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Archiv 16. Legislaturperiode
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
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Titel: Bremerhaven goes offshore
- Untertitel: Bedeutung der Offshore-Windenergieentwicklung für die norddeutsche Küste
- Redner/in: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
- Anlass: Multibrid, WeserWind, Windguard, Fraunhofer feiern
- Datum/Ort: 23.03.2007, Bremerhaven, Fertigungshalle der Fa. Multibrid
Sehr geehrter Herr de Buhr (Gastgeber),
Lieber Jens Böhrnsen (Bremen, SPD),
sehr geehrter Kollege Neumeyer (Bau, Umwelt und Verkehr Bremen, CDU),
lieber Jörg Schulz (Bremerhaven, SPD),
sehr geehrter Herr Dr. Rehfeldt (Windguard),
sehr geehrter Herr Dr. Gossner und Herr Dr. Busmann (Fraunhofer),
sehr geehrter Herr van Hüllen (Georgsmarienhütte),
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Windguard, des Fraunhofer Instituts, von WeserWind und Multibrid, …
vielen Dank für Ihre Einladung. "Bremerhaven goes offshore" - ein wegweisendes Motto für diese Veranstaltung. Unternehmen und Forschungsinstitutionen, die sich im Bereich Offshore-Windenergie in Bremerhaven engagieren, feiern hier und heute ihre besonderen Anlässe, die alle etwas mit der Windenergienutzung, insbesondere mit der Offshore-Windenergie zu tun haben. Ich bin sicher, dies wäre ohne die Unterstützung von Bremen und Bremerhaven, die hohe Risikobereitschaft der Unternehmen sowie den engagierten Forschern, aber auch der Unterstützung des Bundesumweltministeriums nicht zustande gekommen.
So begehen wir heute das Richtfest für den Windkanal der Firma Windguard, wir stoßen weiterhin darauf an, dass im Fraunhofer Center für Windenergie und Meerestechnik die Forschung und Entwicklung aufgenommen wird. Wir freuen uns darüber hinaus, dass sich Multibrid für die Produktion der M5000er Gondeln für den Standort Bremerhaven entschieden hat und wir hier nun die dafür notwendige Produktionshalle einweihen dürfen!
Und natürlich freue ich mich darüber, dass ich vor wenigen Augenblicken den zweiten Prototypen der M5000 offiziell in Betrieb nehmen konnte.
Eine 5-Megawatt-Anlage der Firma Multibrid, die auf einer nicht weniger imposanten Offshore-Gründungsstruktur, einem sogenannten Tripod der Firma WeserWind aufgestellt wurde. Wenn Sie mich fragen … aus rein ästhetischer Sicht ist es viel zu schade, einen solches Bauwerk im Meer zu versenken!
Das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven sind Vorreiter, wenn es darum geht den Weg für die Nutzung der Windenergie Offshore zu ebnen. Hier vor Ort ist man sich über alle politischen Fraktionen hinweg einig, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, mit deren Hilfe wir auch unsere klimapolitischen Ziele erreichen werden, mit denen wir Arbeitsplätze schaffen, die regionale Wirtschaftskraft stärken und uns unabhängiger von Energieimporten machen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet in Deutschland schneller voran als prognostiziert. Die Zielvorgabe des Koalitionsvertrages, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2010 auf mindestens 12,5 Prozent zu steigern, werden wir bereits in diesem Jahr übertreffen.
Die Windenergie hat hier erhebliche Unterstützung geleistet: Heute wie auch zukünftig spielt sie eine herausragende Rolle. 2006 war die Windenergie mit einem Anteil von 5 % an der Stromerzeugung in Deutschland vertreten. Dies entspricht einer Strommenge von 30,5 Mrd. kWh oder mehr als dem Sechsfachen des Stromverbrauches von Bremen [2001 4,71 Mrd. kWh].
Im letzten Jahr hatten wir einen Zubau von 1.200 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 2.200 MW. Diese überaus erfreuliche Entwicklung ist Ergebnis von verlässlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Heute ist die Windenergie-Industrie ein enormer Wirtschaftsfaktor in Deutschland. 5,6 Milliarden Euro Gesamtumsatz im Inland und rd. 70.000 Beschäftigte sprechen für sich. Erfreulich ist ebenso die Stärke deutscher Hersteller und Zulieferer auf dem Weltmarkt.
