Stand: Juni 2009
Ein Schwerpunkt der Arbeit des Bundesumweltministeriums im Bereich "Chemikalien" betrifft das so genannte "Dreckige Dutzend", welches 12 langlebige, organische Schadstoffe umfasst. Dazu gehören eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln (zum Beispiel DDT) und Industriechemikalien (zum Beispiel Polychlorierte Biphenyle, PCB) sowie die hochgiftigen Dioxine und Furane, die als unerwünschte Nebenprodukte in Produktions- und Verbrennungsprozessen entstehen.
Diese Stoffe haben alle eines gemeinsam: Sie sind schwer abbaubar, reichern sich in der Nahrungskette an und haben unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Hinzu kommt, dass sie nicht an ihrem Entstehungs- oder Einsatzort bleiben, sondern als flüchtige Substanzen weite Entfernungen über das Wasser oder die Luft zurücklegen können - vor allem in Richtung der Polarregionen. Besonders betroffen sind deshalb arktische Gegenden. Von dort analysierte Umweltproben und Lebensmittel weisen deutlich erhöhte Konzentrationen auf.
Im Mai 2001 hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf verständigt, POPs (Persistant Organic Pollutants) zu verbieten. Deutschland hat als einer der ersten Staaten das Stockholmer Übereinkommen im Jahr 2002 ratifiziert. In Kraft getreten ist die Konvention erst, als sie von 50 Staaten ratifiziert worden war. Dies war am 17. Mai 2004 der Fall. Das Übereinkommen ist weltweit sehr akzeptiert, was die Zahl von inzwischen 163 Ratifizierungen (Stand: 16. April 2009) zeigt.
In den meisten Industrieländern - auch in Deutschland - sind Produktion und Gebrauch dieser Chemikalien bereits verboten oder weitestgehend reguliert. Die Hauptemissionsquellen für unerwünschte Nebenprodukte, wie zum Beispiel Müllverbrennungsanlagen, sind mit scharfen Grenzwertvorschriften belegt, so dass gesundheitliche Risiken und Umweltgefährlichkeit minimiert sind. Anders ist dies hingegen in Entwicklungsländern und in verschiedenen osteuropäischen Staaten, in denen diese Chemikalien weiterhin als Pestizide oder in Holzschutzmitteln eingesetzt werden oder wo PCB zum Beispiel in Transformatoren noch in Gebrauch sind. In Osteuropa und auf dem afrikanischen Kontinent bereiten Alt- und Lagerbestände von Pflanzenschutzmitteln in Größenordnungen von mehreren 100.000 Tonnen, die häufig in alten Fässern vor sich hin rotten, Anlass zu großer Sorge. Gefährliche Stoffe gelangen hier in hohen Konzentrationen oftmals völlig ungefiltert in die Luft, sei es durch die Verbrennung von Müll oder, wie zum Teil in Süd-Ost-Asien, durch andere Emissionsquellen, wie Krematorien. Ob und wie die Vereinbarungen in den Entwicklungsländern umgesetzt werden, ist daher maßgeblich für den Erfolg der Konvention. Nicht ohne Grund fordern die Entwicklungsländer deshalb ein starkes finanzielles Engagement und umfangreiche technische Hilfe seitens der Industrieländer.