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Situation in Japan sowie mögliche Auswirkungen in Deutschland

Was ist im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi geschehen?

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH hat eine Broschüre zur Lage in Fukushima erstellt, die einen Überblick über den Unfallablauf und Maßnahmen zur Bewältigung der Unfallfolgen im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bietet. Der aktuelle Stand zu den Arbeiten auf dem Anlagengelände in Fukushima neun Jahre nach dem Reaktorunfall ist ebenfalls auf der Internetseite der GRS veröffentlicht.

In welchem Zustand befinden sich die Reaktorblöcke 1 bis 4?

Das bei den Kernschmelzen entstandene Corium besteht aus einer Mischung verschiedener Stoffe, insbesondere aus dem Kernbrennstoff selbst, geschmolzenen Kernbauteilen sowie gegebenenfalls auch Beton vom Boden des Containments.

Der Kernbrennstoff beziehungsweise das Corium in den Reaktorblöcken 1 bis 3 wird durch das Einspeisen von Wasser gekühlt. Nach derzeitigem Kenntnisstand geht von dem Kernbrennstoff beziehungsweise dem Corium in den Reaktorblöcken 1 bis 3 keine unmittelbare Gefahr einer sich wieder in Gang setzenden Kettenreaktion aus.

Im Reaktorblock 4 befanden sich zum Unfallzeitpunkt alle Brennelemente (BE) aus dem Reaktordruckbehälter (RDB) im BE-Lagerbecken, so dass es zu keiner Kernschmelze im RDB kommen konnte.

Wie werden die Reaktorblöcke 1 bis 3 gekühlt?

Die Reaktorblöcke 1 bis 3 wurden in der ersten Woche nach dem Unfall über mobile Pumpen bespeist. Zunächst wurde dazu teilweise Meerwasser verwendet; später wurde die Kühlung aller drei Blöcke auf Frischwassereinspeisung mit Elektropumpen umgestellt. Seit Ende Juni 2011 wird das Kühlwasser für die Blöcke 1 bis 3 aus der zwischenzeitlich errichteten Wasseraufbereitungsanlage entnommen und die Kühlung erfolgt über einen "offenen" Kühlkreislauf.

Wie wird die Unterkritikalität in den Reaktorblöcken 1 bis 3 sichergestellt?

Nach derzeitigem Kenntnisstand geht von dem Kernbrennstoff beziehungsweise dem Corium in den Reaktorblöcken 1 bis 3 keine unmittelbare Gefahr einer sich wieder in Gang setzenden nuklearen Kettenreaktion aus. Dafür sprechen unter anderem die konstanten Temperaturen und die Zusammensetzung der freigesetzten radioaktiven Stoffe im Reaktorinneren. Die gemessene Konzentration von Xenon-135, welches ein gasförmiges Spaltprodukt mit kurzer Halbwertszeit ist, liegt in allen drei Blöcken unterhalb des von Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) genannten Kritikalitäts-Grenzwertes von 1 Becquerel pro Kubikzentimeter (Bq/cm³). Um gegebenenfalls Kernspaltungen zu unterbinden, ist für jeden Block die Einspeisung eines Borsäuregemisches möglich. Messwerte für die Reaktoren der Blöcke 1 bis 3, wie zum Beispiel für Einspeisemengen in die Reaktoren, Temperaturen, Drücke oder Edelgaskonzentrationen, können auf der Seite von TEPCO täglich verfolgt werden.

Wie werden Wasserstoffexplosionen in den Reaktorblöcken 1 bis 3 vermieden?

Wasserstoff wird weiterhin durch Radiolyse und Korrosionsprozesse erzeugt. Um die Bildung eines zündfähigen Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisches zu verhindern, speist Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) kontinuierlich Stickstoff in die Reaktordruckbehälter (RDB) der Blöcke 1 bis 3 ein, wodurch sich im Containment im Zusammenwirken mit der Lüftungsanlage ein leichter Überdruck einstellt. Die Maßnahme beugt zwar einer möglichen Wasserstoffexplosion vor, jedoch steigt durch den erhöhten Innendruck auch das Risiko von Freisetzungen. Im Block 2 hat TEPCO deshalb im Herbst 2018 testweise den Überdruck im Containment durch Anpassung der Stickstoffeinspeisung halbiert. Der Test hat laut TEPCO zu keinen signifikanten Veränderungen der Anlagenwerte geführt, weshalb seit Dezember 2018 die geringere Einspeisung beibehalten wird.

Wie werden die Reaktorkerne lokalisiert und in welchem Zustand befinden sie sich?

