Stand: Dezember 2009
Programmatische Ansätze sind eine innovative Ergänzung zu den projektbasierten Mechanismen des Kyoto-Protokolls. Seit 2007 können so genannte Programmes of Activities (PoAs) als CDM oder JI-Projekte registriert werden.
PoAs senken Treibhausgase durch den Einbezug einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen in ein gemeinsames Energiesparprogramm. Einzelmaßnahmen können beispielsweise der Brennstoffwechsel im ländlichen Raum, die Förderung erneuerbarer Energien, Energetische Prozessoptimierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs), Gebäudemodernisierungen, der Wechsel von Leuchtmitteln oder Haushaltsgeräten sein. Aufgrund der geringen Einzelgröße jeder Maßnahme gibt es kaum eine wirtschaftliche Möglichkeit, sie in ein klassisches CDM-Projekt einzubeziehen - zu hoch wären die Transaktionskosten für die Projektvorbereitung, Validierung und Registrierung. Um dennoch das beachtliche CO2-Minderungspotenzial von Einzelmaßnahmen im Rahmen der Kyoto-Mechanismen nutzen zu können, werden solche Aktivitäten in ein Energiesparprogramm zusammengefasst ("Programme of Activities").
PoAs setzen Anreize, um eine möglichst flächendeckende und nachhaltige Verhaltensänderung von Haushalten und Unternehmen zu bewirken. Damit leisten sie in der Regel einen substantiellen und breitenwirksamen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Partnerländer, der so durch stand-alone Projekte nicht erreicht werden kann.
Bislang konnte sich der programmatische CDM noch nicht am Kohlenstoffmarkt etablieren. Die Komplexität des programmatischen Ansatzes, fehlende Erfahrungswerte und regulatorische Unsicherheiten führen bisher noch zu einer zurückhaltenden Stimmung bei Projektentwicklern und Projektpartnern, obwohl das Interesse an dem neuen Instrument sehr groß ist. Eine zentrale Herausforderung in den nächsten Jahren wird darin liegen, eine möglichst große Anzahl von Leuchtturmprojekten zu etablieren, um interessierten Projektentwicklern, Partnern und Käufern ein realistisches Bild von den Erfordernissen und Potenzialen des Instruments zu liefern.
Die KfW fördert im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) die Entwicklung eines Portfolios umsetzungsfähiger PoAs und wirbt zu diesem Zweck Programmvorschläge ein. Neben Strukturierungs- und Bewertungsleistungen von Programmideen, kann die KfW Finanzierungen und Zuschüsse für die Erarbeitung von Programmkonzepten, Project Design Documents (PDDs) und Monitoringplänen bereitstellen. Im Rahmen von internationalen PoA-Workshops wurden mehr als 30 Projektideen an das PoA Support Center herangetragen.
Solare Warmwasserbereiter in Südafrika: In rund 50 000 südafrikanischen Haushalten sollen elektrische Boiler zur Warmwasserbereitung durch solare Warmwasserbereitungsanlagen ("Solar Water Heater") ersetzt werden. Da Elektrizität in Südafrika großteils CO2-intensiv mit Kohlekraftwerken produziert wird, führt die eingesparte Elektrizität zu einer signifikanten Emissionsreduktion. Die eingesparte CO2-Menge, rund 2 t CO2 pro Haushalt jährlich, sollen am Kohlenstoffmarkt verkauft werden. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Zertifikate werden als Subvention an die Hauhalte weitergegeben und stellen den zentralen Anreiz für die Investition eines solaren Warmwasserbereiters dar. Insgesamt sollen durch das PoA durchschnittlich rd. 100 000 t CO2 pro Jahr eingespart werden.
Biogasanlagen in Indien: Die ländliche Bevölkerung Indiens nutzt vornehmlich nicht erneuerbare Energieträger wie Holz und Kerosin zum Kochen und zur Warmwassererhitzung. Dies führt zu Treibhausgasemissionen und zur Reduktion von Biomasse. Mit Hilfe des PoAs sollen häusliche Biogasanlagen gefördert werden, die Biogas für Herde und Lampen liefern und zu einer jährlichen Emissionsreduktion von ca. 2,5 t CO2 je Haushalt führen. Die Einkommen aus dem Zertifikateverkauf sollen sowohl für die weitere Subventionierung der Biogasanlagen als auch für die Deckung der jährlich anfallenden Wartungskosten genutzt werden. Bei rund 30 000 geplanten Biogasanlagen sollen durchschnittlich 65 000 t CO2 pro Jahr eingespart werden.
Die Beispiele verdeutlichen das beachtliche CO2-Minderungspotenzial von Einzelmaßnahmen und zeigen gleichzeitig, dass PoAs einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Partnerländern leisten und Anreize für eine nachhaltige Entwicklung der Länder setzen.
