Stand: 22. Mai 2007


Videobotschaft von Herrn Bundesminister Sigmar Gabriel anlässlich der Feierlichkeiten zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am Sitz des CBD-Sekretariates am 22. Mai 2007 in Montreal

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Gastgeber der 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, die nächstes Jahr vom 19. bis 30. Mai in Bonn stattfindet, freue ich mich sehr, am heutigen Internationalen Tag der biologischen Vielfalt einige Worte an Sie richten zu dürfen.

Ich bin der Meinung, dass es keine besorgniserregendere globale Entwicklung und kein dringlicheres internationales Handlungsfeld als den Klimawandel mit seinen Aus- und Wechselwirkungen, insbesondere im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt, gibt. Daher begrüße ich sehr, dass der heutige Tag dem Motto "Biologische Vielfalt und Klimawandel" gewidmet wurde. Ich sehe in der Verknüpfung der beiden Themen außerdem ein Signal und die Chance, den Biodiversitätsschutz, seine Wahrnehmung und Akzeptanz zu fördern.

Denn die biologische Vielfalt hilft uns, das Klima zu schützen. Gesunde Ökosysteme versorgen uns nicht nur mit Nahrung, Rohstoffen und fruchtbaren Böden - sie regulieren auch das globale Klima und schützen uns dadurch vor Naturkatastrophen, wie beispielsweise Überschwemmungen, Dürren und Stürmen. Insbesondere das Kohlenstoffspeicherungspotenzial von natürlichen und naturnahen Wäldern und Mooren möchte ich in diesem Zusammenhang hervorheben. Aber auch auf andere klimarelevante Kreisläufe und Prozesse wirken sich intakte Ökosysteme positiv aus, z.B. auf den Wasserkreislauf oder die natürlichen Emissionen und Senken der Treibhausgase Methan und Stickstoffdioxid.

Umgekehrt bedroht auch der Klimawandel die biologische Vielfalt: den Eisbären schmilzt das Eis unter den Pfoten weg, ganze Regionen und ihre Lebensräume drohen zu vertrocknen - etwa der brasilianische Amazonasregenwald. Der zweite Teil des vierten Sachstandsberichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimafragen (Intergovernmental Panel on Climate Change) prognostiziert außerdem, dass voraussichtlich 20 bis 30 % der weltweiten Arten bei einer globalen Erwärmung von 2 bis 3 ° C über vorindustriellen Werten vom Aussterben bedroht sein werden.

Das heißt auf den Punkt gebracht: Naturschutz ist Klimaschutz und Klimaschutz ist Naturschutz. Diese Aussage ist banal, aber die Konsequenzen sind komplex. Sie bedeutet nämlich im Kern, dass wir die Instrumente des Klimaschutzes für den Naturschutz nutzbar machen müssen und umgekehrt.

Die Zusammenarbeit der beiden betroffenen Konventionen - Konvention über die biologische Vielfalt und Klimarahmenkonvention - muss zur besseren Nutzung von Synergieeffekten zwischen Klima- und Naturschutzinstrumenten verbessert werden. Ich begrüße es daher sehr, dass der Exekutivsekretär der Klimarahmenkonvention, Ivo de Boer, an dieser Veranstaltung teilnimmt und später seine Sichtweise erläutern wird.

Der Grund, weshalb ich heute nicht in Montreal vor Ort sein kann, ist im Übrigen auch das Thema "biologische Vielfalt": heute starten wir in Deutschland eine nationale Kampagne zur biologischen Vielfalt zur Vorbereitung der 9. CBD-Vertragsstaatenkonferenz. Wir beabsichtigen damit, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Wir werden heute eine "Naturallianz" gründen. Diese Allianz besteht aus prominenten Personen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände, Kultur und Medien, die uns helfen sollen, unsere Botschaften zu transportieren, Menschen zu informieren und zu motivieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Djoghlaf, zu dem hervorragenden Video zum Thema "Biodiversität und Klimawandel" gratulieren, das seit ein paar Tagen auf der CBD-Homepage zur Verfügung steht! Die Zusammenhänge zwischen biologischer Vielfalt und den Auswirkungen des Klimawandels, die wechselseitigen Bedrohungen und gravierenden Folgen für verschiedene Ökosysteme - und letztlich auch für uns Menschen - werden sehr eindrucksvoll dargestellt. Wir werden dieses Video sehr gerne verbreiten und dazu nutzen, die zentralen Botschaften des Biodiversitätsschutzes der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Ich wünsche Ihnen für die heutige Feier alles Gute, viel Erfolg und zahlreiche interessante Gespräche. Ich freue mich darauf, Sie alle spätestens in einem Jahr in Bonn zur Feier des Internationalen Tags der biologischen Vielfalt während der 9. CBD-Vertragsstaatenkonferenz begrüßen zu dürfen.