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Kampagne "Weniger ist mehr"

Was ist der Anlass für die Kampagne "Weniger ist mehr"?

In Deutschland fällt nach wie vor zu viel Plastikmüll an. In der Corona-Pandemie hat sich dieser Trend noch verstärkt. Besonders Einweg-Plastik, das oft nur kurze Zeit genutzt und dann achtlos weggeworfen wird, ist eine Verschwendung von Ressourcen und belastet Umwelt und Klima. Die Bundesregierung hat daher zahlreiche Maßnahmen beschlossen, um überflüssiges Einweg-Plastik zu vermeiden, Mehrweg-Angebote zu stärken, das Recycling auszuweiten sowie nachhaltigen Konsum zu stärken.

Raus aus der Wegwerfgesellschaft schaffen wir es aber nur, wenn jede und jeder Einzelne mithilft – auch jetzt im Alltag während der Corona-Pandemie. Über die Umwelt-Auswirkungen von Wegwerf-Plastik, die beschlossenen Maßnahmen sowie Möglichkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher, Mehrweg-Alternativen zu nutzen, informiert die Kampagne "Weniger ist mehr" vom 12. bis zum 26. April 2021.

Klar ist: Die Bewältigung der Pandemie, notwendige Hygiene-Anforderungen sowie Möglichkeiten für Außer-Haus-Verkauf für die unter der Pandemie leidende Gastronomie haben aktuell Vorrang. Daher wird auf der Kampagnen-Website auch darüber informiert, welche Mehrweg-Möglichkeiten Verbraucherinnen und Verbraucher in der aktuellen Situation haben und warum weniger Plastikmüll von enormer Bedeutung ist. Weiterhin wird auf die richtige Entsorgung von Masken und Schnelltests eingegangen.

Inwiefern ist Deutschland dazu verpflichtet, mittels Öffentlichkeitsarbeit und Informations-Kampagnen zu weniger Einweg-Kunststoffen beizutragen?

Nach Artikel 4 Einwegkunststoffrichtlinie (Richtlinie (EU) 2019/904) der Europäischen Union haben die Mitgliedstaaten, also auch Deutschland, Maßnahmen zu ergreifen, um den Verbrauch von Einweg-Getränkebechern und To-go-Lebensmittelbehältnissen aus Kunststoff von 2022 bis 2026 zu senken. Die Maßnahmen müssen "zu einer deutlichen Trendumkehr beim steigenden Verbrauch" führen. Die Aufklärung von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Form von Informations-Kampagnen ist dabei eine wichtige Maßnahme. 

Die Mitgliedstaaten müssen der Europäischen Kommission bis zum 3. Juli 2021 einen Bericht übersenden. Das Bundesumweltministerium (BMU) wird den Bericht über die zahlreichen und vielfältigen Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion der unterschiedlichen Akteure in Deutschland voraussichtlich im Juni vorlegen. Dabei wird auch die aktuelle Kampagne "Weniger ist mehr" berücksichtigt. Der Bericht wird dann auf der Website des BMU veröffentlicht.

Warum spricht die Kampagne auch Verbraucherinnen und Verbraucher an?

Verbraucherinnen und Verbraucher haben durch ihren alltäglichen Konsum einen entscheidenden Einfluss darauf, wie viel Plastikmüll anfällt – vor allem indem sie Einweg-Plastik vermeiden und stattdessen Mehrweg-Alternativen nutzen. Damit leisten sie einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Das BMU sorgt unter anderem dafür, dass es künftig noch mehr umweltfreundliche Mehrweg-Alternativen gibt und dass die Abkehr von Wegwerf-Plastik so leicht wie möglich ist.

Neben praktischen Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher zur Vermeidung überflüssigen Einweg-Plastiks informiert die Kampagne über geplante und bereits beschlossene politische Maßnahmen des Bundesumweltministeriums (BMU).

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pandemie tun, um Wegwerf-Plastik zu vermeiden?

Sehr viel! Ob beim Einkaufen im Supermarkt, beim Picknick im Park und in vielen anderen alltäglichen Situationen können sich Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst gegen Einweg-Plastik und für umweltfreundliche Mehrweg-Alternativen entscheiden. Klar ist dabei aber auch: Die Bewältigung der Pandemie, notwendige Hygiene-Anforderungen sowie Möglichkeiten für Außer-Haus-Verkauf für die unter der Pandemie leidende Gastronomie haben aktuell Vorrang – doch Plastikvermeidung geht auch in diesen Zeiten. 

