• Titel: Biodiversitätsschutz in Zeiten des Klimawandels

  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
  • Anlass: Festrede bei der Eröffnungsveranstaltung des 29. Deutschen Naturschutztages
  • Datum/Ort: 16.09.2008, Kongresszentrum, Festplatz 9, 76137 Karlsruhe


Anrede,

mir gefällt die Mehrdeutigkeit des Mottos des 29. Deutschen Naturschutztages sehr gut. "Stimmt das Klima? Naturschutz im Umbruch" – das ist sowohl eine ökologische als auch eine gesellschaftliche Fragestellung, eine politische Frage ist es in beiden Fällen. Ich werde mich auf den Aspekt "Biodiversitätsschutz in Zeiten des Klimawandels" aus ökologischer Sicht konzentrieren.

Spätestens seit dem jüngsten Bericht des IPPC gehört es zur allgemeinen Erkenntnis, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel real ist und sich beschleunigt. Er hat das Potenzial, unsere natürliche Umwelt, unserer wirtschaftliche Entwicklung und unsere globale Sicherheit nachhaltig zu gefährden. Die Zeche bezahlen dabei die Wehrlosen: die Entwicklungsländer und unsere Kinder. Ihnen werden Entwicklungschancen durch den Klimawandel genommen.

Wir wissen alle: Noch können wir den Klimawandel auf ein beherrschbares Niveau begrenzen. Aber das Zeitfenster, das uns zur Verfügung steht, ist klein und schließt sich rasch. Es bleiben uns gerade 10 bis 15 Jahre, um energisch gegen zu steuern. Daraus ergibt sich unsere Verantwortung zum Handeln.

Trotzdem wird der Klimawandel Auswirkungen auf die Natur haben, die möglicherweise nicht aufgehalten werden können. Der Weltklimarat warnt vor dem Risiko des Verlustes eines Drittels aller heute lebenden Arten schon bei einer globalen Erwärmung um etwa 2 Grad Celsius. Insbesondere in Bergregionen, Korallenriffen und Feuchtgebieten müssen wir mit einem Artensterben großen Ausmaßes rechnen – das sind ebenso unwiederbringliche Verluste wie geschmolzene Gletscher, die nicht mehr funktionierende Kraft des Golfstroms oder vernichtete bzw. ausgetrocknete Amazonaswälder.

Eine Studie des WWF hat ermittelt, dass insgesamt 38% aller europäischen Vogelarten klimawandelbedingt aufgrund der unterschiedlichsten Zusammenhänge aussterben könnten, wenn die weltweite globale Erwärmung gegenüber vorindustriellen Werten um mehr als 2 Grad ansteigt.

Das Millennium Ecosystem Assessment, eine Untersuchung zum weltweiten Zustand der Ökosysteme, geht davon aus, dass der Klimawandel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich die wichtigste direkte Ursache für den Verlust von Biodiversität sein wird.

Auch in Deutschland sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur bereits heute durch zahlreiche Beobachtungen aus verschiedensten Lebensraumtypen vom Meer bis ins Hochgebirge belegbar, obwohl die bisher nachgewiesenen Klimaveränderungen noch deutlich geringer sind als die, die für die nächsten Jahrzehnte erwartet werden. Nach dem heutigen Stand der Prognosen rechnet man für Deutschland damit, dass die stärksten Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in den Alpen, im nordostdeutschen Tiefland und im Bereich des Oberrheingrabens auftreten werden. Die erwartete Abnahme der Sommerniederschläge kann die ohnehin schon durch menschliche Eingriffe belasteten Feuchtgebiete noch stärker gefährden.

Es wird in der Natur "Gewinner" geben: Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung Wärme liebender Arten, die früher eher im Mittelmeerraum verbreitet waren und nun verstärkt auch bei uns auftreten. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Libellenarten wie die Feuerlibelle, deren Vorkommen sich seit den 80er Jahren vom Oberrheintal aus bis nach Nordhessen und Nordrhein-Westfalen ausgeweitet haben.

