Europäische Charta für Nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten
Das weltweit erwartete Wachstum des Tourismus wird zu einem nicht unerheblichen Teil den Nutzungsdruck gerade auf Gebiete mit einer reichen natürlichen und kulturellen Ausstattung erhöhen. Vor diesem Hintergrund wurde die "Europäische Charta für einen nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten" entwickelt. Sie soll dazu beitragen, eine touristische Entwicklung im Einklang mit den Belangen des Natur- und Umweltschutzes zu fördern. Das Bundesumweltministerium hat die Erprobung der Europäischen Charta zunächst in 3 Pilotnaturparken (Steinhuder Meer, Frankenwald, Insel Usedom) gefördert. Mit der Implementierung des Charta-Prozesses in Nationalparken und Biosphärenreservaten wurde 2003 begonnen. Im Herbst 2001 waren die Naturparke Steinhuder Meer und Frankenwald die Erstunterzeichner der Charta auf nationaler und europäischer Ebene. Der Naturpark Insel Usedom ist im Juni 2003 der Charta beigetreten.
Die Hauptziele der Charta betreffen den Schutz und die Entwicklung des natürlichen und kulturellen Erbes, die Förderung der positiven ökonomischen und sozialen Auswirkungen des Tourismus, den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung und die Entwicklung marktgerechter touristischer Angebote.
Im Unterschied zu Gütesiegeln liegt der Schwerpunkt der Charta auf dem Prozess und den Fortschritten auf dem Weg zu einem nachhaltigen Tourismus und nicht auf der Einhaltung festgeschriebener Mindeststandards. Es können nur solche Schutzgebiete der Europäischen Charta beitreten, die den in der Charta formulierten Prinzipien nachhaltiger Tourismusentwicklung sowie einer Bestandsaufnahme und Bewertung des Tourismus innerhalb des Parks (unter Berücksichtigung aller direkt und indirekt tourismusrelevanten Bereiche) zustimmen, die Entwicklungsziele und einen Fünf-Jahres-Maßnahmenplan formulieren. Zur Erfüllung der Beitrittsvoraussetzungen wurden in den drei Pilotparken sogenannte Foren für nachhaltigen Tourismus etabliert. Pro Park sind insgesamt jeweils 40 bis 60 Verantwortliche in den Prozess eingebunden. Dazu gehören u.a. neben den Vertretern des Naturparks die lokalen Tourismusorganisationen, die Verantwortlichen für den ÖPNV, die Landwirtschaft, die zum Park gehörenden Kommunen und Landkreise sowie Naturschutz- und Sportverbände. Die Foren werden nicht nur zur Erfüllung der Charta-Anforderungen genutzt (Analyse, Entwicklungsziele, Maßnahmen), sondern auch zum Austausch von Informationen und zur Realisierung konkreter Vorhaben.
In den Pilotnaturparken ist es gelungen, Stärken und Schwächen der Naturparkregionen zu identifizieren, um hieraus Ziele und Maßnahmen ableiten zu können. Obwohl die Charta zunächst nur einen 5-Jahres-Maßnahmen-Katalog verlangt, sind bereits eine Reihe von Projekten konkret umgesetzt worden. Die Charta trägt somit schon zu Beginn des Prozesses zu einer Verbesserung der touristischen Infrastruktur in den teilnehmenden Regionen bei. Sie hat vor allem die Zusammenarbeit aller im weitesten Sinne mit Tourismus und seinen Auswirkungen befassten Akteure auf lokaler und regionaler Ebene bewirkt.
Aufgrund des erfolgreichen Projektverlaufs betrachtet der Verband Deutscher Naturparke die Europäische Charta als sinnvolles Instrument zur Förderung nachhaltiger Tourismusentwicklung und empfiehlt seinen Mitgliedern die Schaffung der Voraussetzungen für einen Charta-Beitritt.
Gefördert durch das Bundesumweltministerium läuft seit Ende 2002 ein Folgeprojekt. In diesem Vorhaben soll die Europäische Charta auf ihre Eignung für Nationalparke und Biosphärenreservate überprüft werden. Als Pilotparke fungieren die beiden benachbarten Nationalparke Harz und Hochharz sowie der deutsche Teil des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen.
Parallel hierzu werden in einem weiteren Vorhaben unterschiedliche Instrumente zur Förderung nachhaltiger Entwicklung im ländlichen Raum miteinander verglichen. Dieser Vergleich soll in Empfehlungen zur Förderung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in Großschutzgebieten mittels unterschiedlicher existierender Programme münden.
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