Stand: Juli 2009


Ressourceneffizienz

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist in aller Munde, häufig vergessen wird dabei jedoch, dass die Verbesserung der Ressourcennutzung insgesamt, also auch der mineralischen und nachwachsenden Rohstoffe für die stoffliche Nutzung stark verbessert werden muss, um eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen. Deshalb ist die Verbesserung der Ressourceneffizienz ein Schwerpunkt der Arbeit des Bundesumweltministeriums.

Ressourcenproduktivität ist zwar seit den 90er Jahren (Faktor 4, Faktor 10) in der Diskussion, doch ging diese selten über die wissenschaftlichen Kreise hinaus. Zwar wurde das Ziel der Verdoppelung der Rohstoffproduktivität in die Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen, doch eine Untersetzung mit konkreten Maßnahmen hat nicht stattgefunden. Gleichwohl ist eine Reduzierung der Ressourcenintensität eingetreten. Die Energieproduktivität in Deutschland hat sich zwischen dem Basisjahr 1990 und dem Jahr 2007 um 40,1% verbessert, die Rohstoffproduktivität ist zwischen 1994 und 2007 um 35,4% gestiegen. Beide Entwicklungen zeigen damit in die richtige Richtung. Beide fallen aber noch zu gering aus, um das Nachhaltigkeitsziel einer Produktivitätsverdoppelung bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Einige Fakten:

  • Derzeit verbraucht ein Viertel der Weltbevölkerung, die Menschen in den Industrieländern, rund 80 Prozent der produzierten Energie und Rohstoffe. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Mitteleuropäern an natürlichen Ressourcen ist rund 10 mal höher als der von Afrikanern oder Vietnamesen.
  • Bei relativ guter Konjunktur stiegen die Rohstoffpreise teilweise explosionsartig an: beim Kupfer gab es im Jahr 2007 Preissteigerungen von Januar bis April von 45 %. Nach Schätzungen von Analysten dürfte allein China in 2007 den Kupferverbrauch um 12% gesteigert haben.
  • Der globale Nickelverbrauch ist seit dem Jahr 2000 um 30%. gestiegen, die Produktionskosten haben sich verdreifacht.
  • Insgesamt sind die Weltmarktpreise für importierte Rohstoffe im Euro-Raum zwischen den Jahren 2000 und 2005 um 81 % gestiegen.
  • Besonders deutlich waren die Preissteigerungen auch bei unterschiedlichen Stahlarten, die sich allein im Jahr 2004 zwischen 40 und 60 % verteuerten.

Die klimatischen Folgen unseres herrschenden Umgangs mit Energie und Rohstoffen beginnen die Menschen zu erahnen. Aber viele andere ökologische Folgen sind noch außerhalb des gesellschaftlichen Bewusstseins. Zu dem tatsächlichen "Verbrauch" beispielsweise von Nahrungsmitteln, Verpackungen oder Konsumgütern ist der Verbrauch an Ressourcen zu rechnen, der während des Produktionsprozesses und eventuell bei der Entsorgung anfällt. Dieser Faktor wird auch "ökologischer Rucksack" genannt. Und diese Rucksäcke können sehr schwer sein. Für einen Goldring von 10 Gramm Gewicht werden durchschnittlich 3,5 Tonnen Erdreich bewegt. Um 1 Tonne reinen Kupfers aus dem Gestein zu gewinnen, benötigt man einen Energieeinsatz von 14.000 bis 28.000 kWh, so viel verbraucht ein Zweipersonenhalt in Deutschland über einen Zeitraum von 4 bis 8 Jahren.

Fazit: Unser Umgang mit den Ressourcen ist alles andere als ökologisch.

Ansätze zur Ressourceneinsparung

Es gibt große Potenziale. Insbesondere die Metallbranche und der Elektro- und Anlagenbau boten bei einem Materialeinsatz im Wert von 18,6 Mrd.bzw. 10,2 Mrd. € im Jahr 2002 Einsparpotenziale bis zu 1,5 Mrd.bzw. 3 Mrd. € pro Jahr.