2006 wurden bis zu 70 Prozent der in Deutschland produzierten Anlagen und Bauteile ins Ausland geliefert. In Deutschland nimmt die Windenergienutzung also nicht nur in Bezug auf die Reduzierung von CO2-Emissionen eine herausragende Rolle ein. Sie macht uns auch unabhängiger von
Energieimporten, wir schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, wir stärken die regionale Wirtschaft und haben eine völlig neue Akteursstruktur auf dem Energiemarkt bekommen.
Und damit wir den Anteil der erneuerbaren Energien im Strommix weiter steigern können und damit sich Deutschland weiterhin auf dem internationalen Windenergiemarkt behaupten kann, brauchen wir die Offshore-Windenergie: ich gehe davon aus, dass sie im 21. Jahrhundert eine tragende Säule der Energieversorgung sein wird.
Mit der neuen Regelung zur Netzanbindung von Offshore-Windparks werden nach ersten Schätzungen wohl etwa 1.500 MW bis Ende 2011 erreicht werden. An dem Ziel 2030 bis zu 25.000 MW Offshore installiert zu haben, halten wir fest. Der Anteil der Offshore-Windenergie an der Stromerzeugung läge in 2030 bezogen auf den heutigen Stromverbrauch bei 15 Prozent. Onshore können wir 10 Prozent beisteuern, so dass allein die Windenergie dann ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs abdecken kann.
Mit der Offshore-Entwicklung wird ein hoch innovativer Wirtschaftszweig mit bis zu 20.000 neuen Arbeitsplätzen vor allem hier in den Küstenländern entstehen. Branchenkreise sprechen von einem Investitionsvolumen von mehr als 50 Mrd. Euro. Ganz zu schweigen von den auch im Offshore-Bereich wachsenden Exportmärkten. Diesen Zug wollen und dürfen wir nicht verpassen.
Und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Sicherlich haben wir uns Zeit gelassen. Mehr als sich Deutschland eigentlich erlauben wollte. Wir haben durch diese Entwicklung aber nun den entscheidenden Vorteil, gut vorbereitet zu sein. Denn wir sprechen hier nicht über eine lapidare Unternehmung.
Gerade in Deutschland stellt die Offshore-Windenergienutzung große Herausforderungen an Technik, Netzintegration und die ökologische Verträglichkeit. Deshalb trägt das Bundesumweltministerium diesem Umstand mit seinem Förderprogramm im Bereich der erneuerbaren Energien Rechnung und unterstützt damit Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Nutzung der Offshore-Windenergie.
In der Windenergieforschung geht es vor allem darum, die Kosten der Stromerzeugung zu senken, die Erträge zu steigern, einen zuverlässigen Betrieb der Windenergieanlagen zu gewährleisten, die Integration ins Netz voranzutreiben sowie den Ausbau der Windenergie auf See umwelt- und naturverträglich zu gestalten. Höchste Priorität hat nun die Errichtung von Demonstrationsanlagen. In den nächsten Jahren wird daher das Offshore-Testfeld in der Nordsee den Schwerpunkt der Offshore-Forschung bilden. Das Bundesumweltministerium wird für die Forschung und Entwicklung im Testfeld 50 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren bereitstellen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die vergangenen Monate waren für die Zukunft der deutschen Offshore-Windenergienutzung von hoher Bedeutung, denn wir haben wichtige Hürden genommen:
- Die Stiftung der deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See wurde gegründet,
- Wir haben uns auf den Bau des Testfelds im Oktober letzten Jahres geeinigt und
- das Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz ist Anfang 2007 in Kraft getreten.
Mit der Einigung für das Großprojekt Testfeld wurden die Grundlagen für die kommerzielle Windenergienutzung auf See geschaffen. Die Stiftung Offshore-Windenergie, die Energieversorger EWE, E.ON Energie und Vattenfall Europe sowie die Windenergieanlagen-Hersteller REpower und Multibrid werden noch im kommenden Jahr mit der Errichtung beginnen, so dass 2008 insgesamt zwölf Windenergieanlagen der 5-Megawatt-Klasse etwa 40 km vor Borkum in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee betrieben werden können.