Block 1: Block 1 wurde im Jahr 2015 untersucht. Hier hat eine fast vollständige Verlagerung des Reaktorkerns aus dem Reaktordruckbehälter (RDB) stattgefunden und geschmolzenes Material befindet sich auf dem Boden des Containments. Durch Abgleich mit vorliegenden Konstruktionsunterlagen konnte festgestellt werden, dass sich der RDB und das Containment in ihrer ursprünglichen Position befinden und dass sich innerhalb des RDB keine größeren Kernbrennstoffbestandteile mit einer Größe von über einem Meter befinden. Die Ergebnisse der Untersuchungen bestätigen die Ergebnisse der Unfallanalysen. Der Großteil des Kernbrennstoffs hat sich während des Unfalls aus dem RDB in den unteren Containmentbereich verlagert und ist dort mit den Betonstrukturen in Wechselwirkung getreten, so dass ein erstarrtes Gemisch von Beton, metallischen Strukturmaterialien und Kernbrennstoff vorliegt. Im März 2017 wurde unter anderem festgestellt, dass sich geschmolzenes Material auch außerhalb des Steuerstabantriebsraums befindet. Es wurde eine Probe vom Material auf dem Boden des Containments genommen. Größere Schäden an der äußeren Wand des Steuerstabantriebsraums und sonstigen Strukturen wurden nicht beobachtet.

Um das Innere des Containments weiter inspizieren zu können, wurde am 8. April 2019 begonnen, einen Zugang über eine Personenschleuse zu schaffen. Die Personenschleuse wurde dafür aufgebohrt. Um einen Austrag von radioaktiven Stäuben aus dem Containment zu vermeiden, wurde unter anderem der Überdruck im Containment vermindert.

Block 2: Nach der Unfallanalyse für den Block 2 hat sich während des Unfalls nur wenig Corium auf den Boden des Containments verlagert. Der Großteil des geschmolzenen Kernbrennstoffs und der geschmolzenen metallischen Strukturmaterialien sei demnach im RDB verblieben und soll sich wieder verfestigt haben. Es befinden sich circa 160 Tonnen (t) Material auf dem Boden des RDB, 20 bis 50 t in der ursprünglichen Kernposition und 70 bis 100 t Strukturmaterial im Bereich darüber. Kleinere Mengen könnten sich auch im Außenbereich des RDB befinden. Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen die Ergebnisse der Unfallanalysen.

Größere Schäden an der inneren Wand des Steuerstabantriebsraums, welcher sich unter dem RDB befindet, sowie geschmolzene Kabeltrassen und metallische Stützen der Handhabungseinrichtung für Steuerstabantriebe wurden nicht beobachtet. Es existieren weitere Ablagerungen in höheren Bereichen, die wahrscheinlich ausgehend von verschiedenen Wegen heruntergetropft sind. Ein Ausfluss von geschmolzenem Material aus dem Steuerstabantriebsraum heraus über den Zugang für den Steuerstabantriebsraum konnte nicht beobachtet werden.

Zur weiteren Planung der Rückbauarbeiten kam am 13. Februar 2019 ein Roboter im Containment des Blocks 2 zum Einsatz. Dieser verfügt über zwei Greifklauen, eine schwenkbare Kamera, ein Thermometer, ein Dosimeter und LED-Lampen und soll eine Last von bis zu zwei Kilogramm heben können. Der Roboter wurde mittels einer Stange in das Containment eingeführt und in den unteren Bereich des Steuerstabantriebraums abgeseilt. Dort wurde er an sechs Stellen positioniert, um die Verformbarkeit der Ablagerungen zu überprüfen. Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) berichtete, dass die Ablagerungen an fünf Stellen mit den Greifklauen verformt und gegriffen werden konnten. Dies bedeutet, dass das verformbare Material mit einem vergleichbaren Mechanismus geborgen werden könnte. Unter dem Link "TEPCO - Untersuchung Block 2 im Februar 2019" hat TEPCO ein Video von der Untersuchung eingestellt. Die Entnahme einer Probe für weitere Tests im Labor war mit einem anderen Roboter in der zweiten Jahreshälfte 2019 vorgesehen.

Block 3: Nach offiziellen japanischen Angaben für den Block 3 befindet sich noch ein Teil der Kernschmelze im RDB und Corium hat sich auf den Boden des Containments verlagert.

Ein Scan zeigte im September 2017, dass sich der Kernbrennstoff größtenteils außerhalb des RDB befindet. Anhand der Aufnahmen vermutet TEPCO, dass keine massiven Ansammlungen von kontaminiertem und sehr dichtem Material im RDB vorhanden sind, wie es zum Beispiel in Block 2 der Fall ist.

