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Archiv 16. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Astrid Klug
Stand: 20.02.2008
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Titel: Nanotechnologie
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
- Anlass: NanoDialog Zwischenbilanz
- Datum/Ort: 20.02.2008, Berlin
Anrede
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie sind heute hier um "Bilanz zu ziehen". Bilanz ziehen ist ein sehr wichtiger Prozess. Er bedeutet zu schauen: Was haben wir bisher gemeinsam erreicht? Er bedeutet aber auch, einen Blick in die Zukunft zu werfen und sich zu fragen: Welche Aufgaben sind noch offen? Welchen Fragen müssen wir uns als Nächstes widmen?
Ich möchte Sie ganz herzlich heute hier im dbb-forum in Berlin zur Veranstaltung
"1 Jahr Nanokommission – Zwischenbilanz im Dialog"
begrüßen.
Als wir vor gut einem Jahr den NanoDialog ins Leben gerufen haben, hatten wir viele Fragen: Was genau verstehen wir unter Nanotechnologie, die von vielen als Schlüsseltechnologie für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung gesehen wird? Was ist eigentlich das Besondere, dass dieser Technologie so große wirtschaftliche Erfolge prophezeit werden? Auf der einen Seite ist uns Faszination begegnet. Faszination für das Erkennen von Strukturen auf atomarer Ebene und das gleichzeitige Verstehen von Prozessen in der Natur. Faszination aber auch für neue Gestaltungsmöglichkeiten, die Produkten und Materialien völlig neuartige Eigenschaften ermöglichen sollten.
Neben einer großen Euphorie wurden jedoch auf der anderen Seite auch besorgte Stimmten lauter. Sorgen, dass kleinste Nanopartikel Schaden anrichten können, wenn sie in den menschlichen Körper oder in die Umwelt gelangen.
Als ich damals begann, diesen Fragen nachzugehen, schien es mir, als ob sich die Anzahl der offenen Fragen vervielfachte, anstatt sich zu verringern. Uns wurde schnell klar, dass wir das Thema nicht allein bewältigen können, sondern die fachliche Unterstützung von Kollegen aus anderen Behörden und weiteren Experten aus der Wissenschaft und der Wirtschaft benötigen werden. Wichtig war uns, auch Verbände in diesen Prozess mit einzubinden, die Ihre Sichtweise aus Arbeits-/ Umwelt- und Verbraucherschutz einbringen.
So ist die Idee des NanoDialogs geboren und die Nanokommission hat Ihre Arbeit aufgenommen. Eine Qualität des NanoDialogs ist, dass er frühzeitig stattfindet. Wir haben die Möglichkeit, eine gemeinsame Problemsicht und ein gemeinsames Verständnis zu den wesentlichen Fragen zu entwickeln, die uns weiter bringen. Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, Ihnen allen für Ihr Engagement und Ihre Ausdauer in diesem bisherigen Arbeitsprozess zu danken. Mit Ihrer Hilfe können wir auf erste Ergebnisse blicken, die ich kurz benennen möchte.
Zum einen liegen uns erste Beispiele vor, wie Nanomaterialien einen Beitrag für Umweltschutz und Ressourceneffizienz leisten können. Ich persönlich finde, diese Ansätze machen Mut, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch die wirtschaftlichen Zahlen sprechen für sich. So haben ca. 400 – 500 Unternehmen in Deutschland – wahrscheinlich sind es mittlerweile sogar schon mehr – mit Nanotechnologie zu tun. Wir möchten gerne wissen: Was ist hier in Deutschland vor allem mit dem Fokus Umwelt und Gesundheit noch möglich? Wo sind die spannenden Zukunftsmärkte? Es müssen jedoch auch fundierte und gute Argumente auf den Tisch, welche die Vorteile im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung aufzeigen.
Lassen Sie mich auf ein anderes wichtiges Zwischenergebnis des NanoDialogs eingehen. Ich sprach bereits an, dass wir mit vielen offenen Fragen zu Exposition und Wirkung von Nanomaterialien konfrontiert sind. Eine erste Initiative haben hier damals unsere Bundesoberbehörden UBA, BAuA und BfR gestartet. Sie haben den Forschungsbedarf aufgezeigt, der für die gesetzliche Risikobewertung notwendig ist. Aus dem NanoDialog heraus wurden nun Forschungsprioritäten für die Risiko- und Sicherheitsforschung erarbeitet. Das ist eine sehr wichtige Arbeit.
Lassen Sie mich das an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Wir brauchen dringend mehr Forschungsarbeiten, die uns eine fundierte Abschätzung möglicher Gefährdungen für Mensch und Umwelt durch Nanomaterialien ermöglichen. Zu klären sind insbesondere toxikologische und ökotoxikologische Risiken sowie Fragen der Nachhaltigkeit mit Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus. Diese Arbeiten sind unverzichtbar für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien und werden dringend für die Arbeit der verantwortlichen Regulierungsbehörden benötigt.
