Stand: Februar 2002
Ergebnisse eines Forschungsvorhabens
Die langfristige Realisierung eines nachhaltigen Gewässerschutzes erfordert die Erarbeitung von Maßnahmenplänen, wie sie z. B. die neue EU-Wasserrahmenrichtlinie vom 23. Oktober2000 (2000/60/EG) für Flusseinzugsgebiete fordert, um eine gute chemische und ökologische Qualität von Oberflächengewässern zu erreichen.
Der in 1998/1999 erarbeitete "Maßnahmenplan Nachhaltige Wasserwirtschaft" (UBA-Texte 25/99) hat für unterschiedliche Handlungsfelder des Gewässerschutzes über siebzigmögliche Maßnahmen zusammengestellt und nach einem einheitlichen Schema beschrieben und charakterisiert.
Ein sehr wesentliches Element der Priorisierung wirksamer Maßnahmen, die zum Erreichen unterschiedlicher Zielvorgaben eingesetzt werden können, ist die Minimierung der hierfürerforderlichen Kosten. Die Arbeiten am "Maßnahmenplan Nachhaltige Wasserwirtschaft" machten deutlich, dass vielfach nur unzureichende Informationen für eine Abschätzung der Kosteneinzelner Maßnahmen vorlagen. Außerdem zeigte sich, dass in einzelnen Handlungsfeldern erhebliche methodische Probleme bestehen, die Umweltwirkungen von verschiedenen Maßnahmen zuquantifizieren.
Das Umweltbundesamt hat daher im Rahmen des Umweltforschungsplanes (UFOPLAN) das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Karlsruhe, mit einem Vorhaben beauftragt, indem für besonders wichtige Zielbereiche des Gewässerschutzes die methodische Basis sowie die Ergebnisse von Untersuchungen von Maßnahmenkosten und deren Wirkungen erarbeitet wurde.Kosten - Wirksamkeitsanalysen wurden für die Kernbereiche Siedlungsentwässerung, Landwirtschaft und Gewässerstrukturverbesserungen durchgeführt. Weiterhin wurden die BereicheHochwasserschutz und Intensivierung von Beratungen behandelt.
Es konnten für eine Vielzahl von Maßnahmen in den drei Kernbereichen Kosten - Wirksamkeitsrelationen erarbeitet werden. Hierbei hat sich gezeigt, dass die Abschätzung von Kostenmit grundsätzlichen Problemen und Unsicherheiten verbunden ist, die nur die Angabe von Bandbreiten der Kosten und damit auch der ermittelten Kosten-Wirksamkeiten zulässt.
Die Abbildung zeigt als Beispiel aus dem Kernbereich der Siedlungsentwässerung die Ergebnisse der Kosten - Wirksamkeitsberechnung unter bestimmten Randbedingungen für die Verringerungder Phosphor-Emissionen. Dabei zeigt sich, dass die untersuchten Maßnahmen Bodenfilter und Regenklärbecken im Vergleich die höchsten Kosten verursachen um ein Gramm Phosphor zuverringern. Bei einer Versickerung dagegen können beispielsweise kostenintensive Investitionen entfallen, so dass Einsparungen möglich sind, die, im Vergleich zu den übrigenMaßnahmen, zu einer günstigen Kosten-Wirksamkeit führen.
Kosten-Wirksamkeitsberechnungen

Ergebnisse der Kosten-Wirksamkeitsberechnungen für die Verringerung der Phosphor-Emissionen unter bestimmten Randbedingungen (GK: Größenklasse der Kläranlage; M: Mischsystem; T: Trennsystem).
Die für die drei Kernbereiche Gewässerstruktur, Siedlungsentwässerung und Landwirtschaft durchgeführten Berechnungen bezogen sich jeweils auf eine aggregierte räumliche Bezugseinheit, für die typisierte Durchschnittswerte herangezogen wurden. Zusätzlich wurden soweit möglich Bandbreiten mit angegeben, die zum einen den Einfluss unterschiedlicherRandbedingungen und zum anderen die mit den Daten verbundenen Unsicherheiten berücksichtigen sollen. Für die daraus abgeleiteten Kosten-Wirksamkeitsrelationen ist damit festzuhalten, dass sie nicht ohne weiteres für konkrete Einzelfälle herangezogen werden können. Bei der Umsetzung für ein konkretes Gewässer kommt ihnen damit vor allem die Funktion zu,Orientierungswerte und erste Größenordnungen zu signalisieren, die im konkreten Einzelfall jeweils der Überprüfung bedürfen.
Ergebnisse sind zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie nutzbar
Neben dieser - z. B. im Rahmen des Flussgebietsmanagements anfallenden - Orientierungsfunktion kommt denKosten-Wirksamkeitsrelationen vor allem die Aufgabe zu, wichtige Informationsgrundlagen für die strategische Ausrichtung der Gewässerschutzpolitik zu liefern. Die Ergebnisse können als Dateninput für Szenarienrechnungen genutzt werden, die für die Politik sowohl den Grad der Zielerreichung der Umweltziele als auch die damit verbundene Größenordnung der Kostenangeben. Kosten-Wirksamkeitsanalysen stellen damit einen wichtigen Bestandteil einer rationalen Umweltpolitikgestaltung dar.
Die in diesem Vorhaben erhaltenen Ergebnisse werden direkt in die Leitlinien für die gemäß Artikel 5 (1) der Wasserrahmenrichtlinie bis Ende 2004 zu erarbeitende ökonomische Analyse der Wassernutzung einfließen. Nach Anhang III der Wasserrahmenrichtlinie müssen fernerhin die in Bezug auf die Wassernutzung kosteneffizientesten Kombinationen der in dasMaßnahmenprogramm nach Artikel 11 der Wasserrahmenrichtlinie aufzunehmenden Maßnahmen auf der Grundlage von Schätzungen ihrer potentiellen Kosten beurteilt werden.
Der Abschlussbericht des Vorhabens "Kosten-Wirksamkeitsanalyse von nachhaltigen Maßnahmen im Gewässerschutz" wird in der Reihe Texte des Umweltbundesamtes Nr. 12/02veröffentlicht.