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Fluginsekten stark gefährdet

Rückgang um 77 Prozent

Ende 2017 erlangte eine wissenschaftliche Untersuchung große Aufmerksamkeit, die eine enorme Abnahme der Fluginsekten an zahlreichen Standorten im deutschen Tiefland bescheinigte. Das Besondere an dieser Studie war laut Aussagen der Autoren der Umstand, dass der Rückgang der vielen verschiedenen Fluginsekten insgesamt – der Biomasse der Fluginsekten – nachgewiesen wurde, während vorherige Erkenntnisse die Abnahme bestimmter Insektenarten, beispielsweise einiger Schmetterlinge und Wildbienen, betrafen.

Die Studienergebnisse sind alarmierend: Im 27-jährigen Beobachtungszeitraum in den vergangenen Jahrzehnten hat die Biomasse der Fluginsekten in Schutzgebieten des deutschen Tieflands in der Vegetationsperiode um rund 77 Prozent abgenommen. In den Sommermonaten, in denen die Zahl der Fluginsekten höher als zu Beginn und am Ende der Vegetationsperiode ist, betrug der Rückgang sogar rund 82 Prozent. Da alle Insektenfallen in Schutzgebieten aufgestellt wurden, in denen gerade die Funktionen der Ökosysteme und der Erhalt der biologischen Vielfalt im Mittelpunkt stehen, sind die Resultate umso erstaunlicher.

Insekten sind von großer Bedeutung unter anderem für die Bestäubung von Pflanzen und als Nahrungsquelle für Vögel, Säugetiere und Amphibien. Die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler verwiesen darauf, dass etwa 80 Prozent der Wildpflanzen bei der Bestäubung von Insekten abhängig sind, während 60 Prozent der Vögel auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen sind.

Wie wurden die Untersuchungsergebnisse gewonnen?

Zur Untersuchung der Biomasse der Fluginsekten wurden an 63 Standorten im deutschen Tiefland Insektenfallen aufgestellt. Der Entomologische Verband Krefeld (Entomologie bedeutet Insektenkunde) entwickelte ein standardisiertes Verfahren für den zuverlässigen Betrieb und die präzise Bedienung der Fallen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins entnahmen über Jahrzehnte nach diesem Verfahren Proben aus den Insektenfallen und sammelten umfangreiches Datenmaterial.

Alle Standorte der Insektenfallen befanden sich in Schutzgebieten, wie Natura 2000 Gebieten oder Wasserschutzgebieten. Die Messungen erfolgten über einen Zeitraum von 27 Jahren zwischen 1989 und 2016. Gesammelt wurden die Fluginsekten jeweils in der Vegetationsperiode von März bis Oktober.

Im Umkreis von 50 Metern um die Insektenfallen zeichneten die Wissenschaftler die dort vorkommenden Pflanzenarten und deren Veränderungen im Laufe der Jahre auf. In einem Radius von 200 Metern berücksichtigten sie überdies Landnutzungsdaten, wie Waldbedeckung, landwirtschaftliche Nutzflächen, Graslandschaft und deren zeitliche Änderungen. Auch Wetterparameter wie Tagesmittel der Lufttemperatur, des Niederschlags und der Windgeschwindigkeit sowie die Anzahl der Frosttage im Vorjahr gingen in die Untersuchung ein. All diese Faktoren hätten die Zahl der Fluginsekten beeinflussen können.

Welche Ursachen kommen für die Abnahme der Insekten infrage?

Die Autoren der Studie folgerten aus ihren Ergebnissen, dass weder Änderungen der Vegetation und der Landnutzung in der Umgebung der Insektenfallen, noch Änderungen der Witterung und des Klimas diesen rapiden Rückgang der Fluginsekten verursacht haben können. Da die Abnahme unabhängig vom jeweiligen Standort der Fallen mit seinen spezifischen Eigenschaften wie der Bodenbeschaffenheit und der Vegetation gleichermaßen beobachtet wurde, vermuteten die Wissenschaftler, dass großräumige Faktoren eine Rolle spielen müssten. Sie führten die intensive Landwirtschaft mit der umfassenden Ausbringung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und der ganzjährigen Bestellung des Bodens an, wenngleich dieser Einflussfaktor nicht näher untersucht wurde. 94 Prozent der Standorte der Insektenfallen lagen in der Nähe landwirtschaftlich genutzter Flächen. Der festgestellte anhaltende, signifikante Rückgang der Fluginsekten im deutschen Tiefland könne schwerwiegende Auswirkungen auf Ökosysteme und das Nahrungsnetz haben, warnten die an der Studie beteiligten Wissenschaftler.

Quelle

Hallmann, C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., Stenmans, W., Müller, A., Sumser, H., Hörren, T., Goulson, D., de Kroon, H., 2017: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE

Zuletzt geändert: 02.05.2018