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Mikroplastik in Pflegeprodukten und Kosmetika

Wie wird der Einsatz von Mikroplastik in Deutschland und der EU derzeit verringert?

Die deutschen Kosmetik-Hersteller hatten bis 2020 Zeit, den Einsatz von Mikroplastik schrittweise zu unterbinden. Das hat das BMU im Rahmen des "Kosmetik-Dialogs" 2015 mit den Herstellern vereinbart. Da es zu diesem Zeitpunkt keine gesetzlichen Vorgaben für den Einsatz dieser Partikel gab und ihr Einsatz schnell verringert werden sollte, hat sich das BMU für den Weg einer Selbstverpflichtung der betreffenden Branche entschieden. Diese umfasst den freiwilligen Verzicht auf Mikroplastikpartikel mit abrasiver, also schmirgelnder Wirkung, in Pflegeprodukten, die sich leicht abwaschen lassen und somit schnell ins Abwasser gelangen. Cremes, Lippenstifte oder Make-up sind davon nicht betroffen, da diese kaum für den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt relevant sind.

Hat die Selbstverpflichtung gewirkt?

Die Kosmetikbranche gab 2019 an, dass sie EU-weit 90 Prozent weniger Mikroplastik in leicht abwaschbaren Pflegeprodukten einsetze. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben im Auftrag der Hersteller steht noch aus. Der deutsche Kosmetik-Dialog hat dazu geführt, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Anfang 2019 ein direktes Verbot für Mikroplastikpartikel in abwaschbaren Pflegeprodukten vorgeschlagen hat. Die beteiligten Unternehmen haben nicht nur in den relevanten deutschen Produkten Mikroplastikpartikel entfernt, sondern EU-weit darauf verzichtet.

Was unternimmt die EU derzeit?

In der EU wird ein umfassendes Verbot von Mikroplastikpartikeln vorbereitet: in Kosmetika, Farben und Medikamenten genauso wie beim Einstreumaterial von Kunstrasenplätzen.

Das BMU hat dies schon länger gefordert. Die Mikroplastik-Beschränkung ist Teil der EU-Kunststoffstrategie. Sie wurde von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) entworfen. 2019 fand dazu ein ausführliches öffentliches Beteiligungsverfahren statt. Das Bundesumweltministerium hat durch seine Initiative für eine Selbstverpflichtung diese umfassende Beschränkungsregel für Mikroplastik befördert und beschleunigt.

Welche Vorteile hat ein EU-weites Mikroplastik-Verbot?

Das ist der sicherste Weg, um den gezielten Einsatz von Mikroplastikpartikeln in möglichst vielen Produkten zu vermeiden. Schließlich werden die betroffenen Pflegeprodukte wie auch andere Produkte mit Mikroplastik in der Regel im gesamten EU-Binnenmarkt gehandelt. Eine europaweite Verbots- beziehungsweise Beschränkungsregelung ist damit wesentlich wirksamer und rechtssicherer.

Wie geht es nun weiter?

Anfang März wurde die Stellungnahme der wissenschaftlichen Ausschüsse der ECHA veröffentlicht. Es obliegt jetzt der Europäischen Kommission zu entscheiden, ob und in welcher Ausgestaltung sie den Mitgliedstaaten einen konkreten Beschränkungsvorschlag unterbreitet. Zu diesem Vorschlag positioniert sich dann die Bundesregierung. 

Welche Regeln gelten für so genannte "flüssige" oder "gelartige" Kunststoffverbindungen?

Die so genannten "flüssigen" beziehungsweise "gelartigen" Polymere zählen nicht zur Kategorie der "Mikroplastik-Partikel". Es geht um Polymere und damit um jeweils einzelne, unterschiedliche Inhaltsstoffe in Kosmetika. Diese haben einen anderen chemikalienrechtlichen Status als Microbeads beziehungsweise Mikroplastik. Sie werden nach dem europäischen Chemikalienrecht (REACH) bewertet. Das BMU hat die zuständigen Behörden um eine Bewertung des Gefährdungspotenzials der einzelnen Polymere gebeten. Die Ergebnisse der aktuellen Prüfung durch die fachlich zuständigen Behörden (BAUA, UBA, BfR) liegen noch nicht vor.