Stand: November 2010
Am 2. Februar 1971 wurde in der iranischen Stadt Ramsar das "Übereinkommen über den Schutz von Feuchtgebieten, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung" (Ramsar-Konvention) geschlossen. Deutschland trat der Ramsar-Konvention 1976 bei.
Der Schwerpunkt der Konvention hat sich in den letzten Jahren vom überwiegenden Schutz von Wasser- und Watvögeln zum ganzheitlichen Schutz der Lebensräume und ihrer Arten weiterentwickelt. Dieser Prozess führte zur inhaltlichen Erweiterung der Konventionsziele im Sinne des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (Schutz – nachhaltige Nutzung – gerechter Vorteilsausgleich). So ist neben der Aufstellung von Managementplänen, dem Monitoring des ökologischen Zustandes und der Zusammenarbeit mit anderen regionalen und globalen Abkommen und Institutionen auch die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung durch Öffentlichkeitsarbeit und akzeptanzfördernde Maßnahmen anzustreben.
Jeder Vertragsstaat ist verpflichtet, mindestens ein Feuchtgebiet in seinem Hoheitsgebiet als "Feuchtgebiet internationaler Bedeutung" zu benennen und die Erhaltung und Förderung dieser Gebiete durch die Bewahrung des ökologischen Zustandes, durch Biotopmanagement und nachhaltige Nutzung zu sichern. Darüber hinaus müssen die Vertragsstaaten dafür sorgen, dass innerhalb ihres Hoheitsgebietes alle übrigen Feuchtgebiete soweit wie möglich ebenfalls nachhaltig genutzt werden. Die Vertragsstaaten sollen beim Feuchtgebietsschutz international zusammenarbeiten.
Zu den Aufgaben der Vertragsstaaten gehört es auch, die Botschaft der Ramsar-Konvention und die Bedeutung der Feuchtgebiete in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Zu diesem Zweck und als Arbeitsmaterial für die Ramsar-Verantwortlichen in Deutschland hat BMU die aktuellste Ausgabe des Ramsar-Handbuchs ins Deutsche übersetzen lassen und veröffentlicht. Im September 2010 hat das BfN in Bonn einen Ramsar-Workshop ausgerichtet, um alle Interessierte zur Halbzeit zwischen zwei Vertragsstaatenkonferenzen zu informieren und bereits ersten Input für die nächste COP 2012 zu sammeln. Der Bericht zum Workshop wird in Kürze auf www.bfn.de veröffentlicht. Darüber hinaus wird jedes Jahr am 2. Februar der Weltfeuchtgebietstag (World Wetlands Day) begangen. Das Ramsar-Sekretariat stellt dafür Materialien zur Verfügung, die Mitgliedsstaaten sind aufgefordert, diesen Tag zu nutzen, um auf die besondere Bedeutung der Feuchtgebiete aufmerksam zu machen.
Aktuell gehören der Konvention weltweit 160 Vertragsstaaten an (Stand: November 2010), die insgesamt 1904 Feuchtgebiete internationaler Bedeutung mit einer Gesamtfläche von ca. 186,5 Mio. ha gemeldet haben. Vertragsstaatenkonferenzen finden alle drei Jahre statt, die letzte war im Oktober/November 2008 die COP 10 in Changwon (Südkorea). Die nächste Vertragsstaatenkonferenz wird 2012 in Rumänien stattfinden..
Deutschland hat 34 Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 870.000 ha gemeldet. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die deutsche Ramsar-Kulisse.
