Stand: 05.03.2009


  • Titel: IT goes green

  • Untertitel: Neuer Förderschwerpunkt im BMU-Umweltinnovationsprogramm
  • Redner/in: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
  • Anlass: CeBIT 2009
  • Datum/Ort: 05.03.2009, Hannover

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die CeBIT als weltweit größte Messe für digitale Lösungen aus der Informations- und Kommunikationstechnik ist der geeignete Rahmen zur Verkündung eines neuen Förderschwerpunktes im Rahmen des Umweltinnovationsprogramms. "IT goes green" ist nicht nur der Titel, sondern auch Programm.

Wir gehen in die IKT-Förderung mit einer Erfahrung von 30 Jahren – so lange gibt es das Umweltinnovationsprogramm bereits. Und es hat nichts an Aktualität eingebüßt. Nur die Förderinhalte haben sich mit den jeweils existierenden Umweltproblemen geändert. Während anfangs Abluftfilter für Industrieschlote der große Renner waren und später die Wasserreinhaltung dominierte, geht die Entwicklung immer mehr in Richtung erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Der neue Förderschwerpunkt trägt dieser Entwicklung Rechnung. Wir haben ihn auch ganz bewusst "IT goes green" genannt. Green IT ist inzwischen sowohl in der Branche, als auch in der Gesellschaft ein etablierter Begriff. Dort wollen wir hin, aber es bedarf noch vieler Schritte bis zum Ziel.

Für das Bundesumweltministerium ist Green IT schon länger ein Schwerpunktthema. Wachsender Energie- und Materialbedarf von Computern, Servern, Multifunktionsgeräten und Büroinfrastrukturen mit seinen Umweltauswirkungen einerseits und der unübersehbare Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit andererseits, verlangen nach Lösungen.

Die gesamten weltweiten CO2-Emissionen durch Informations- und Kommunikationstechnik haben mit rund 2 % bereits das Niveau der globalen CO2-Emissionen des Flugverkehrs erreicht.

Der Energiebedarf von Rechenzentren lag in Deutschland im Jahr 2008 bereits bei über 10 Milliarden Kilowattstunden. Dies entspricht einer Jahresstromproduktion von fast vier Kohlekraftwerken. Und der Bedarf steigt weiter. Ohne besondere Anstrengungen zur Energieeffizienz wird der Energieverbrauch von Rechenzentren im Jahr 2010 bei über 12 Milliarden Kilowattstunden liegen.

Dieser Entwicklung muss gegen gesteuert werden, und zwar jetzt. Dazu müssen wir einerseits das Problembewusstsein bei den Nutzern schärfen und andererseits umweltfreundlichen, Kosten sparenden technischen Lösungen den Weg bahnen.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2013 den durch den IKT-Betrieb verursachten Energieverbrauch um 40 Prozent zu senken. Deshalb geht sie mit gutem Beispiel voran und nimmt im Rahmen des Konjunkturpakets II 100 Millionen Euro für IKT-Maßnahmen in die Hand. Mit deren Durchführung soll BMI beauftragt werden. Für die Eliteförderung im IKT-Bereich stellt BMU jetzt sofort bis zu 25 Millionen Euro im Rahmen des neuen Förderschwerpunkts "IT goes green" bereit.

Damit fördern wir die großtechnische Umsetzung innovativer, bislang nur in kleinem Maßstab eingesetzter Verfahren oder Neuentwicklungen. Da wir den Stand der Technik voranbringen wollen, kommt es vor allem darauf an, viele unterschiedliche technische Lösungen anbieten zu können. Eine Konzentrierung auf immer wiederkehrende Maßnahmen gilt es deshalb zu vermeiden.

Von einer zielgruppenorientierten Kommunikation zu erfolgreichen Referenzprojekten versprechen wir uns Multiplikatoreffekte. Eine Beratung potenzieller Anwender soll dazu beitragen, die Hemmschwelle für den Einsatz innovativer, umweltfreundlicher IKT-Technologien herabzusetzen. Zu diesem Zweck haben wir das Beratungsbüro "Green IT" bei BITKOM eingerichtet.

Erreichen wollen wir vor allem auch kleine und mittlere Unternehmen und solche mit der gerade im IKT-Bereich verbreiteten Mentalität "never touch a running system". Die tendenziell steigenden Energiekosten spielen uns in dieser Beziehung in die Hände. Für viele Rechenzentren wird der Energieverbrauch in den kommenden Jahren zu einem der größten Kostenfaktoren. Eine bessere Energieeffizienz dieser Schaltstellen spart Kosten und ist ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz.

Wir brauchen mehr Nachhaltigkeit in der digitalen Welt. Das wollen wir auch im Rahmen der dritten Jahreskonferenz von BITKOM, Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt später am Tag diskutieren.

Ich bin im übrigen überzeugt, dass mit intelligenten, ressourceneffizienten IT-Infrastrukturen und –geräten nicht nur ein enorm positiver Beitrag für den Schutz der Umwelt geleistet werden kann, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands und damit auch für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Wir können weder ökologische Fortschritte ohne wirtschaftlichen Erfolg erreichen, noch nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum ohne Lösungen für die dramatisch anwachsenden Umweltprobleme.

Um diese Herausforderungen unserer Zeit zu meistern, brauchen wir neue technologische und organisatorische Lösungen. Wir haben dafür den Begriff der ökologischen Industriepolitik geprägt. Wir wollen das Klima schützen, Natur bewahren und endliche Ressourcen schonen. Auch wenn die Rohstoffpreise in der aktuellen Wirtschaftskrise gesunken sind, müssen die industriellen Produktionsstrukturen auf knapper und vor allem immer teurer werdende Ressourcen ein- und umgestellt werden. Gleichzeitig muss die Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten verringert werden. Damit wird die Konkurrenzfähigkeit auf den globalen Märkten gestärkt und es werden neue Absatzchancen eröffnet.

Investitionen sind der Schlüssel dazu. Mit dem neuen Förderschwerpunkt "IT goes green" geben wir Starthilfe für innovative Projekte in diesem Bereich. Genauso wichtig ist es aber auch, der Breitenanwendung durch eine begleitende Förderung den Weg zu ebnen. Dies ist im Rahmen des ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramms geplant.

Wie Sie sehen, gehen wir die Herausforderungen an, gemeinsam mit kompetenten Mitstreitern, wie dem Umweltbundesamt, der KfW Bankengruppe und dem Branchenverband BITKOM, und in der Hoffnung auf breite Resonanz.

Vielen Dank