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15.06.2018 | Protokolle und Berichte | Artenschutz

Bericht des Bundes über Kenntnisstand, aktuelle Forschungen und Untersuchungen zum Insektensterben sowie dessen Ursachen

In Deutschland sind über 33.300 Insektenarten bekannt, das sind knapp 70 Prozent aller in Deutschland nachgewiesenen Tierarten. In allen Lebensräumen an Land und auch im Süßwasser stellen Insekten die artenreichste Tiergruppe. Zu den Insekten gehören unter anderem Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken, Ameisen, Fliegen und Libellen. Die Lebensweise und die Ansprüche an Lebensräume, Nahrung, Kleinklima oder ganz bestimmter Kombinationen verschiedener Elemente im Lebensraum sind ebenso vielfältig wie die Insekten selbst. Zur Erfüllung der unterschiedlichen Lebensraumansprüche, aber auch zum Abpuffern ungünstiger Bedingungen (Wetterverlauf, Parasitendruck, Krankheiten) benötigen Insekten ausreichend große und auf verschiedenen Skalen vernetzte Lebensräume, die ein Ausweichen in günstigere Bereiche ermöglichen und zudem auch bei stärkeren Verlusten eine überlebensfähige Population mit entsprechendem Genpool sicherstellen.

Insekten erbringen wichtige ökologische Leistungen. Der Rückgang von Insekten kann tiefgreifende Konsequenzen für die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts und seiner Leistungen haben. Insekten sind die wesentliche Nahrungsgrundlage für zahlreiche weitere Insekten, Spinnen, Vögel, Reptilien, Amphibien oder insektenfressende Säugetiere, unter anderem auch Fledermäuse. Der Rückgang der Individuenzahlen von Insekten dürfte sich auf die nachgelagerten Glieder der Nahrungskette auswirken, was mit zeitlicher Verzögerung zu kaskadenartigen Effekten führen kann. Die Angaben aus dem nationalen Vogelschutzbericht 2013 zeigen, dass bei den Vogelarten, die während der Brutzeit überwiegend Kleininsekten und Spinnen fressen, besonders viele Bestandsrückgänge zu verzeichnen sind.

Der Verlust von Insekten und ihren Ökosystemleistungen hat jedoch nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf uns Menschen. Insekten sind für unsere Ökosysteme unverzichtbar, unter anderem für Nährstoffkreisläufe, den Abbau organischer Masse, die biologische Schädlingskontrolle, die Gewässerreinigung und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Für den Menschen haben unter anderem auch die Bestäubungsleistungen von Insekten eine zentrale Bedeutung. In Deutschland wären beim Ausfall der Bestäubungsleistungen insbesondere der Obst- und Gemüseanbau, aber auch großflächig angebaute Ackerkulturpflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Ackerbohnen betroffen. Ohne Bestäubung durch Insekten würden die Erträge dramatisch zurückgehen, mit entsprechend negativen ökonomischen Auswirkungen.