Eine Robotermission im Containment lieferte im Juli 2017 Bilder von den Steuerstabantrieben. Teile der Steuerstabantriebe sind auf den Unterwasseraufnahmen eindeutig zu erkennen. Darüber hinaus fand man zahlreiche beschädigte und/oder geschmolzene Teile der konstruktiven Gebäudeeinbauten im Steuerstabantriebsraum. Auch Bruchstücke eines Steuerstabführungsrohres mit mehreren Zentimetern Durchmesser aus dem Inneren des Reaktors sind auf den Aufnahmen zu sehen, was Rückschlüsse auf eine entsprechend große Öffnung im RDB zulässt. Im Steuerstabantriebsraum wurde Corium in der Nähe des Zugangs zum Steuerstabantriebsraum beobachtet, jedoch ohne einen Blick auf den Zugang selbst werfen zu können. Es wird deshalb nicht ausgeschlossen, dass ein Teil des Coriums über den Zugang aus dem Steuerstabantriebsraum herausfließen konnte. Größere Schäden an der inneren Wand des Steuerstabantriebsraums wurden nicht beobachtet.

Können die Reaktorkerne aus den Reaktorblöcken 1 bis 3 geborgen werden?

Wie genau eine mögliche Bergung des Kernbrennstoffs ablaufen kann, ist derzeit noch Gegenstand von Untersuchungen und hängt von den Inspektionsergebnissen im Inneren der Blöcke 1 bis 3 ab. Es werden verschiedene Methoden untersucht, die von einer vollständigen Flutung des Containments, über eine Teilflutung bis hin zum trockenen Containment ausgehen. Derzeit tendiert man zu einer teilweisen Flutung des Containments mit Wasser während der Bergung und zu einem seitlichen Zugang am Boden des Containments, um das Corium vom Boden des Containments zu bergen. Eine Bergung von oben mit geflutetem Containment wird als schwierig angesehen, da dafür die Leckagestellen im Containment abgedichtet werden müssten. Es wird angenommen, dass neben den gefundenen Leckagestellen auch noch nicht entdeckte kleine Risse vorhanden sind. Diese Annahme beruht auf vorgefundenen Rissen in den Blöcken 5 und 6, nachdem dort Dichtarbeiten durchgeführt worden waren. Für die Rückbauarbeiten werden 30 bis 40 Jahre veranschlagt.

Die Kernschmelzfragmente sollen zuerst aus Block 2 geborgen werden, da Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) eigenen Angaben zufolge die meisten Kenntnisse über die Bedingungen im Block 2 vorliegen. In die Entscheidung flossen unter anderem die – bislang im Vergleich zu den anderen Blöcken umfangreichsten – Ergebnisse der Erkundungsfahrten diverser Roboter im Containment (zum Beispiel Kameraaufnahmen und Trümmerproben) und das Arbeitsumfeld insgesamt (zum Beispiel Zugang zum Containment von außen, keine Wasserstoffexplosion im Reaktorgebäude erfolgt, begrenzte Aufenthalte möglich) mit ein. In einem nächsten Schritt plant TEPCO mit Hilfe eines Roboterarms testweise Kernschmelzfragmente von der Seite über eine Durchführung im Containment zu entnehmen. Die Bergung der Kernschmelzfragmente könnte bei einer erfolgreichen Mission mit dieser Methode im Jahr 2021 starten.

Wie wird mit den kontaminierten Wässern umgegangen?

Täglich fallen vor allem bedingt durch Grundwasserzufluss in die Reaktorgebäude und abhängig von Niederschlägen kontaminierte Wässer zusätzlich an. Diesen Wässern werden mit Aufbereitungsanlagen Radionuklide entzogen, aber Tritium kann nicht entzogen werden. Die Wässer werden in Tanks auf dem Anlagengelände gelagert.

Am 23. Januar 2020 lagerten auf dem Anlagengelände circa 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser verteilt auf circa 1.000 Tanks. Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) geht davon aus, dass im Sommer 2022 alle Tanks gefüllt sind und damit die Lagerkapazität erschöpft sein wird. Auf dem Anlagengelände wird Platz reserviert, um Corium und Brennelemente in Zwischenlagerbehältern zu lagern. Dieser reservierte Platz könnte zur Lagerung der Wässer genutzt werden, aber dann wären die Stilllegungsmaßnahmen beeinträchtigt.

Die Umlagerung des Wassers aus den leckageanfälligen, geschraubten Tanks in geschweißte Tanks begann im März 2014 und konnte am 27. März 2019 abgeschlossen werden.

Im Herbst 2018 wurde öffentlich, dass das von TEPCO als sogenanntes "Tritium Wasser" deklarierte und in Tanks gelagerte Wasser teilweise immer noch größere Mengen radioaktiver Stoffe wie Jod, Cäsium und Strontium enthält. Diese Wässer sind bereits mit ALPS-Anlagen (Advanced Liquid Processing Systems) behandelt worden. Diese Anlagen sind in der Lage, die kontaminierten Wässer so aufzubereiten, dass die Grenzwerte für eine Abgabe an die Umwelt unterschritten werden.

