Morgenmagazin