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Beginn der Erfolgsgeschichte des Naturschutzes im wiedervereinigten Deutschland

Das Nationalparkprogramm der DDR

Das war knapp: Buchstäblich in letzter Minute vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik fasste der DDR-Ministerrat am 12. September 1990 den Beschluss, 14 große Naturlandschaften dauerhaft unter Schutz zu stellen. Wie konnte dieser beeindruckende Naturschutz-Erfolg vor bald 30 Jahren gelingen?

Naturschutz als Teil des politischen Diskurses der friedlichen Revolution

Neben dem Drang nach Freiheit speiste sich die friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989 auch aus dem Protest gegen Umweltschäden. Auf ehemaligen Staatsjagdgebieten und großen Truppenübungsplätzen blieben große ursprüngliche und naturnahe Landschaften erhalten. 

Bereits 1976 hatte ein Kreis von DDR-Botanikern um Lebrecht Jeschke, Michael Succow und Hans Dieter Knapp in Wesenberg ein Programm entwickelt, das auf die Einrichtung eines DDR-weiten Systems von Großschutzgebieten zielte. Zur Jahreswende 1989/90 brachten die Genannten dieses Programm in den politischen Diskurs der friedlichen Revolution ein – und mit der Ernennung von Michael Succow zum stellvertretenden Umweltminister der DDR am 15. Januar 1990 bot sich die Chance, ein System von Großschutzgebieten in der DDR aufzubauen. Neben dem innerdeutschen Grenzstreifen wurden nun ebenfalls die oben erwähnten ehemaligen Staatsjagdgebiete und großen Truppenübungsplätze in die Überlegungen einbezogen.

Das "Tafelsilber" der deutschen Einheit

In weniger als einem Jahr entwickelte im Umweltministerium der DDR ein Team zunächst um Michael Succow und ab Mai 1990 um Lutz Reichhoff, unterstützt durch tatkräftige Zuarbeit von Naturschützern aus den Regionen, das so genannte Nationalparkprogramm der DDR. 

Der Ministerrat beschloss in seiner letzten Sitzung am 12. September 1990 – und damit buchstäblich in letzter Minute –, 14 Großgebiete dauerhaft zu sichern. Mit fünf Nationalparken (Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund, Müritz, Sächsische Schweiz und Hochharz), sechs Biosphärenreservaten (Südost-Rügen, Schorfheide-Chorin, Spreewald, Mittlere Elbe, Rhön und Vessertal) sowie drei Naturparken (Drömling, Schaalsee und Märkische Schweiz) wurden etwa 4,5 Prozent der Landesfläche der DDR unter Schutz gestellt: Ein in der deutschen Geschichte einmaliger Vorgang. 

Durch die Aufnahme in eine Zusatzvereinbarung zum Einigungsvertrag, dem die beiden deutschen Parlamente schließlich zustimmten, gewannen diese 14 Großschutzgebiete nach dem 3. Oktober 1990 dauerhaften Schutz. Der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer bezeichnete diese Schutzgebiete als das "Tafelsilber" der deutschen Einheit.

Heute: 139 Großschutzgebiete in Deutschland

Nach der Wiedervereinigung wurden bundesweit insgesamt sechs weitere Nationalparke ausgewiesen: Unteres Odertal, Hainich, Kellerwald-Edersee, Eifel, Schwarzwald sowie im Mai 2015 der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Dazu kamen weitere acht Biosphärenreservate: Flusslandschaft Elbe, Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, Schaalsee, Bliesgau, Schwäbische Alb, Schwarzwald, Karstlandschaft Südharz und Drömling. Nicht zu vergessen eine größere Zahl an Naturparken, wie etwa Saale-Unstrut-Triasland, Dübener Heide, Westhavelland, Barnim, Am Stettiner Haff, Fläming und Sternberger Seenland.

In den letzten zehn Jahren hat die Bundesregierung insgesamt 156.000 Hektar Bundesflächen von der Privatisierung ausgenommen und sie als "Nationales Naturerbe" dem Naturschutz gewidmet. Dazu gehören aufgegebene Truppenübungsplätze, die ehemalige innerdeutsche Grenze, Bergbaufolgelandschaften und Flächen in Nationalparken und Biosphärenreservaten. 

Insgesamt verfügt Deutschland heute über 139 Großschutzgebiete: 16 Nationalparke, 18 Biosphärenreservate und 105 Naturparke.