Nun gibt es natürlich hier auch schon Initiativen. Im Projekt NanoCare des BMBF werden z.B. Daten zu den Wirkungen von Nanopartikeln auf biologische Systeme generiert und Messmethoden und Messstrategien weiterentwickelt. Zahlreiche Industriepartner sind an dieser Arbeit beteiligt. Die Empfehlungen der Experten aus dem NanoDialog zeigen jedoch: Die bisherigen Forschungsaktivitäten reichen noch nicht aus. Wir müssen weitere Projekte zur Erforschung möglicher Risiken anstoßen. Deswegen gilt es, die formulierten Empfehlungen aus dem NanoDialog Schritt für Schritt umzusetzen. Lassen Sie mich an dieser Stelle einen ersten wichtigen Schritt in diese Richtung erwähnen: Ein neues Projekt NanoNatur ist aktuell beim BMBF in der Vorbereitung. Hier werden Wissenslücken in Bezug auf Umweltwirkungen und Verbleib von Nanomaterialien in der Umwelt geschlossen werden.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich in meiner persönlichen Bilanz auf ein letztes wichtiges Thema eingehen, bevor ich mit Ihnen gemeinsam den Blick in die Zukunft richten möchte.
Wir schätzen die Initiative der Wirtschaft, sich selbst aktiv für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien einzusetzen. Wir können tatsächlich nicht abwarten, bis alle möglichen Risiken von Nanomaterialien wissenschaftlich vollständig untersucht wurden. Insofern wird der "Leitfaden für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien", der mit Vertretern von Behörden und Verbänden kritisch diskutiert wird, ein wichtiges Produkt der Nanokommission sein.
Damit möchte ich mit Ihnen einen Blick in die Zukunft werfen. Der NanoDialog wird bis Ende des Jahres 2008 weiter geführt werden. Wir erwarten uns bis dahin weiter gehende Empfehlungen der Nanokommission, die uns bei folgenden wesentlichen Fragen unterstützen: Wie finden wir vor dem Hintergrund einer dynamischen Technologieentwicklung einen angemessenen Umgang mit Chancen und Risiken. Was müssen die Regierung und andere gesellschaftliche Akteure tun? Uns wird auch die Frage weiterer Regulierungsnotwendigkeiten gestellt werden. Die Bundesregierung hat in Ihrem Bericht Ende letzten Jahres festgestellt, dass sie im Moment keinen weiteren Regulierungsbedarf sieht, sondern zunächst wichtige Voraussetzungen wie anerkannte Definitionen und Standards sowie Prüfmethoden geschaffen werden müssen.
In Veranstaltungen diskutiert werden jedoch auch andere Maßnahmen wie Meldeverfahren oder Kennzeichnungspflichten. Hier würden wir uns eine Empfehlung der Nanokommission wünschen, inwiefern diese Maßnahmen aus Sicht der Experten umsetzbar sind und zur Gewährleistung der Sicherheit von Mensch und Umwelt sinnvoll erscheinen.
Wir erwarten mit großem Interesse Ihre Empfehlungen Ende des Jahres. Ich bin sehr sicher, dass sich die Arbeit gelohnt haben wird. Wir haben im Rahmen des NanoDialogs die Möglichkeit, einen gemeinsamen Lernprozess zu erleben. Lassen Sie uns die verbleibende Zeit nutzen, um die wichtigen Themen auf den Tisch zu bringen und erste Antworten auf drängende offene Fragen zu liefern.
Eines ist uns klar: Wir werden Ende des Jahres nicht fertig sein. Ich bin mir sicher, dass sich neue Aufgaben ergeben werden. Einige zeichnen sich schon heute ab: Wie setzten wir die Forschungserfordernisse – auch in internationaler Arbeitsteilung um? Wie begleiten und überwachen wir freiwillige Verfahren zur Selbstverpflichtung? Meine Erwartung an Sie ist: Adressieren Sie diese Aufgaben an uns und an die anderen gesellschaftliche Akteure, die im NanoDialogs mitwirken. Es ist wichtig, dass wir mit vereinten Kräften eine nachhaltige Entwicklung der Nanotechnologie auch über den NanoDialog hinaus unterstützen. Nur so kann es gelingen, dass unsere Wirtschaft im Innovationswettbewerb besteht und profitiert und gleichzeitig die Sicherheit von Mensch und Umwelt gewährleistet wird.
Ich hoffe, dass Sie durch den Austausch heute neue Ideen und Impulse für Ihre Arbeit bekommen. Ich persönlich bin sehr froh, dass wir diesen Dialog führen und erwarte mit Interesse Ihre weiteren Ergebnisse.
Vielen Dank.
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