Stand: Oktober 2011
Allein der Konsum der privaten Haushalte ist für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen. Das bedeutet: Der Konsum von Produkten beeinflusst immer stärker nicht nur die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen, sondern auch den Zustand der Umwelt. Im Gebrauch und der Herstellung von Produkten liegt folglich ein großes Potenzial zur Verringerung der Umweltbelastung. Es geht darum, dieses Potenzial zu erkennen und zu nutzen.
"Nachhaltigkeit ist ein Qualitätsmerkmal von Produkten" soll zur selbstverständlichen Leitidee für Verbraucherinnen und Verbraucher, aber ebenso für die Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung in Deutschland werden. Es geht nicht darum, ob, sondern vielmehr, wie und was konsumiert wird.
Das Leitbild der Bundesregierung im produktbezogenen Umweltschutz ist das „Top Runner“-Prinzip, mit dem eine schnelle Durchdringung des Marktes mit der umweltverträglichsten bzw. ressourcen- oder energieeffizientesten Technologie erreicht werden soll. Kernidee des in Japan entwickelten Top Runner-Ansatzes ist es, das beste am Markt befindliche Produkt zum Standard zu erheben, der von den anderen Produkten der Produktgruppe innerhalb einer bestimmten Frist erreicht werden muss. Produkte, die dies nicht erreichen, dürfen nach Ablauf der Frist nicht mehr auf den Markt gebracht werden.
Zur Umsetzung des Top Runner-Prinzips im EU-Binnenmarkt stehen heute folgende Instrumente zur Verfügung:
Die Ökodesign-Richtlinie bildet den europäischen Rechtsrahmen für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte. Die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie führt dazu, dass besonders ineffiziente Geräte vom europäischen Markt ausgeschlossen werden. Im Vordergrund stehen bislang Anforderungen an die Energieeffizienz der Produkte. Die Richtlinie räumt jedoch grundsätzlich auch Regelungsspielraum für andere Umweltaspekte ein, wie z.B. den Ressourcenverbrauch von Produkten.
Die EU-weit verpflichtende Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich des Energie- und Ressourcenverbrauchs in der Nutzungsphase (Energieetikett) ermöglicht es Verbrauchern, sich beim Kauf von Produkten über deren Energie- und Ressourcenverbrauch zu informieren, Produkte zu vergleichen und die Kaufentscheidung danach auszurichten. Hersteller erhalten ebenfalls einen Anreiz, ihre Produkte ständig zu verbessern. Dadurch wird insgesamt die Marktdurchdringung mit besonders effizienten Produkten gesteigert.
In Deutschland ist das bekannteste Umweltkennzeichen im Produktbereich der Blaue Engel. Er wird bereits seit mehr als 30 Jahren vergeben und bewertet mehr als 11.000 Produkte und Dienstleistungen. Der Blaue Engel ist ein für Hersteller freiwilliges Zeichen. Er garantiert Verbrauchern ein besonders umweltfreundliches und funktionales Produkt. Seit der Reform des Blauen Engels in 2009 weist das Zeichen noch spezifischer auf den Schwerpunkt des Umweltschutzes in Hinblick auf das jeweilige Produkt hin. Den Blauen Engel gibt es derzeit in den Bereichen Klima-, Wasser-, Gesundheits- und Ressourcenschutz. Eine gezielte Suche nach Produkten mit dem Blauen Engel ist im Internet unter www.blauer-engel-produktwelt.de möglich.
Das EU-Umweltzeichen, die "Blume", ist das anerkannte Umweltzeichen der Europäischen Union. Das 1992 durch die EU-Verordnung EWG 880/92 eingeführte freiwillige Zeichen hat sich zu einer Referenz für Verbraucher in ganz Europa entwickelt, die mit dem Kauf von umweltfreundlicheren Produkten und Dienstleistungen zu einer Verringerung der Umweltverschmutzung beitragen wollen.
Ein weiteres wichtiges Instrument ist die sogenannte umweltfreundliche öffentliche Beschaffung: Wenn Bund, Länder oder Kommunen Einkäufe tätigen, sei es etwa für Schulen, Verwaltungsgebäude oder im Straßenbau, sollen sie mit gutem Beispiel vorangehen und innovative und umweltfreundliche Produkte bevorzugen. Indem die Nachfrage auch institutioneller Verbraucher erhöht wird, werden Märkte für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen neu geschaffen oder ausgebaut.
Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im Jahr 2002 wurde der sogenannte "Marrakesch-Prozess" gestartet. Vor allem die Industriestaaten sind aufgefordert, nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion zu fördern. Mit dem "Marrakesch-Prozess" werden seitdem die vielfältigen internationalen Initiativen zu nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion gebündelt und neue Projekte initiiert. Die dort gefassten Beschlüsse stellen eine nachdrückliche Aufforderung an alle Staaten dar, sowohl auf nationaler Ebene aktiv zu werden als auch den internationalen Prozess mit zu gestalten. Das abschließende Ziel des Prozesses ist die Verabschiedung eines 10-Jahresrahmens für Programme für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Auf der 19. Sitzung der Kommission für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (CSD) im Mai 2011 wurde der 10-Jahresrahmen verhandelt. Eine Verabschiedung scheiterte jedoch an Streitpunkten in anderen Teilen der CSD-Gesamtverhandlungen. Spätestens beim Weltgipfel in Rio 2012 soll der 10-Jahresrahmen verabschiedet werden.
Die Europäische Kommission hat zahlreiche Initiativen zur umweltbezogenen Produktpolitik auf den Weg gebracht. Hierzu zählt unter anderem die Mitteilung zur Integrierten Produktpolitik (IPP) vom Juni 2003, mit der ein Grundstein für die Berücksichtigung der Umweltwirkungen über den gesamten Lebensweg von Produkten gelegt wurde. Die europäische Rahmenrichtlinie zu Ökodesign sorgt dafür, dass auch bei der Produktgestaltung Umwelterfordernisse berücksichtigt werden. Ein Erfolg dieser Politik ist zum Beispiel die Reduktion des Stand-by-Verbrauchs für Haushalts- und Bürogeräte auf 1-2 Watt. Daneben gibt es zahlreiche EU-Initiativen wie das EU-Umweltzeichen, Initiativen zur öffentlichen Beschaffung oder zum Umweltmanagementsystem EMAS.
Verbraucherinnen und Verbraucher können durch bewusste Konsumentscheidungen negative Umweltwirkungen verringern und wertvolle Ressourcen schonen. Umweltkennzeichen wie der Blaue Engel geben praktische Orientierungshilfen für die Auswahl von Produkten sowie Kaufentscheidungen. Nach Studien der Europäischen Kommission liegen die größten Potenziale zur Umweltentlastung in den Bereichen Lebensmittel, Verkehr und Bauen/Wohnen, hierbei vor allem im Bereich der Haushaltsgeräte. Nachhaltige Produkte sind vielfach schon vorhanden - es kommt darauf an, sie auch nachzufragen!