Denn auch jetzt haben Verbraucherinnen und Verbraucher viele Möglichkeiten, Wegwerf-Plastik und Einweg-Produkte zu vermeiden: etwa in dem sie auf Plastik-Tüten und unnötige Verpackungen beim Einkauf verzichten, wiederverwendbare Beutel, Taschen und Rücksäcke sowie Obst- und Gemüsenetze als Ersatz für dünne Hemdchenbeutel nutzen, Mehrweg-Flaschen kaufen, Wegwerfprodukte wie Wattestäbchen und Trinkhalme weglassen oder Mehrweg-to-go-Angebote da nutzen, wo das mit den Hygiene-Anforderungen der Pandemie vereinbar ist. Das gilt etwa für Mehrwegbecher-Pfandsysteme, bei denen Becher industriell gespült und hygienisch einwandfrei wieder ausgegeben werden können.

Welche Motive zeigt die Kampagne warum?

Die Kampagne präsentiert alltägliche Beispiele für Einweg- beziehungsweise Wegwerf-Produkte, die schon heute komplett überflüssig sind. Die Motive sollen verdeutlichen, dass solche Produkte meist nur kurz genutzt werden – aber bei falscher Entsorgung lange die Umwelt belasten. Drei der vier Wegwerf-Produkte auf den zentralen Kampagnen-Motiven werden in den kommenden Monaten verboten: Fastfood-Boxen aus expandiertem Plastik, Wegwerf-Geschirr aus Plastik und Plastiktüten. Das ist ein wichtiger Schritt gegen überflüssiges Plastik, auf den die Kampagne hinweist. Zudem wird auf der Kampagnen-Website aufgezeigt, welche Möglichkeiten Verbraucherinnen und Verbraucher haben, diese Wegwerf-Artikel durch Mehrweg-Produkte umweltfreundlich zu ersetzen.

Das vierte Motiv zeigt einen Einweg-Kaffeebecher: Schon heute unterstützt das BMU den Einsatz von Mehrweg-Bechern. Zudem müssen ab Juli 2021 neu hergestellte Einweg-Getränkebecher aus Plastik mit einem Entsorgungshinweis gekennzeichnet werden, damit sie nicht mehr achtlos weggeworfen werden. Und ab 2023 müssen Cafés, Imbisse et cetera ihren Kunden sogar verpflichtend eine Mehrweg-Alternative anbieten. Das abgebildete Rührstäbchen aus Plastik wiederum gehört übrigens auch zu den zukünftig verbotenen Produkten.

Welche Maßnahmen – insbesondere aus dem 5-Punkte-Plan – hat das BMU umgesetzt?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat im Jahr 2018 einen 5-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling vorgelegt. Seitdem wurden eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt: Wegwerf-Produkte aus Plastik sowie Plastiktüten in Geschäften werden in den kommenden Monaten verboten. Eine höhere, verbindliche Recycling-Quote für Plastikverpackungen sowie eine bessere Kennzeichnung von Einweg- und Mehrweg-Flaschen wurden beschlossen. Die Pfandpflicht wird auf alle Dosen und Plastikflaschen ausgeweitet. Ab 2023 wird es die Verpflichtung zu Mehrweg-Angeboten im To-go-Bereich geben. Hersteller von Wegwerf-Produkten wie To-go-Einweg-Bechern müssen sich künftig an den Reinigungskosten von öffentlichen Plätzen beteiligen. Ab 2021 gelten verschärfte Vorschriften für den Export von Kunststoffabfällen. Waren aus Retouren und Überhängen – oft Neuware – sollen nicht mehr so einfach im Müll landen oder vernichtet werden. Händler werden dank der neuen Obhutspflicht eine sinnvolle Verwendung für diese Waren finden müssen. In der Summe bedeuten diese und weitere Maßnahmen, dass eine Trendwende eingeleitet wurde und dass Deutschland den Weg raus aus der Wegwerfgesellschaft eingeschlagen hat!