Immer noch wird viel zu einseitig die Höhe der Lohnkosten und die Erhöhung der Arbeitsproduktivität betrachtet, anstatt zu überlegen, wie man auf Seiten des Materialinpunts Kosten sparen könnte. Das wollen wir ändern! Es ist besser Megawattstunden arbeitslos zu machen als Menschen.

Gerade in den Unternehmen gibt es erhebliche Potentiale für Effizienzsteigerungen. Und das Interessante ist, dass es oft gar keiner großen Veränderungen bedarf um diese Potentiale zu realisieren. Mit modernen Lackierverfahren und wasserbasierten Lacken lassen sich Lösemittel und die Frischwasser einsparen und gleichzeitig die Menge des aufwändig und teuer zu entsorgenden Sondermülls reduzieren.

Dass diese Potenziale nicht gehoben werden ist umso erstaunlicher, angesichts der Tatsache, dass im produzierenden Gewerbe Deutschlands die Materialkosten durchschnittlich rund 40 Prozent des Bruttoproduktionswertes ausmachen, während die Lohnkosten nur mit rund 20 Prozent zu Buche schlagen. Deshalb liegt es nahe, verstärkt klima- und umweltfreundliche Strategien zur Ressourceneinsparung durch die Nutzung innovativer Technologien umzusetzen.

Denn die nachhaltige Bewirtschaftung knapper natürlicher Ressourcen ist eine der wesentlichen globalen Zukunftsaufgaben. Steigende Preise und sinkende Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie machen die Ressourceneffizienz und die entsprechenden Prozess- und Produktinnovationen zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. Das Ziel ist, die wirtschaftliche Entwicklung noch stärker vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln.

WortbildmarkeDas BMU lässt derzeit die Ressourceneffizienzpotenziale in den unterschiedlichen Branchen Deutschlands erheben, um die konkreten Ansatzpunkte für Effizienzmaßnahmen identifizieren und diese Potenziale heben zu können. Das soll dazu beitragen, dass Deutschland bis zum Jahr 2020 die ressourceneffizienteste große Volkswirtschaft der Welt wird. Ansatzpunkte hierfür sind die effizientere Nutzung der Rohstoffe, das Schließen von Stoffkreisläufen und nachhaltigere Lebensstile/Konsummuster. Dazu werden branchen- und stoffbezogene Strategien, Instrumente und Maßnahmen zur Ressourceneffizienz und ressourceneffizientem Verhalten entwickelt, die dann den politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren zur Verfügung gestellt werden können. Zu diesem Zweck hat das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt 31 Projektpartner unter Leitung des Wuppertal Instituts mit dem Forschungsprojekt "Materialeffizienz und Ressourcenschonung" (MaRess) beauftragt. Das Projekt läuft von Juli 2007 bis Dezember 2010.

Ansatzpunkte zur Steigerung der Ressourceneffizienz

Zusätzlich zu den schon bestehenden Ansätzen zur Umsetzung der Ziele der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sind folgende Schritte sinnvoll:

  • Identifizierung der Potenziale zur Steigerung der Produktivität und zur Reduktion der Umweltbelastungen für die (nach eingesetzten Mengen in D, Knappheit, Umweltwirkungen) wichtigsten Rohstoffe und Materialien über ihren gesamten Lebenszyklus einschließlich Gewinnung, Aufbereitung etc. auch im Ausland.
  • Berücksichtigung der Verfügbarkeit der in Deutschland genutzten wichtigsten Rohstoffe und Materialien. Damit soll ein Abhängigkeits-/Risikoindikator für unsere Volkswirtschaft ermittelt werden, der das Erfordernis verstärkter Ressourceneffizienz deutlich macht (insbesondere auch nutzbar für die politische Argumentation).
  • Entwicklung von Konzepten, Handlungsoptionen und möglichen Instrumenten zur Nutzung der Potenziale zur Steigerung der Ressourcenproduktivität und zur Reduktion der Umweltbelastungen für einzelne Stoffflüsse in ausgewählten Branchen (z.B. Stahl, Kunststoffe) und Bedürfnisfeldern (z.B. Bauen und Wohnen).
  • Diskussion von Handlungsoptionen und möglichen Instrumenten mit den relevanten Akteuren von Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Verbänden (sog. Ressourcendialoge), über alle Branchen bzw. Bedürfnisfelder sowie bezogen auf bestimmte Branchen bzw. Bedürfnisfelder.
  • Konzipierung und Durchführung von Pilotprojekten für einzelne Stoffflüsse in bestimmten Branchen und Bedürfnisfeldern, z.B. in der Aluminiumindustrie.
  • Einsatz von Instrumenten wie Ökodesignstandards, Abfallrecht (u. a. Produktverantwortung), Technologieförderung, Abbau von Ressourcenverbrauch fördernden Subventionen, Kennzeichnung oder Marktanreizprogrammen zur Umsetzung von Produktivitätssteigerungen auf der Basis der Ergebnisse der Ressourcendialoge.

