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Kunststoffabfälle

Warum steigt das Aufkommen von Kunststoffabfällen, insbesondere im Verpackungsbereich in Deutschland weiter so stark an?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem neue Konsumtrends sind dafür verantwortlich, zum Beispiel eine deutliche Zunahme des Außer-Haus-Verzehrs oder eine deutliche Zunahme des Versandhandels. Auch der Trend hin zu mehr Single-Haushalten und verschärfte Hygienevorschriften tragen dazu bei.

Wie können wir überflüssige Plastikartikel vermeiden?

Überall wo Überflüssiges weggelassen werden kann, sollte dies auch geschehen. Das gilt nicht nur für Kunststoff. Vor allem braucht es mehr Bewusstsein beim Konsum und alternative Angebote. Dort, wo dies nicht ausreicht, können auch Produkteinschränkungen oder –verbote eingesetzt werden. Solche Verbote können wir wegen der gemeinsame EU-Binnenmarktregeln nicht allein auf Deutschland bezogen durchsetzen. Hierzu bedarf es EU-weiter Regelungen. In der EU sollen darum bestimmte Plastikartikel, die in der Regel nur kurz benutzt werden und häufig in der Umwelt, vor allem auch im Meer landen, verboten werden. Dazu zählen Strohhalme, Rührstäbchen oder Plastikbesteck.

Wie können wir überflüssige (Kunststoff-)Verpackungen vermeiden?

Etwa die Hälfte der Verpackungsmaterialien wird deutschlandweit für Verpackungen eingesetzt, die bei privaten Endverbrauchern landen. Die andere Hälfte besteht aus industriellen Verpackungen (zum Beispiel auch für den Export) oder in Logistikanwendungen. Der Handel ergreift bereits heute eigene Initiativen, um mehr Verpackung zu vermeiden. Zum Beispiel werden Bananen und Süßkartoffeln in Pilotversuchen auf der eigenen Schale mit einer Codierung versehen, die eine Art Preisschild und Herkunftsangabe darstellt. Mehrere Supermarktketten und Hersteller haben auch bereits angekündigt, in den kommenden Jahren weniger Verpackungen einsetzen zu wollen, indem sie zum Beispiel auf wiederverwendbare Verpackungen für Frischwaren setzen. Wichtig ist zudem die Arbeit von Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen, die regelmäßig auf unnötige Verpackungen hinweisen.

Versucht auch die Logistikbranche, Verpackungen zu vermeiden?

Ja. In der Logistikbranche gibt es verschiedene Ansätze, die Menge an Verpackungsmaterialien weiter zu verringern. So wird geprüft, für welche Bereiche der Logistik Mehrwegverpackungen eingesetzt werden können, wie sie beim Handling von Briefpost oder bei der Blumenlogistik eingesetzt werden. Best-Practice-Beispiele will das BMU nutzen, um mit dem Handel zu klären, bei welchen Produkten und Anwendungsbereichen Verpackungen vermindert oder weggelassen werden können. 

Was unternimmt der Gesetzgeber, damit mehr Kunststoffabfälle recycelt werden?

Am 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Damit geben wir gesetzlich deutlich höhere Recycling-Quoten vor. Diese Quoten sind materialspezifisch festgelegt: aus Papierverpackungen muss zu bestimmten Quoten wieder neues Papier, aus Kunststoffen müssen entsprechend wieder neue Kunststoffprodukte hergestellt werden et cetera. Aus gebrauchten Verpackungen müssen also wesentlich mehr Wertstoffe wiedergewonnen werden als bisher.

Hierzu gibt das Verpackungsgesetz konkrete Quoten vor: Für Kunststoffverpackungen im dualen System müssen sie von heute 36 auf 63 Prozent bis zum Jahr 2022 ansteigen (Stufe 1, 2019: 58,5 Prozent). Noch höhere Recycling-Quoten sind bei anderen Materialien vorgesehen: bei Metallen 90 Prozent (heute bei Aluminium 60 Prozent, bei Weißblech 70 Prozent); bei Glas 90 Prozent ab 2022 (heute 75 Prozent, Stufe 1, 2019: 80 Prozent) und bei Papier 90 Prozent ab 2022 (heute 70 Prozent, Stufe 1, 2019: 85 Prozent). Die dualen Systeme müssen diese Quoten nachweisen, für alle Verpackungen, die bei ihnen lizenziert sind. Um das zu erreichen muss noch besser gesammelt werden und es muss gründlicher sortiert werden. im Sinne des Verpackungsgesetzes zählt weder das Verbrennen noch die energetische Verwertung zum Recycling, da die enthaltenen Stoffe werkstofflich zu nutzen sind.

Wie viele Kunststoffe werden durch unsere Maßnahmen zukünftig mehr im Kreislauf gehalten?

Allein die erhöhten Recyclingquoten werden dafür sorgen, dass deutlich mehr Kunststoffverpackungen gesammelt, sortiert und recycelt werden müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2022 im Vergleich zu heute mehr als 400.000 Tonnen Kunststoffverpackungen zusätzlich recycelt werden.

Warum gibt es nicht mehr kompostierbare Verpackungen?

Biologisch abbaubare ("kompostierbare") Verpackungen sind keine sinnvolle Alternative. Der Begriff "kompostierbare" Kunststoffverpackungen führt in die Irre, da nach dem biologischen Abbau praktisch kein Kompost übrigbleibt, welcher verwertet werden könnte. Solche Kunststoffe zersetzen sich lediglich, und das auch nur unter optimalen verfahrenstechnischen Bedingungen, zum Beispiel in großtechnischen Kompostierungsanlagen aber auch dort vielfach nicht vollständig. Aus Sicht des Bundesumweltministeriums kann somit ein Eintrag von Kunststoffresten mit dem Bioabfall-Kompost in die Umwelt bislang nicht sicher ausgeschlossen werden. Außerhalb geeigneter großtechnischer Anlagen bauen sich solche Kunststoffe noch schlechter oder gar nicht ab zum Beispiel bei der Eigenkompostierung. Das Attribut „biologisch abbaubar“ kann somit zu einem sorglosen Umgang in Form wilder Entsorgung führen.