Anfang Februar 2020 informierte die japanische Regierung ausländische Diplomaten darüber, welche Optionen es bezüglich der Entsorgung des in den Tanks gelagerten und mit Tritium belasteten Wassers gibt. Demnach hat eine vom japanischen Wirtschaftsministerium (Ministry of Economy, Trade and Industry, METI) eingesetzte Expertengruppe aufgrund ihrer Untersuchungen zur Tritium-Entsorgung die Optionen "Einspeisen in das Erdreich", "Abgabe als Wasserstoff" oder "Verfestigung mit unterirdischer Lagerung" verworfen, da zu viele ungelöste Aspekte vorhanden sind, die eine praktische Umsetzung aufgrund Vorschriften, Technologien und Zeit behindern. Deshalb werden die beiden Optionen "kontrollierte Abgabe ins Meer" oder "Verdampfung" vorrangig weiter untersucht und als praktisch umsetzbar angesehen. Die Option "kontrollierte Abgabe ins Meer" soll mehrere Vorteile haben. Tritiumhaltige Wässer werden bereits weltweit von Atomkraftwerken oder kerntechnischen Aufbereitungsanlagen ins Meer eingeleitet, so dass Betriebserfahrungen mit dieser Option hinsichtlich der regulären Abgabe von vergleichbaren Abwässern vorhanden sind. Die Wässer aus den Tanks sollen vor einer Einleitung nochmals mittels der ALPS-Anlagen so weit aufbereitet werden, dass die zugelassenen Grenzwerte unterschritten werden. Es ist eine unabhängige Überprüfung der Radionuklidkonzentrationen nach dieser Aufbereitung vorgesehen. Vor der eigentlichen Einleitung ist zusätzlich eine Verdünnung mit Seewasser vorgesehen. Die Vorhersage der Verteilung der Radionuklide im Meer ist aufgrund der relativ konstanten Meeresströmungen einfacher als im Falle der "Verdampfung" mit Freisetzungen in die Luft und dem Einfluss des Wetters. Dies trifft ebenfalls für die messtechnische Überwachung der Verteilung der Radionuklide im Meer zu. Darüber hinaus werden auch Vorteile bei der gesellschaftlichen Akzeptanz sowohl national als auch international gesehen (zum Beispiel kein direktes Einatmen, keinen Niederschlägen ausgesetzt, Auswirkungen auf Flora und Lebewesen niedriger).

Gibt es Maßnahmen zur Vermeidung des Eintrags kontaminierter Wässer ins Meer und zur Verringerung des Anfalls kontaminierter Wässer?

Seit dem Jahr 2015 sind keine größeren Leckagen aus den Tanks und Kontaminationsverschleppung durch Regenwasser aufgetreten.

Das Grundwasser-Absperrbauwerk ("Sea-side Impermeable Wall") wurde als wasserundurchlässige Barriere direkt vor den Kühlwassereinlaufbauwerken und vor dem Kühlwasserauslauf der Blöcke 1 bis 4 im Oktober 2015 fertiggestellt. Es besteht aus 594 Stahlrohren (Durchmesser circa 1,1 Meter (m), 30 m lang), die circa 20 m tief in den Meeresboden eingerammt wurden. Die Gesamtlänge des Absperrbauwerks beträgt 780 m, von denen sich fast 520 m im Kühlwassereinlaufbereich und circa 265 m im offenen Meer vor dem Kühlwasserauslauf befinden. Nach Veröffentlichungen von Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) konnte durch das Absperrbauwerk eine Reduzierung der Aktivitätskonzentration innerhalb des Hafenbereichs erzielt werden.

Um den Anfall kontaminierter Wässer zu verringern, wurden verschiedene Maßnahmen vorgenommen:

  • Inbetriebnahme von Grundwasserpumpen ("Groundwater Bypass", 12 Pumpen), die sich auf dem Hügel befinden. Nach der Untersuchung auf Kontaminationen und gegebenenfalls Reinigung wird dieses Grundwasser in das Meer eingeleitet.
  • Inbetriebnahme der "Subdrains" (41 Pumpen), bei welchen es sich um die Grundwasserpumpen in unmittelbarer Nähe zu den Gebäuden der Blöcke 1 bis 4 handelt. Nach der Reinigung und dem Freimessen kann das gereinigte Grundwasser ins Meer verklappt werden
  • Inbetriebnahme "Groundwater drain" (5 Pumpen), das heißt die Pumpen zwischen "Eiswall" und Grundwasser-Absperrbauwerk im Meer. Abgepumptes Grundwasser sollte ebenfalls ins Meer eingeleitet werden, aber da dieses Wasser höhere Kontaminationen aufweist, wurde es den Anlagen zur Aufbereitung und Lagerung kontaminierter Wässer zugeführt. Nach einer Modifikation wird das abgepumpte Grundwasser derzeit direkt in das Untergeschoss eines Maschinenhauses eingeleitet und gelangt von dort aus in die Aufbereitungsanlagen.
  • Inbetriebnahme des Eiswalls ("Frozen Soil Wall" oder "Land-side Impermeable Wall") um die Gebäude der Blöcke 1 bis 4 herum. Nach Angaben von TEPCO ist das Einfrieren erfolgreich (teilweise wurden mehrfach Zementmischungen und/oder Wasserglas (Alkalisilikate, die durch Ausbildung wasserunlöslicher Kieselsäure im Erdreich erstarren) in den Boden injiziert, um das Einfrieren zu ermöglichen). Daten zum Eiswall: 1.568 Gefrierrohre, Länge des Eiswalls circa 1.500 m, Tiefe circa 30 m, Gefrierlösung (Salzlauge aus Kalziumchlorid) circa -30 Grad Celsius (°C).