| Gebietsname | Land | gelistet seit… | Fläche [ha] | |
| 1. | Wattenmeer, Elbe-Weser Dreieck | Niedersachsen | 26.02.1976 | 38 460 |
| 2. | Wattenmeer, Jadebusen und westliche Wesermündung | Niedersachsen | 26.02.1976 | 49 490 |
| 3. | Wattenmeer, Ostfriesisches Wattenmeer mit Dollart | Niedersachsen | 26.02.1976 | 121 620 |
| 4. | Niederelbe, Barnkrug-Otterndorf | Niedersachsen | 26.02.1976 | 11 760 |
| 5. | Elbaue zwischen Schnakenburg und Lauenburg | Niedersachsen | 26.02.1976 | 7 560 |
| 6. | Dümmer | Niedersachsen | 26.02.1976 | 3 600 |
| 7. | Diepholzer Moorniederung | Niedersachsen | 26.02.1976 | 15 060 |
| 8. | Steinhuder Meer | Niedersachsen | 26.02.1976 | 5 730 |
| 9. | Unterer Niederrhein | Nordrhein-Westfalen | 28.10.1983 | 25 000 |
| 10. | Rieselfelder Münster | Nordrhein-Westfalen | 28.10.1983 | 233 |
| 11. | Weserstaustufe Schlüsselburg | Nordrhein-Westfalen | 28.10.1983 | 1 600 |
| 12. | Rhein zwischen Eltville und Bingen | Hessen/Rheinland-Pfalz | 28.02.1976 | 566 |
| 13. | Bodensee: Wollmatinger Ried- Giehrenmoos und Mindelsee (Trennung in zwei separate Gebiete derzeit in Arbeit) | Baden-Württemberg | 26.02.1976 | 1 286 |
| 14. | Oberrhein – Rhin supérieur | Baden-Württemberg | 28.08.2008 | 25 117 |
| 15. | Donauauen und Donaumoos | Bayern | 26.02.1976 | 8 000 |
| 16. | Lech-Donau-Winkel | Bayern | 26.02.1976 | 4 014 |
| 17. | Ismaninger Speichersee mit Fischteichen | Bayern | 26.02.1976 | 955 |
| 18. | Ammersee | Bayern | 26.02.1976 | 6 517 |
| 19. | Starnberger See | Bayern | 26.02.1976 | 5 720 |
| 20. | Chiemsee | Bayern | 26.02.1976 | 8 660 |
| 21. | Unterer Inn zwischen Haiming und Neuhaus | Bayern | 26.02.1976 | 1 955 |
| 22. | Bayerische Wildalm | Bayern | 09.10.2007 | 7 |
| 23. | Boddengewässer Ostufer Zingst, Westküste Rügen- Hiddensee | Mecklenburg-Vorpommern | 31.07.1978 | 25 800 |
| 24. | Krakower Obersee | Mecklenburg-Vorpommern | 31.07.1978 | 870 |
| 25. | Ostufer der Müritz | Mecklenburg-Vorpommern | 31.07.1978 | 4 830 |
| 26. | Galenbecker See | Mecklenburg-Vorpommern | 31.07.1978 | 1 015 |
| 27. | Unteres Odertal bei Schwedt | Brandenburg | 31.07.1978 | 5 400 |
| 28. | Niederung der Untere Havel/Gülper See/Schollener See | Brandenburg/Sachsen- Anhalt | 31.07.1978 | 8 920 |
| 29. | Teichgebiet Peitz | Brandenburg | 31.07.1978 | 1 060 |
| 30. | Helmesstausee Berga-Kelbra | Thüringen/Sachsen-Anhalt | 31.07.1978 | 1 453 |
| 31. | Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer | Hamburg | 01.08.1990 | 11 700 |
| 32. | Mühlenberger Loch | Hamburg | 09.06.1992 | 675 |
| 33. | Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer | Schleswig-Holstein | 15.11.1991 | 454 988 |
| 34. | Aland-Elbe-Niederung und Elbaue Jerichow | Sachsen-Anhalt | 21.02.2003 | 8 605 |
| Deutschland gesamt: | 868 226 |
Darüber hinaus wurden mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes die "gesetzlich geschützten Biotope" (§ 30 BNatSchG) um weitere Gewässer- und Feuchtgebietstypen ergänzt, so dass nun alle nach der Ramsar-Konvention definierten und in Deutschland vorkommenden Feuchtgebietstypen gesetzlich geschützt sind.
Verändert sich der ökologische Zustand eines Feuchtgebietes internationaler Bedeutung so, dass sich die natürlichen Lebensbedingungen deutlich verschlechtern (z.B. durch Hypertrophierung oder Intensivierung der Landwirtschaft), ist das Feuchtgebiet in das "Montreux-Register"aufzunehmen. Damit wird ein Überwachungs- und Beratungsverfahren eingeleitet, in dem vom Ramsar-Sekretariat beauftragte Sachverständige die Situation vor Ort prüfen und mit dem Vertragsstaat gemeinsam die zu ergreifenden Maßnahmen zur Verbesserung des Gebietszustandes festlegen. Das Gebiet wird solange in der Montreux-Liste geführt, bis sich der ökologische Zustand verbessert hat. Das Melderegister existiert seit 1990 und wird vom Konventionsbüro geführt. Derzeit sind auf der Montreux-Liste 57 Feuchtgebiete internationaler Bedeutung in 51 Staaten registriert (Stand: August 2010).