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06.10.2018

Schulze: "Autoindustrie muss in den sauren Apfel beißen"

Im Interview mit der Passauer Neue Presse betonte Svenja Schulze die Notwendigkeit von Nachrüstungen als "effektivsten und gerechtesten Ausweg aus der Dieselkrise."

PNP: Frau Ministerin, kaum hat sich die Große Koalition auf ein Diesel-Paket verständigt, stellt es die Automobilindustrie auch schon wieder in Frage. Wie wollen Sie Ihr Konzept durchsetzen?
Svenja Schulze: Den Autokonzernen sind Nachrüstungen lästig, darum versuchen sie immer noch, sich davor zu drücken. Dabei sind Nachrüstungen der effektivste und gerechteste Ausweg aus der Dieselkrise. Lange haben wir uns in der SPD alleine für Nachrüstungen eingesetzt, seit Montag bekennen sich endlich auch die Kanzlerin und der Verkehrsminister dazu. Es ist gut, dass die Koalitionsspitzen sich geeinigt haben, denn jetzt wissen alle in der Autoindustrie, dass sie das nicht mehr aussitzen können.

VDA-Präsident Bernhard Mattes setzt vor allem auf Flottenerneuerung und Umtausch alter Diesel-Fahrzeuge gegen neue Wagen. Ist das der richtige Weg?
Die Umtauschprämie kann in manchen Fällen helfen, vor allem wenn dreckige gegen saubere gebrauchte Autos ausgewechselt werden. Doch was ist denn mit den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich auch mit großzügigen Rabatten nicht mal eben ein neues Auto leisten können? Das ist nämlich der Regelfall. Dazu kommen all jene, die zu Recht nicht einsehen, warum sie ihren drei Jahre alten Euro-5-Diesel abgeben müssen. Darum brauchen wir auch Hardware-Nachrüstungen auf Kosten der Hersteller.

Kritiker sprechen von einem Konjunkturprogramm für die Autoindustrie…
Es wundert mich nicht, dass die Autoindustrie lieber neue Autos verkauft, als bereits verkaufte Autos nachzurüsten. Sie müssen nun aber in den sauren Apfel beißen und die Nachrüstung und den Umtausch auch gegen saubere Gebrauchte umsetzen. Das ist die vielleicht letzte Chance, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Autohersteller halten technische Nachrüstungen von alten Dieselmotoren für technisch kaum machbar ...
Das mag in Einzelfällen stimmen, ist in dieser Allgemeinheit aber nicht mehr als eine Ausrede. Die von der Bundesregierung beauftragten Gutachter, die bestimmt keine Autokritiker sind, haben klar festgestellt, dass Hardware-Nachrüstungen bei den meisten Euro-5-Modellen technisch machbar sind. VW hat ja auch schon signalisiert, dass sie dabei sind, bei Daimler denkt man noch nach. Nur BMW hat die Stirn, Nachrüstungen platt abzulehnen. Dabei ist es bei denen auch möglich. Darum ist diese Verweigerungshaltung nicht zu akzeptieren. Ich würde ich mir hier ein klares Wort des bayerischen Ministerpräsidenten wünschen.

Viele Diesel-Halter fühlen sich getäuscht und betrogen. Was tun gegen die Wut der Betroffenen?
Ich kann den Ärger gut verstehen und hätte mir gewünscht, dass wir schon weiter wären. Der einzige Ausweg ist, dass der Schaden wieder gut gemacht wird. Darum dürfen wir die Autoindustrie nicht aus der Verantwortung entlassen.

Interviewer: Passauer Neue Presse, Andreas Herholz

06.10.2018 | Medienbeitrag Luftreinhaltung | Passauer Neue Presse