Der Grundwasserzutritt in die Gebäude der Blöcke 1 bis 4 wurde durch Inbetriebnahme der "Subdrain"- und "Groundwater Drain"-Pumpen verringert, wie Auswertungen von TEPCO zeigten. Zusammen mit der vollständigen Inbetriebnahme des Eiswalls im März 2018 konnten die eindringenden Grund- und Regenwassermengen verringert werden (im japanischen Geschäftsjahr (fiscal year – FY; 01. April bis 31. März) 2015 drangen im Mittel 270 m³/Tag ein; FY) 2016 200 m³/Tag, im FY 2017 140 m³/Tag, im FY 2018 100 m³/Tag und im FY 2019 140 m³/Tag). Diese Menge ist jedoch abhängig von Regenfällen. Es ist vorgesehen, die eindringenden Grund- und Regenwassermengen weiter zu verringern. Im Jahr 2020 sollen weniger als 150 m³/Tag anfallen und Zielvorgabe für 2025 ist ein Wert unterhalb von 100 m³/Tag.

Wo werden die radioaktiven Abfälle des Rückbaus gelagert?

Beim Rückbau der Reaktorblöcke fallen unterschiedliche Arten radioaktiver Abfälle an, die Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) auf dem Anlagengelände lagert und teilweise auch dort behandelt. Der Umgang mit den Abfällen und deren Lagerung müssen so organisiert sein, dass die zusätzliche Ortsdosisleistung am Anlagenzaun unter dem behördlich festgelegten Wert von einem Millisievert pro Jahr liegt.

Abhängig von ihrer radiologischen Wirkung kommen für die Abfälle unterschiedliche Lagerungskonzepte zum Einsatz. So sind für feste Abfälle mit einer Dosisleistung von 1 bis 30 mSv/h (Millisievert pro Stunde), wie beispielsweise Beton- und Metallteile von den Aufräumarbeiten in und an den Gebäuden, Zelte oder Container zur Lagerung vorgesehen. Radioaktive Rückstände, die die Multinuklidfilteranlagen (Advanced Liquid Processing Systems, ALPS) aus dem kontaminierten Wasser filtern, werden hingegen in sogenannten HIC (High Integrity Containers) gelagert, die auf dem Anlagengelände in einem gesonderten Bereich in Schutz- und Abschirmbehältern aus Beton zwischengelagert werden. Unbeschädigte Brennelemente (BE) aus dem Block 4 werden für die Zeit der Abklinglagerung (circa 3 bis 5 Jahre) in dem sogenannten "Gemeinsamen Standort-Lagerbecken" aufbewahrt. Hier soll auch ein Großteil der BE der Blöcke 1 bis 3 untergebracht werden, sobald die Bergung aus den Lagerbecken erfolgt. Für die Zeit nach der Abklinglagerung existiert ein Trockenlager, in dem bereits BE aufbewahrt werden, die vor dem Unfall entladen wurden.

Gibt es am Standort Fukushima neue Maßnahmen zum Schutz vor Tsunamis?

Zum Schutz der Gebäude vor Tsunamiwellen hat Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) im September 2019 begonnen, die äußere Kaimauer des Hafens mit einer L-förmigen Betonmauer um 11 Meter aufzustocken. Die Mauer soll 600 m lang und bis zum Ende des 3. Quartals 2020 fertiggestellt werden. Zuvor war eine 2,4 bis 4,2 m hohe provisorische Barriere errichtet worden. Außerdem wurden die Reaktorgebäude mit einzelnen Maßnahmen gegen das Eindringen von Wasser geschützt.

Um im Falle eines Tsunamis Beschädigungen auf dem Anlagengelände durch das Losreißen des sogenannten Mega Float (antriebsloser Schleppkahn zur Lagerung von Wasser) von der Kaimauer des Hafens zu vermeiden, soll dieses in das Kühlwasserzulaufbecken für die Blöcke 1 bis 4 verholt und dort verankert werden. Im Mai 2019 wurde das Mega Float in das Kühlwasserzulaufbecken für die Blöcke 1 bis 4 verholt, um dort zunächst das Ballastwasser zu reinigen und das Mega Float zu dekontaminieren. Am offenen Ende des Kühlwasserzulaufbeckens zum Meer wird der Meeresgrund aufgeschüttet, damit das Mega Float auf dem Meeresgrund vor dem Grundwasser-Absperrbauwerk aufgesetzt und verankert werden kann. Nach derzeitiger Planung sollen diese Arbeiten bis zum dritten Quartal 2020 fertig sein.

