Stand: März 2008
Der Beirat für Umwelt und Sport erkennt die großen Leistungen an, die seitens des Naturschutzes und der Sportverbände in den letzten Jahren für ein erfolgreiches Miteinander vollbracht wurden. Zahlreiche Vereinbarungen und Kooperationen auf regionaler und lokaler Ebene zeigen, dass eine verantwortliche und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen für Sport und Erholung auch in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland möglich ist.
Der Beirat begrüßt ausdrücklich die mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes gemachten Fortschritte bei der Einbindung des Sports und der Erholung in die Naturschutzgesetzgebung. Der Beirat fordert eine konsequente Übernahme in das Umweltgesetzbuch und in die entsprechenden Ländergesetze.
Fast überall auf unserer Erde ist Leben, und das Geheimnis dieses Erfolges heißt Vielfalt: Je mehr Arten und genetische Vielfalt es gibt, desto größer ist die Chance der Anpassung an neue Bedingungen und des Überlebens. Deshalb muss alles getan werden, um die biologische Vielfalt zu erhalten und zu schützen!
Doch diese Vielfalt ist bedroht! Besonders augenfällig leiden die biologische Vielfalt und das Bewegungs- und Erholungsangebot unter dem Verlust oder der Zerschneidung von Lebensräumen in siedlungsnahen Gebieten, wo Möglichkeiten prägender Naturerfahrungen zunehmend knapper werden. Dieser Verlust ist damit nicht nur eine Gefahr für die biologische Vielfalt, sondern auch eine Bedrohung der Gesundheit, der Lebensqualität und der Ausprägung einer regionalen Identität.
Der Beirat sieht in der Wirtschaftsweise und dem Lebensstil unserer Gesellschaft eine weitere wesentliche Ursache für den Rückgang der biologischen Vielfalt und damit die Bedrohung heimischer Tier- und Pflanzenarten. Dies ist nicht nur ein ökologisches oder ökonomisches Problem. Es spiegelt eine soziale und kulturelle Entfremdung großer Teile der Gesellschaft von Werten wie Heimat oder natürliche Lebensgrundlage wider.
Biologische Vielfalt ist für viele Menschen ein Begriff geworden, dem zwar ein abstrakter Wert zugeordnet wird, der aber gerade in Ballungsräumen nicht mit der Erhaltung von Natur und Landschaft als unverzichtbare Lebensgrundlage verbunden wird. Ein weiterer Verlust an geeigneten Lebensräumen und der damit verbundene Artenrückgang sind nicht hinzunehmen. Der Beirat unterstützt daher die Kampagne der Naturallianz zur biologischen Vielfalt und fordert die Sportverbände und Sportvereine auf, noch stärker Prinzipien der Nachhaltigkeit und damit auch Ziele der Erhaltung der biologischen Vielfalt und Schutz in ihre Programmatik aufzunehmen und so zur Vorbildfunktion des Sports beizutragen.
Der Beirat für Umwelt und Sport fordert im Einklang mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt die Sicherung und Ausweisung siedlungsnaher Flächen für Sport und naturnahe Erholung. Dabei muss es ganz besonders auch um die naturverträgliche Entwicklung und Aufwertung solcher Flächen gehen, um räumliche Konflikte bei einer Unterversorgung mit naturnahen Erholungsräumen zu entschärfen.
Bewegung, Gesundheit und Sport sind als Schlüsselthemen in Parken und Schutzgebieten von erheblichem Belang für die Bevölkerung.
Der Beirat stellt fest, dass Natura 2000 (FFH)-Gebiete einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. In zahlreichen Natura 2000 - Gebieten sind Sport und Erholung relevante und traditionelle Nutzungen. Der Beirat befürwortet daher die Erarbeitung von Managementkonzepten für naturverträglichen Sport und Erholung, welche die Schutzziele der FFH- und Vogelschutzrichtlinie berücksichtigen. Alle Angebote müssen sich an der ökologischen und sozialen Tragfähigkeit ausrichten. Partizipation der betroffenen Nutzergruppen ist der Schlüssel für die Akzeptanz von FFH- Managementplänen. Runde Tische stellen dabei ein bewährtes Mittel dar, Sport und Erholungsnutzungen an den Planungen und deren konkreten Umsetzung zu beteiligen.
Der Beirat fordert die Naturschutzverbände, den behördlichen Naturschutz und die Sportverbände auf, gemeinsam die Chancen zu nutzen, die sich aus der Verbindung von sportlicher Betätigung in der Natur sowie den Inhalten und Methoden der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ergeben. Effektives Management von Sport und Erholung in Schutzgebieten braucht ein klares Bekenntnis zum integrativen Naturschutz, eine solide Datengrundlage und geeignete Methoden.