Stand: Juli 2006
Über 95 % der Bevölkerung Deutschlands oder 79 Mio. Einwohner sind an die öffentliche Kanalisation angeschlossen (2004). Das Abwasser wird in über 10 000 Kläranlagen gereinigt. (vgl. Teil Statistik). Das Kanalnetz ist rd. 515 000 km lang. Es könnte also cirka 13 mal die Erde umrunden.
Für die Kläranlagen sind im allgemeinen die Kommunen zuständig. Daneben gibt es Kläranlagen privater Industriebetriebe. In den öffentlichen Kläranlagen werden jährlich rund 9,4 Mrd. m³ Abwasser behandelt.
Das angefallene Abwasser wird zu fast 100% in Kläranlagen behandelt, die über drei Reinigungsstufen verfügen:
Die Gesamtzahl der biologischen Anlagen nimmt kontinuierlich zu.
Dadurch hat sich der Sauerstoffgehalt in den Gewässern erfreulicherweise erhöht. So wurden die Lebensgrundlagen für die Fischfauna und die anderen Wasserorganismen verbessert.
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(Bildquelle: Vereinigung dt. Gewässerschutz e. V. - www.vdg-online.de)
Das Abwasser passiert zunächst einen Rechen, der groben Unrat (Papier, Flaschen, Äste, Konservendosen usw.) zurückhält und mit einem automatischen Abstreifer entfernt.
Im Sandfang verbreitert sich der Abflusskanal, wodurch die Geschwindigkeit des weiter fließenden Abwassers abnimmt und grobe Stoffe wie Kies und Sand, die schwerer als Wasser sind, sich am Boden ablagern.
Im Vorklärbecken wird das Wasser etwa zwei Stunden zurückgehalten. In diesem großen, rechteckigen oder runden Becken können sich die feinen Schwebstoffe als Schlamm am Boden absetzen. Dieser Rohschlamm wird abgesaugt, eingedickt (10.) und in einen Faulraum befördert (11.). Sogenannte Leichtstoffe, die zur Wasseroberfläche aufgetrieben werden (Fette, Mineralöle usw.) werden in einen besonderen Behälter abgelassen.
Die ersten drei Stationen bilden zusammen die erste Reinigungsstufe. Da die Behandlung des Abwassers hier nur auf mechanische Weise erfolgt, spricht man von mechanischer Reinigung. Hier gelingt es, dem Abwasser etwa 30 Prozent der insgesamt der Anlage zugeführten Schmutzstoffe zu entziehen.
In der zweiten Reinigungsstufe, auch biologische Reinigung genannt, macht man sich einen durchaus natürlichen Vorgang zunutze, indem man in einem Belebtschlammbecken durch Sauerstoffzufuhr güngstige Lebensbedingungen für Kleinstlebewesen schafft, die in der Lage sind, gelöste organische Abwasserstoffe in Verbindung mit Luftsauerstoff als Nahrung aufzunehmen und in den eigenen Organismus einzubauen. Dabei werden auch Schadstoffe, wie zum Beispiel Schwermetalle, aufgenommen.
Viele Kleinstorganismen bilden Kolonien, die als sichtbare Schlammflocken im folgenden Nachklärbecken zu Bodensinken und entweder noch einmal in das Belebungsbecken zurückgepumpt werden oder zwecks Schlammbeseitigung ins Vorklärbecken (3.) befördert werden. Mit der Beseitigung des Klärschlammes aus dem Abwasser werden also die biologisch abbaubaren Schadstoffe entfernt. In kleineren Kläranlagen findet man häufig Tropfkörper, runde Betonkessel, locker angefüllt mit porösen Gesteinsbrocken. Hier ist die große Oberfläche wichtig, auf der sich Bakterien ansiedeln und einen "biologischen Rasen" (entsprechend den Schlammflocken beim Belebtschlammverfahren) bilden, wenn man Abwasser darüber verregnet. Nach Passieren der mechanischen und biologischen Reinigungsstufen ist das Abwasser jetzt zu etwa 90 Prozent gereinigt.
Da die heutigen Abwässer mit verschiedenen chemischen Stoffen wie z. B. Stickstoff und Phosphor belastet sind, müssen zusätzlich spezielle Verfahren angewendet werden.
Als Beispiel in der Schautafel gelangt phosphatreiches Wasser aus dem Nachklärbecken
zunächst in ein Flockungsbecken
Von einer Fällmittel-Dosierstation wird hier dem Abwasser unter starker Durchmischung gleichzeitig eine Chemikalien-Lösung zugesetzt.
Dieses Fällmittel reagiert chemisch mit den Phosphaten zu einer wasserunlöslichen Verbindung. Der Restschmutz "flockt" aus und kann sich in einem Nachklärbecken als Schlamm absetzen, der - eingedickt - dem Faulturm zugeführt wird.
Das gereinigte Wasser kann nun in ein natürliches Gewässer eingeleitet werden.
Der in den Stationen
und
anfallende Schlamm besitzt einen Wassergehalt von etwa 98 Prozent.
Mit Hilfe von Eindickern wird dieser Gehalt auf 96 Prozent gesenkt und dadurch das Volumen halbiert.
Nun wird der Schlamm in einen Faulbehälter befördert, wo unter Luftabschluss Fäulnisbakterien in einem Gärprozess bei 35 ° Celsius ein Faulgas erzeugen, das zu 2/3 aus Methan und zu 1/3 aus Kohlendioxid besteht.
Dieses Gas wird in einem Behälter gespeichert und für Heizzwecke verwendet.
Nach etwa 4 Wochen ist der Schlamm ausgefault, geruchlos und kann in Trockenbeeten entwässert werden.
Größere Industriebetriebe besitzen in der Regel eigene Klärwerke, deren Technik der jeweiligen Abwassersituation angepasst ist. In Westdeutschland sind mehr als 90 Prozent der Bevölkerung an eine öffentliche Kläranlage angeschlossen, in Ostdeutschland rund zwei Drittel der Bevölkerung.