Das geschätzte Investitionsvolumen im Testfeld beläuft sich auf rund 180 Millionen Euro. Nach den erfolgreichen Vermittlungen des Vorsitzenden der Offshore-Stiftung des ehemaligen Hamburger Umweltsenators Jörg Kuhbier, konnte endlich Anfang dieses Jahres der Spatenstich für die Netzanbindung der ersten Offshore-Windparks in der Nordsee gemacht werden.
Über die Insel Norderney wird in Zukunft der Strom aus Offshore-Windparks mit einer Leistung von mehr als 3.000 MW zu den Verbrauchern geführt werden. Auch das Testfeld wird über diese Kabelanbindung mit dem Festland verbunden sein.
Mit dem Inkrafttreten des Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetzes wurden schließlich die Netzbetreiber verpflichtet, für alle Offshore-Anlagen die Netzanbindung sicherzustellen, sofern der Baubeginn der betreffenden Windparks vor dem 31. Dezember 2011 liegt. Dies bedeutet für die Offshore-Windparks eine Investitionskostenersparnis von bis zu 30 % der Gesamtinvestitionen! Mit dieser Neuregelung sind Offshore-Windparks in Deutschland wirtschaftlich darstellbar.
Und um auf das Testfeld zurückzukommen: Die schnelle Lösung der Netzanbindung des Testfelds über die Insel Norderney hat erst das Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz ermöglicht. Der rasche Baubeginn auf Norderney hat zeigt, dass die gesetzliche Regelung schon kurz nach Inkrafttreten begonnen hat zu greifen. Und die von E.ON-Netz und Vattenfall Europe Transmission bereits begonnenen Planungsprozesse zeigen auch, dass wir mit dieser Regelung eine gebündelte und koordinierte Netzanbindung der Offshore-Windparks hinbekommen, mit der wir die Umwelt schützen und gleichzeitig die Kosten niedrig halten können.
Und ich darf Ihnen versichern, dass sich das Bundesumweltministerium auch weiterhin dafür einsetzen wird, damit das Testfeld nun rasch Realität wird und in dessen Fahrwasser auch weitere Projekte zeitnah umgesetzt werden können.
Im Übrigen - auch den Onshore-Markt werden wir nicht vergessen. Wie Sie wissen wird derzeit der EEG-Erfahrungsbericht erarbeitet. Auf dessen Basis werden wir das EEG weiterentwickeln.
Sehr verehrte Damen und Herren,
in dieser Halle, in der wir heute feiern, werden Mitarbeiter von Multibrid die Gondeln für das Testfeld herstellen! Und auch das Unternehmen Repower hat angekündigt in Bremerhaven seine 5MW-Anlagen zu montieren. Das ist beachtlich und wird sich als wichtiger wirtschaftlicher Impuls
für die Region herausstellen! Ein ungemeiner Erfolg! Herzlichen Glückwunsch also an Bremen und Bremerhaven!
Und der Erfolg kommt nicht von ungefähr: In Bremerhaven finden interessierte Unternehmen eine eigens für die Offshore-Windbranche geschaffene Infrastruktur vor, einen direkten Zugang zum seeschifftiefen Wasser, hier sind alle Kompetenzen der maritimen Wirtschaft an einem Standort vereint und mit der Hochschule Bremerhaven, dem Alfred-Wegener-Institut und dem Fraunhofer Center für Windenergie und Meerestechnik stimmt auch das wissenschaftliche Umfeld. Und nicht zu vergessen die Aktivitäten des Kompetenznetzwerks der Windenergie Agentur Bremen/Bremerhaven, für deren diesjährige Konferenz "Windstärke 07" ich im Übrigen wieder gerne die Schirmherrschaft übernommen habe.
Ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit hatte, mich selbst davon zu überzeugen, dass die Firmen und Forschungseinrichtungen, die sich im Bereich der Offshore-Windenergienutzung engagieren, in Bremen und Bremerhaven in besten Händen sind.
Ich wünsche Windguard, Multibrid und WeserWind sowie dem Fraunhofer Institut viel Erfolg!
Weitere Informationen:
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Pressemitteilung vom 21.03.2007: Sigmar Gabriel: Windkraftnutzung auf See kommt voran
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Themenseite des BMU zu Erneuerbaren Energien / Windenergie
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Broschüre des BMU zur Entwicklung der Offshore-Windenergienutzung in Deutschland
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Informationen der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) rund um die Nutzung der Windenergie im Meer
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