Was sind die weiteren Rückbauarbeiten?

Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) plant den Abbau der oberen Hälfte des von den Blöcken 1 und 2 gemeinsam genutzten, baufälligen, 120 Meter hohen Abluftkamins. An einer Zuleitung zu dem Abluftkamin war im Juli 2011 eine Ortsdosisleistung von etwa 10 Sievert/Stunde einen Meter über Grund gemessen worden. Besagte Rohrleitung wurde bei der Druckentlastung des Containments von Block 1 während des Unfalls genutzt. Hierdurch haben sich vermutlich größere Mengen radioaktiver Stoffe in der Leitung abgelagert. Um den geplanten Ablauf der Abrissmaßnahmen zu überprüfen, wurden im April 2019 die Dosisleistungen innerhalb und außerhalb des Kamins gemessen sowie visuelle Inspektionen mit einer Kamera durchgeführt. Der Beginn der Abbauarbeiten hat sich mehrmals verzögert und begann im August 2019. Im Mai 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Am 9. Januar 2019 fiel eine Stahlplatte vom Abluftkamin, der gemeinsam von den Blöcken 3 und 4 genutzt wird, herab. Der Bereich um den Abluftkamin wurde daraufhin gesichert, um Personenschäden zu vermeiden. Ähnliche Maßnahmen wurden auf alle vier am Standort befindlichen Kamine ausgedehnt.

Was geschieht mit den Reaktorblöcken 5 und 6?

Im Dezember 2013 wurde entschieden, dass auch die Blöcke 5 und 6 stillgelegt werden sollen. Bislang werden die beiden Blöcke als Modell für Forschung und Entwicklung von Inspektions- und Bergetechniken für die Blöcke 1 bis 4 genutzt. Dies beinhaltete auch Schulungen und das Ausprobieren neuer Techniken. Diese Tätigkeiten werden von Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc. (TEPCO) in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel IRID (International Research Institute for Nuclear Decommissioning), und verschiedenen Herstellern durchgeführt.

Das Umladen der Brennelemente aus dem Reaktorkern in das Brennelement-Lagerbecken wurde in Block 5 im Jahr 2015 und in Block 6 im Jahr 2013 abgeschlossen.

Welche Auswirkungen gab es in Deutschland durch den atmosphärischen Transport radioaktiven Materials aus Japan?

Die infolge des Reaktorunfalls in Fukushima in die Atmosphäre freigesetzten radioaktiven Stoffe (Radionuklide) wurden mit dem Wind lokal, regional und global verfrachtet und gelangten in der Folge ins Meer oder wurden auf der Erdoberfläche deponiert. Wohin welche radioaktiven Stoffe gelangten, hing wesentlich vom Zeitpunkt der Freisetzung und von den dann herrschenden Wetterbedingungen wie Wind und Niederschläge ab. Strahlenbelastungen für den Menschen entstanden in den ersten Wochen nach dem Unfall durch das Einatmen von und die äußere Bestrahlung durch die in der Luft befindlichen radioaktiven Stoffe, später nur noch durch die auf dem Boden deponierten Radionuklide und durch die Aufnahme von Radionukliden über die Nahrung

Nach dem Reaktorunfall erhöhten sich in Deutschland die Jod-131 und Cs-134/137 Konzentrationen in der Luft für etwa einen Monat. Die gemessenen Konzentrationen waren aber so gering, dass sie keine gesundheitliche Gefährdung für die Menschen und die Umwelt in Deutschland und Europa darstellten. Die daraus resultierende Strahlenbelastung der Menschen betrug einige Millionstel Millisievert (mSv) insgesamt, was als sehr gering im Vergleich zur mittleren Strahlenbelastung durch natürliche Radionuklide in der Umwelt von 2,1 mSv pro Jahr einzustufen ist. Nach der Freisetzung der primär leicht flüchtigen Radionuklide wurden diese mit den Luftmassen global über die gesamte nördliche Erdhalbkugel verteilt. Während des Transports nahm die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft mit zunehmender Entfernung vom Unfallort durch Verdünnung kontinuierlich ab. Zusätzlich verringerte sich die Konzentration der radioaktiven Stoffe dadurch, dass ein Teil der Radionuklide unterwegs ausgewaschen wurde, sowie durch radioaktiven Zerfall insbesondere der kurzlebigen Radionuklide Jod-131 und Tellur-132, die zu Beginn des Unfalls in Japan Dosis bestimmend waren. Durch diese Verdünnungseffekte kamen in Europa nur noch sehr geringe Aktivitäten in der Luft in Deutschland an, die nur mit den aufwändigen Methoden der Spurenanalyse nachzuweisen waren. Am 23. März 2011 wurde erstmals Jod-131 und Cs-134/137 in den Luftproben an den Spurenmessstellen in Braunschweig, Potsdam und Offenbach nachgewiesen, am darauf folgenden Tag dann auch an der Messstation Schauinsland bei Freiburg. Die maximalen Aktivitätskonzentrationen wurden etwa eine Woche später erreicht und lagen für Jod-131 bei einigen tausendstel Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) Luft, für Cäsium-137 bei einigen zehntausendstel Bq/m³Luft an den vier Messstationen. Danach nahmen die Aktivitätskonzentrationen der Radionuklide kontinuierlich ab. Seit Ende Mai 2011 liegen die Messwerte wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Im Vergleich dazu liegt die Konzentration des natürlich vorkommenden Edelgases Radon und dessen an Luftstaub gebundenen Folgeprodukten bei einigen Bq/m³ Luft im Freien und bei etwa 50 Bq/m³ im Mittel in Häusern. Standortabhängig schwanken diese Werte, weil die Radonkonzentration vom geologischen Ausgangsgestein und der Wetterlage beeinflusst wird.

