• Titel: Der globale Ausbau erneuerbarer Energien ist eine Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels

  • Redner/in: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
  • Anlass: Side event "Renewables – a Ready to Go Technology to Reduce greenhouse gas emissions" beim COP11/MOP1
  • Datum/Ort: 07.12.2005, Montreal

Commissioner Dimas,
Vice Chairman Wang Jinxiang,
Ladies and Gentlemen,

die wichtigsten Jahre für Klimaschutz sind die anderthalb Dekaden bis 2020. Wir müssen die Emission von Klimagasen jetzt radikal reduzieren, um die 2-Grad-Grenze im 21. Jahrhundert halten zu können. Deshalb kann man die Bedeutung der bereits heute verfügbaren Technologien gar nicht überschätzen. Erneuerbare Energien sind heute verfügbar. Wasserstofftechnologie und Kohlendioxidspeicherung frühestens in 10-15 Jahren.

Gut ein Sechstel des weltweiten Primärenergieverbrauchs stammt schon aus regenerativen Quellen. 160 Gigawatt elektrische Kapazität aus erneuerbaren Energien sind heute weltweit installiert. Allein in Deutschland sparen erneuerbare Energien schon 70 Mio. CO2 jährlich ein.

Erneuerbare Energien verbinden Armutsbekämpfung und Klimaschutz:

  • Sie befreien aus der kostspieligen Abhängigkeit von fossilen Energien. Sie schaffen damit finanzielle Freiräume für Entwicklung.
  • Sie tragen dazu bei, das Wirtschaftswachstum von steigenden Emissionen abzukoppeln.
  • Sie beugen Schäden in Billionenhöhe vor. Dürren, Fluten und Hurrikane zerstören in wenigen Stunden alles, was Menschen sich über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut haben. Wir können das Millenniumsziel, die Zahl der Armen bis 2015 zu halbieren, nur erreichen und dauerhaft halten, wenn wir den Klimawandel begrenzen.
  • Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze. Gut 1,7 Millionen Menschen arbeiten weltweit in diesem Sektor.

Erneuerbare Energien sind eine Entwicklungsstrategie für Süd und Nord. Sie sind ein wichtiges Argument hier bei den schwierigen Klimaverhandlungen. Einige hier glauben immer noch, Klimaschutz sei eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Länder des Südens. Aber gerade der Ausbau erneuerbarer Energien beweist, dass Klimaschutz sich für den lohnt, der ihn betreibt.

Die neue Bundesregierung gibt dem nationalen und globalen Ausbau erneuerbarer Energien aus umwelt- und wirtschaftspolitischen Gründen hohe Priorität. Ich habe den Ausbau schon als Ministerpräsident von Niedersachsen forciert. Niedersachsen liegt mit 4.500 MW installierter Windenergiekapazität vor allen anderen Bundesländern.

Deutschland will bis 2020 mindestens 20 % des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen. Die neue Bundesregierung steht zu dieser gesetzlichen Verpflichtung. Außerdem wollen wir den Anteil der regenerativen Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2020 auf 10% steigern.

Die renewables2004 und die BIREC2005 haben den globalen Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend vorangetrieben:

  • Die Fotovoltaik hat jährliche Zuwachsraten von 60 %.
  • 2004 wurden weltweit 30 Mrd. US$ in erneuerbaren Energien investiert.
  • Mehr als 30 Staaten haben Einspeiseregeln eingeführt, auch Schwellenländer wie Brasilien und China.
  • In Bonn hat sich das globale Politiknetzwerk REN21 gegründet. Es trägt diesen side event mit und stellt auf der Konferenz eine Studie (policy paper) über den Beitrag erneuerbarer Energien für den Klimaschutz.
  • Die UN-Kommission für nachhaltige Entwicklung befasst sich 2006/07 mit der Überprüfung der internationalen Ausbauanstrengungen.

Die Weichen für erneuerbare Energien sind also gestellt. Der Klimawandel verlangt ultimativ, dass wir nun mit hohem Tempo fahren.