Stand: Januar 2013

Produktbezogene Klimaschutzstrategien: Product Carbon Footprint verstehen, anwenden und nutzen

Um ambitionierte Klimaziele zu erreichen bedarf es erheblicher Änderungen bei der Entwicklung von Produkten und beim Konsum. Um die Klimaauswirkungen von Produkten zu kennen, benötigen Unternehmen verlässliche Informationen zu den Treibhausgasemissionen, die mit ihren Produkten über den gesamten Lebenszyklus hinweg verbunden sind. Nur mit diesen Informationen lassen sich die Klimawirkungen der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Produkten wirksam minimieren. Zudem wollen auch immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher über die Klimawirkungen von Produkten und Dienstleistungen informiert werden.

Der sogenannte Product Carbon Footprint (PCF) liefert derartige Informationen:

"Der Product Carbon Footprint bezeichnet die Menge der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit."

In den letzten Jahren wurden verschiedene Initiativen zur Ermittlung der CO2-Bilanz von Produkten ergriffen, um deren konkreten "CO2-Fußabdruck", den Product Carbon Footprint, abzubilden; leider mit z.T. ganz unterschiedlichen Berechnungsverfahren.

Seit 2011 liegt mit dem Greenhouse Gas Protocol zwar eine Richtlinie zur Ermittlung des PCF vor. Mit der Verabschiedung eines internationalen Standards (ISO 14067.1) ist jedoch frühestens Mitte 2013 zu rechnen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird es über die Ökobilanznorm ISO 14040 hinaus keine Methodenkonvention geben, die international verbindlich anerkannt ist.Vor diesem Hintergrund hatten Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt das Öko-Institut Freiburg beauftragt, Vorschläge für eine belastbare Methodik zu entwickeln. Die Ergebnisse sind in dem Ende 2009 erstmals veröffentlichten Memorandum zum Product Carbon Footprint festgehalten. Im Januar 2013 wurde das Memorandum neu aufgelegt. Es enthält Grundsätze, die bei der Erstellung von Klimabilanzen für Produkte und deren Kommunikation beachtet werden sollen. Sie haben Empfehlungscharakter und geben Anwendern die Sicherheit, eine akzeptierte Methodik gewählt zu haben. Das Memorandum wird darüber hinaus in die internationalen Prozesse zur Standardisierung des "Product Carbon Footprint" eingespeist.

Ein wichtiges Ergebnis ist, dass der Product Carbon Footprint für die Information von Herstellern ein hilfreiches Instrument ist, sich aber derzeit noch nicht für die Verbraucherkommunikation anbietet.

Auch sieht es das Bundesumweltministerium grundsätzlich als sinnvoll an, dass bei der Analyse der Produktlebenswege alle relevanten Umweltaspekte von Produkten – wie z.B. der der Flächenverbrauch, Schadstoffgehalte und -emissionen – erfasst werden.

Für die Kommunikation wird daher die Nutzung des bewährten und bekannten Umweltzeichens Blauer Engel empfohlen. Dort gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bereich für besonders klimarelevante Produkte mit derzeit etwa 60 (Stand Januar 2013) Produktgruppen.

Auf der Grundlage des Memorandums haben das BMU gemeinsam mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesverband der Deutschen Industrie einen Leitfaden herausgegeben, um Unternehmen, die den Product Carbon Footprint ihrer Produkte ermitteln und nutzen wollen, ein zuverlässiges Instrument für die Ermittlung und Kommunikation des Product Carbon Footprint an die Hand gegeben.