Thematische Strategie zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen

Die deutschen Ziele und Aktivitäten zum Ressourcenschutz werden auf europäischer Ebene ergänzt durch die "Thematische Strategie zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen" (PDF-Dokument, 254 KByte), deren Ziel der sorgsame und effiziente Umgang mit natürlichen Ressourcen ist.

Die Europäische Kommission (EU-KOM) hat am 21. Dezember 2005 ihre Mitteilung zur Thematischen Ressourcenstrategie der EU vorgelegt. Deren Zielsetzung ist die Entkoppelung von Umweltbelastung und Wirtschaftswachstum. Ausgangspunkt für die thematische Ressourcenstrategie ist das sechste Umweltaktionsprogramm (6. UAP) der Gemeinschaft vom Juli 2002, das die Entkoppelung von Umweltbelastung und Wirtschaftswachstum als Zielsetzung festgeschrieben hat. Die Ressourcenstrategie ist auf 25 Jahre angelegt, von 2006 bis 2030.

Mit der Strategie will die EU erreichen, dass die mit Ressourcennutzungen verbundenen Umweltauswirkungen verringert werden. Es ist mit der Ressourcenstrategie jedoch nicht beabsichtigt, die Sicherstellung der Ressourcenversorgung der EU oder den Umgang mit Knappheiten bei einzelnen Rohstoffen anzugehen.

Hierfür will sie in vier Bereichen eigene Maßnahmen ergreifen:

  • Datensammlung: Aufbau eines Datenzentrums für natürliche Ressourcen, das es erleichtert, ressourcenbezogene Politiken zu gestalten.
  • Indikatoren: Entwicklung von ressourcenbezogenen Indikatoren bis 2008.
  • High-Level Forum: EU-KOM will ein High-Level Forum mit Vertretern der Mitgliedstaaten und allen relevanten Interessengruppen gründen. Es soll die nationalen Aktivitäten der Mitgliedstaaten zur Ressourcenpolitik begleiten und unterstützen.
  • Internationales Panel zur nachhaltigen Ressourcennutzung: In Zusammenarbeit mit UNEP und anderen internationalen Institutionen will EU-KOM ein Panel einrichten, um eine wissenschaftliche Beratung der Ressourcenpolitik zu gewährleisten.

Die Mitgliedstaaten sollen in den konkreten politischen Umsetzungsmaßnahmen u. a.

  • Aufstellungen über vorhandene Ressourcen anfertigen und den künftigen Ressourcenverbrauch abschätzen,
  • Anreize für die Entwicklung umweltverträglicher Produkte (inkl. Steueranreize) schaffen,
  • grüne öffentliche Beschaffung und Kennzeichensysteme fördern, um die Nachfrage nach umweltverträglichen Produkten zu stärken,
  • Konkrete Effizienzziele setzen und deren Erreichung regelmäßig überprüfen.

Besonders vorbildliche Maßnahmen in einzelnen Mitgliedstaaten sollen darüber hinaus auf EU-Ebene verankert werden.