Reise- und Sicherheitshinweise für Japan sind über die Internetseite des Auswärtigen Amtes abrufbar.

Konnte in Lebensmitteln deutschen Ursprungs Radioaktivität aufgrund des Unfalls in Fukushima nachgewiesen werden?

Durch die große Entfernung zu Japan und die damit verbundene Verdünnung der freigesetzten radioaktiven Stoffe erreichte nur ein sehr kleiner Anteil Deutschland. Es konnten in der Atmosphäre geringste Spuren an Jod und Cäsium nachgewiesen werden, die nur aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Geräte bestimmt werden konnten. Nach dem Durchzug der radioaktiven Wolke wurden in Deutschland vom Max-Rubner-Institut in Kiel (Leitstelle für Boden, Bewuchs, Futtermittel und Nahrungsmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft) zusätzlich zur routinemäßigen Überwachung der Umwelt repräsentative Umweltmedien mit erhöhtem Messaufwand untersucht. Um die einzelnen Nahrungsketten zu prüfen, wurden Milch und Winterlauch beprobt. In einigen Milchproben konnte Jod-131 in der Zeit vom 31. März 2011 bis 11. April 2011 nachgewiesen werden. Die Konzentrationen lagen zwischen 5 und 12 Millibecquerel (mBq) pro Liter. Nach dem 14. April 2011 lagen die Messwerte in der Milch nur noch unterhalb der Nachweisgrenze von 2 mBq pro Liter. Radioaktives Cäsium konnte in keiner der Milchproben nachgewiesen werden. In Lauch wurden Jod-131-Konzentrationen zwischen 110 und 550 mBq pro kg im Zeitraum vom 31. März 2011 bis 26. April 2011 gemessen. Cäsium wurde nur in zwei Lauchproben nachgewiesen. Sie lagen mit 40 und 60 mBq pro kg nur knapp oberhalb der Nachweisgrenze. Die gemessenen Werte waren so niedrig, dass eine gesundheitliche Gefährdung selbst bei erhöhtem Konsum von Milch und Freilandprodukten nicht zu befürchten ist.

Welche Regelungen gelten für Lebensmittelimporte aus Japan?

Lebensmittel, die aus Japan importiert werden, werden von den für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Landesbehörden auf Radioaktivität untersucht. Rechtliche Grundlagen dafür enthalten Sondervorschriften der Europäischen Union, die gestützt auf die Verordnung (EG) Nummer 178/2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts ab dem 25. März 2011 für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan in die EU nach dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima erlassen wurden. Mit der Durchführungsverordnung (EU) Nummer 297/2011 der Kommission vom 25. März 2011 traten die ersten Sondervorschriften in Kraft. Mit der Durchführungsverordnung (EU) 351/2011 wurden dann im April 2011 die in Japan geltenden Grenzwerte übernommen. Diese Sonderbedingungen werden seitdem regelmäßig von der EU-Kommission unter Beteiligung der Mitgliedstaaten überprüft und ggf. an die Ergebnisse der in Japan durchgeführten Lebensmittelüberwachung angepasst.

Derzeit sind diese besonderen Bedingungen für die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln aus Japan in der Durchführungsverordnung (EU) 2016/6 festgelegt, die von der EU-Kommission zuletzt am 24. Oktober 2019 mit der Durchführungsverordnung (EU) 2019/1787 aktualisiert wurde. Danach dürfen bestimmte Lebens- und Futtermittel aus einigen japanischen Regionen, bei denen in Einzelfällen noch erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt wurden, nur nach Deutschland eingeführt werden, wenn sie in Japan kontrolliert und zertifiziert wurden. Vor der Einfuhr solcher Lebens- und Futtermittel in die EU muss eine Bescheinigung vorgelegt werden, dass diese Erzeugnisse die in Japan und der EU geltenden Grenzwerte nicht überschreiten. Sollten wider Erwarten an den EU-Außengrenzen kontaminierte Lebensmittel festgestellt werden, werden diese zurückgewiesen und gelangen nicht auf den europäischen Markt. In Deutschland ist das Risiko äußerst gering, mit radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln, die aus Japan importiert wurden, in Kontakt zu treten. Die vorgeschriebenen Kontrollen bei der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus Japan zeigten, dass insgesamt nur in sehr wenigen Fällen eine messbare Kontamination nachgewiesen wurde.

