Stand: Januar 2005

Verbesserung der Chemikaliensicherheit - von "Bahia" über "Bangkok" zu "Budapest" im Jahr 2006

Unter dem Titel: "Chemikaliensicherheit in einer verletzlichen Welt" fand im November 2003 in Bangkok das 4. Treffen des Internationalen Forums für Chemikaliensicherheit (IFCS) statt.

Die Schwerpunkte des Forum IV in Bangkok waren:

  • Verbesserung des elektronischen Informationsaustausches,
  • Weltweit einheitliche Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien,
  • Verbesserung der Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe,
  • Auswirkungen des Chemikalienmissbrauchs auf die menschliche Gesundheit,
  • Verhinderung des illegalen Handels mit Chemikalien,
  • Entwicklung eines Strategischen Ansatzes für ein weltweit verbessertes Chemikalienmanagement (sog. Strategic Approach on International Chemicals Management, SAICM).

Einzigartig an diesem Forum ist, dass die Regierungen und die Vertreter der Industrie, Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherverbände und die Wissenschaftsvertreter gleichberechtigte Diskussionspartner sind.

Entstehung des IFCS

Das Internationale Forum für Chemikaliensicherheit (IFCS) wurde im Jahr 1994 in Stockholm in Folge der Umsetzung des Kap. 19 der Agenda 21 der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) im Juni 1992 in Rio de Janeiro gegründet. Seinen Sitz hat das IFCS-Sekretariat bei der Weltgesundheitsorganisation in Genf. Seit der Gründung leistet Deutschland freiwillige Beitragszahlungen. Das Forum soll Empfehlungen für Regierungen sowie für internationale und zwischenstaatliche Organisationen erarbeiten. Die bekannteste ist die sog. Bahia-Deklaration, die im Jahr 2000 auf dem Forum III verabschiedet wurde und einen konkreten Aktionsplan bis 2008 zur Umsetzung der Agenda 21 enthält.
Das Forum tritt alle drei Jahre zusammen. Präsident für die Amtszeit bis zum nächsten Forum V in Budapest ist der Thailänder Dr. Suwit Wibulpolprasert.

Ergebnis des Forum IV

Einen besonderen Beitrag zum Forum IV leistete der Hauptreferent Prof. Carl Djerassi, der als "Vater der Pille" bekannt wurde. Er schlug vor, um die Idee der Verbesserung der Chemikaliensicherheit zu fördern, über die Berufsverbände der Chemiker in den verschiedenen Staaten an die Universitäten heranzutreten. Darüber hinaus regte er die Bildung eines "Chemical Social Service Corps" an. Beide Vorschläge werden inzwischen vom IFCS und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) weiterverfolgt.
Eine Datenbank für Entwicklungshilfeprojekte, das sog. Information Exchange Network on Capacity Building for the Sound Management of Chemicals (INFOCAP) wurde vorgestellt und diskutiert. Dabei fand der geplante weitere Ausbau des Netzwerkes große Zustimmung. Zudem wurde die sich im Aufbau befindliche öffentlich zugängliche Gefahrstoffdatenbank vorgestellt (sog. hazard data repository), an der die EU, OECD und US-Umweltbehörde EPA beteiligt sind. Mit der Fertigstellung und Verfügbarkeit ist 2006 zu rechnen.
Ferner wurde ein Workshop zur weltweit einheitlichen Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (Globally Harmonized System, GHS) organisiert. Mehr als 250 Teilnehmer informierten sich über die Inhalte des GHS. Zum Abschluss wurde unter deutscher Leitung ein Aktionsplan zur weltweiten Implementierung des GHS diskutiert und angenommen. Dieser ist ein wichtiger Baustein, damit das GHS bis 2008 weltweit eingeführt werden kann.
Das Plenum verabschiedete darüber hinaus ein erstes Konzept (sog. "Thought Starter") zum Strategischen Chemikalienmanagement (SAICM).
Auf Initiative der Entwicklungsländer wurden die bisherigen Ergebnisse zur Verhinderung des Illegalen Handels mit gefährlichen Chemikalien evaluiert. UNEP erklärte sich bereit, die weitere Koordinierung zu übernehmen und das Thema voranzubringen.
Das Forum beschäftigte sich mit der Initiierung und der Umsetzung von Entwicklungshilfeprojekten mit Chemikalienbezug. Dabei wurde deutlich, dass der Nutzen von Chemikaliensicherheit für eine nachhaltige Entwicklung stärker herausgearbeitet werden muss. Ein Ziel ist es, den Dialog mit Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit wie z.B. der Weltbank, zu intensivieren.
Zur Umwelt- und Gesundheitsvorsorge wurden Empfehlungen zu den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheit, akute toxische Pestizide, Kinder und deren Schutz vor gefährlichen Chemikalien verabschiedet.

Forum V in Budapest 2006

Das IFCS Forum muss weiterhin als ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Entwicklung der Chemikaliensicherheit auf internationaler Ebene, insbesondere für Entwicklungsländer, gesehen werden. Deutschland ist Mitglied im Lenkungsgremium des IFCS, dem sog. Forum Standing Committee (FSC). Damit besteht die Möglichkeit, die heute immer wieder notwendige Priorisierung der Aufgaben aktiv im Sinne einer nachhaltigen Chemikaliensicherheit zu gestalten.
Im Jahr 2005 wird die Entwicklung von SAICM Priorität haben. Es ist vorgesehen, SAICM auf einer Internationalen Chemikalienkonferenz im Februar 2006 im Rahmen einer Ministerdeklaration zu verabschieden. Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, dass ein Schwerpunkt des Forum V in Budapest sein wird, sich an der weltweiten Implementierung von SAICM zu beteiligen.