Zukunftsdialog "Rohstoffproduktivität und Ressourcenschonung"

Für die aus ökologischer und ökonomischer Sicht wichtigen Fokusbereiche "Stahl", "Kupfer" und "Bauen und Wohnen" wurden im Rahmen von insgesamt drei Veranstaltungen im Dialog mit Branchenvertretern Potenziale zur Ressourceneinsparung und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung von Rohstoffproduktivität und Ressourcenschonung erarbeitet. Das Projekt wurde federführend vom Wuppertal Institut in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem UNEP / Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) durchgeführt. Für die drei Themenbereiche können zusammenfassend folgende Ergebnisse

Stahl: Die Stahlindustrie hat bei der Erzeugung von Roh- und Walzstahl schon sehr große Effizienzverbesserungen erzielt. In Deutschland werden nahezu 100 % des anfallenden Stahlschrotts wieder verwertet. Der Wassereinsatz wurde zwischen 1983 und 2004 um rund 70 % reduziert. Die CO2-Emmissionen wurden zwischen 1990 und 2006 um 15,9 % gesenkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass bei der Stahlverwendung noch ein großes Effizienzpotenzial vor allem durch Innovationen im Stahlleichtbau bestehen. Hier geht es nun um eine engere Kooperation zwischen den Stahlerzeugern und dem produzierenden Gewerbe bei der Produktentwicklung. Also zum Beispiel um die Entwicklung neuer Stahlprodukte, die weniger materialintensiv, aber möglichst stabiler und haltbarer als vergleichbare Produkte sind, die der Markt derzeit bietet. Diese sind nicht nur für den Gebäudebereich, sondern beispielsweise im Infrastrukturbereich relevant, da unter anderem Brücken leichter, aber gleichzeitig haltbarer gebaut werden können. Beispielsweise konnte bei der dänischen Öresundbrücke konnte so durch den Einsatz von 82.000 t mikrolegierter Stähle die benötigte Stahlmenge um 15.000 t reduziert werden. Das entspricht bezogen auf die ursprünglich benötigte Stahlmenge einer Einsparung um etwa 15%.

Kupfer: Beim Kupfer ist neben der Erhöhung der Rohstoffproduktivität vor allem das Recycling ein zentrales Problem. Gebrauchtgeräte bzw. Gebrauchtfahrzeuge werden dem Recycling zunehmend durch Export entzogen und gelangen nicht unbedingt in Deutschland in die Verwertung. Dieser Trend ist problematisch. Nach Berechnungen des Wuppertal Instituts ist davon auszugehen, dass sich allein in der Automobilbranche der durchschnittliche Kupfereinsatz pro Pkw von heute 22 kg in zwanzig Jahren auf durchschnittlich 44 kg verdoppeln wird. Da Exportbeschränkungen für gebrauchte Geräte und Fahrzeuge kein adäquates Mittel sind, muss man in diesen Bereichen über ganz neue Lösungen nachdenken, beispielsweise über Pfand- oder Leasingsysteme, die weitgehendes Recycling sicherstellen können. Dazu sollten wiederum die Hersteller, die Rohstoffe verarbeiten, stärker einbezogen werden.

Bauen und Wohnen: In diesem Themenfeld fällt auf, dass Material bezogene Aspekte bisher in der Diskussion eher eine untergeordnete Rolle spielten und das obwohl der Bau- und Infrastrukturbereich der materialintensivste Sektor überhaupt ist. Man sollte unbedingt darauf achten, dass mit der Konzentration auf die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden - die absolut erforderlich ist - nicht die Verbesserung der Materialeffizienz im Gebäude und Infrastrukturbereich stärker ins Blickfeld der Architekten, Planer und der Öffentlichkeit gerückt wird. Da man Material am ehesten spart, indem man bestehende Gebäude nutzt, muss man sich in Zukunft stärker mit dem "Bauen und Wohnen im Bestand" befassen. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass das Marktanreizprogramm zur Förderung von Innovationen im Gebäudebestand, das von 170 Mio. Euro auf 350 Mio. im Jahr 2008 und auf 500 Mio. Euro in 2009 aufgestockt wird, hier einen wichtigen Beitrag leistet.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse finden Sie hier:
www.ressourcenproduktivitaet.de


GrafikGrafik: Kostenstruktur im Produzierenden Gewerbe in Prozent