Weitere Informationen, insbesondere zu Ergebnissen der Lebensmittelüberwachung, sind auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu finden.

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Bei einer Reise nach Japan kann davon ausgegangen werden, dass die Strahlenbelastung durch den Langstreckenflug von Europa nach Japan deutlich höher ist als durch einen Aufenthalt in Japan. Bei einem längeren Aufenthalt in den östlichen Gebieten der Präfektur Fukushima wird empfohlen, sich vorsorglich bei den Behörden vor Ort über mögliche lokale Einschränkungen zu informieren.

Ist für Nachbarstaaten Japans mit erhöhten Strahlungswerten zu rechnen?

Für die Nachbarstaaten Japans (wie zum Beispiel Korea, China, Russland, Philippinen) ist nicht mit erhöhten Strahlenwerten zu rechnen. Auch in den nördlich von Japan gelegenen Gebieten von Russland, in denen kurz nach dem Unfall Spuren von Radioaktivität in der Luft nachgewiesen werden konnten, war zu dieser Zeit keine Erhöhung der Dosisleistung erkennbar. Bei der Überwachung der Radioaktivität in Nahrungsmitteln in den Nachbarstaaten Japans zeigte sich unter vielen Tausenden von Messungen nur in sehr vereinzelten Importproben eine Überschreitung von Höchstwerten.

Sind die derzeitigen Notfallschutzplanungen in Deutschland auf Grund der Erfahrungen aus dem Unfall von Fukushima ausreichend?

In Deutschland sowie in den anderen europäischen Staaten basieren die derzeitigen Planungen zum Notfallschutz bei Unfällen in Atomkraftwerken und der Einsatz von Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung auf den Erfahrungen des Unglücks von Tschernobyl. Der Unfallablauf in Fukushima war gekennzeichnet durch langanhaltende Freisetzungen. Er unterscheidet sich somit von den Grundannahmen für den Einsatz von Maßnahmen, die gekennzeichnet sind durch eine längere Vorlaufzeit bis zum Beginn der Freisetzung beziehungsweise durch eine Freisetzung während eines vergleichsweise kurzen Zeitraums. Die Maßnahmen betreffen den Katastrophenschutz (Verbleiben in Gebäuden, Jodblockade der Schilddrüse, vorübergehende oder langfristige Evakuierung). Die bei der Bewältigung von Unfällen in Atomkraftwerken beteiligten Fachbehörden und Institutionen (Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH, Strahlenschutzkommission (SSK)) haben in einem aufwendigen Verfahren analysiert, ob und ggf. welche Schwachpunkte sich in der bisherigen Notfallschutzplanung ergaben. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in die von der SSK verabschiedeten "Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen" eingeflossen. Als gravierende Änderung ist vor allem die erhebliche Ausweitung der Planungszonen für Katastrophenschutzmaßnahmen zu erwähnen (Evakuierung bis 20 km, Aufenthalt in Gebäuden bis 100 km, Einnahme von Jodtabletten für Erwachsene unter 45 Jahren bis 100 km, für Kinder, Jugendliche und Schwangere bundesweit). Zudem ist auf Grund der Erfahrungen in Fukushima zu beachten, dass die Maßnahme "Aufenthalt in Gebäuden" nur über kurze Zeit aufrechterhalten werden kann.

Wie und von wem wird in Deutschland die Radioaktivität in der Umwelt überwacht?

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums (BMU), betreibt ein integriertes Mess- und Informationssystem (IMIS) zur umfassenden Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt in Deutschland. Hierfür sind flächendeckend etwa 1800 Messstationen im ständigen Einsatz. So liegt zu jeder Zeit ein detailliertes Bild über die radiologische Situation in Deutschland vor. Konkrete Daten aus Ihrer Region erhalten Sie auf der Internetseite ODL-Info – Radioaktivität in Deutschland. Darüber hinaus werden an 50 Messstationen die Aktivitätskonzentrationen in der Luft gemessen. Außerdem werden in mehr als 60 Laboratorien von Bund und Ländern Proben von Nahrungs- und Futtermitteln, Pflanzen und Boden sowie Abfälle analysiert. Das BMU informiert hierüber jährlich im Jahresbericht "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung", der auf der Internetseite des BMU und des BfS veröffentlicht wird.