Es wird in der Natur aber auch "Verlierer" geben: Die Ostsee-Ringelrobbe benötigt für die Aufzucht ihrer Jungen mindestens zwei Monate lang eine feste Eisschicht mit Schneebedeckung. Aufgrund der Klimaszenarien ist zu erwarten, dass von den bisherigen vier Aufzuchtgebieten in der Ostsee mit jeweils eigenen Populationen künftig nur eines übrig bleiben wird. Insgesamt gehen wissenschaftliche Prognosen davon aus, dass in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten 5-30% der derzeitigen Tier- und Pflanzenarten durch Klimaänderungen aussterben könnten.

Die Beispiele machen klar: Der Klimawandel stellt die bisherigen Konzepte des Naturschutzes in Frage. Hier müssen wir uns positionieren und eine tragfähige Antwort finden.

Halten wir uns vor Augen, dass die Wechselbeziehung zwischen Klimawandel und Biosphäre in beide Richtungen wirkt, so dass durch ein geeignetes Management der biologischen Vielfalt Synergien zwischen Klimaschutz und Naturschutz erreicht werden können. Auch das möchte ich mit einigen Beispielen illustrieren:

  • Die Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Kohlenstoffspeicher wie Wälder und intakte Moore verhindert, dass der dort in Pflanzen und Böden gespeicherte Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.
  • Die Vermeidung von Abholzungen tropischer Regenwälder kann viel zum Klimaschutz beitragen, da darauf bis zu 25% der weltweiten jährlichen CO2-Emissionen zurückgeführt werden.
  • Weltweit gehen von entwässerten Mooren ca. 10 % der globalen vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aus (Bezugsjahr 1990). In Deutschland sind es zwischen 2,3 % und 4,5 % der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen (Bezugsjahr 1990), so dass auch bei uns Schutz und Renaturierung von Mooren ein großes Potenzial zur Abschwächung des Klimawandels bieten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Nutzung dieses Potenzials auch ökonomisch lohnt. Danach gibt die Bundesregierung im Bereich Klimaschutz für die Einsparung einer Tonne CO2 mehr als 50 € aus. Auf dem Gebiet des Moorschutzes in Deutschland sind Maßnahmen möglich, durch die dieselbe Menge CO2 für ca. 2 € eingespart werden kann.

Anrede,

Wir haben uns verpflichtet, bis zum Jahr 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt in Deutschland zu stoppen. Die 9. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt in Bonn hat bekräftigt, dass wir die Anstrengungen in den verbleibenden zwei Jahren intensivieren müssen. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt ist unser Handlungsprogramm, um hier entscheidend voranzukommen. Die Strategie zeigt sehr deutlich die Synergieeffekte zwischen Naturschutz und Klimaschutz.

Wir haben z. B. als Ziel in der Strategie beschlossen, bis zum Jahre 2020 die natürliche CO2-Speicherkapazität der Landlebensräume um 10 % zu erhöhen, z.B. durch die Zunahme naturnaher Wälder und durch Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren.

Dieses Ziel wird durch das Ziel, den Flächenanteil natürlicher Wälder mit natürlicher Waldentwicklung bis 2020 auf 5 % zu erhöhen sowie auf Flächen der öffentlichen Hand bis 2020 auf 10 % zu steigern, unterstützt. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Ziele wichtig sind, um die Folgen des Klimawandels auf die Natur abzumildern, und sicher stimmen Sie mir hier auch alle zu. Tatsache ist aber auch, dass gerade diese Ziele bei den Waldbesitzern, Forst- und Sägewerksverbänden zu erheblicher Aufregung geführt haben. Dabei sind es auch die Wälder, die unter dem Klimawandel leiden werden.

Zur Erreichung des Ziels aus der nationalen Biodiversitätsstrategie sollen außerdem bis 2010 Moorentwicklungskonzepte in allen Bundesländern erarbeitet und bis 2025 umgesetzt werden. Es soll z.B. außerdem eine deutliche Reduzierung des Torfabbaus erfolgen, und gleichzeitig muss die Verwendung von Torfersatzstoffen im Gartenbau gesteigert werden. Denn schon heute wird der Torf bereits oft aus dem Baltikum importiert, da die hiesigen Torfvorkommen nicht mehr ausreichen. Das Ziel zu erreichen, ist allerdings wegen der oft schon aus historischer Zeit stammenden Abbaurechte alles andere als einfach. Und kaum ein Sack Blumenerde enthält keinen Torf. Hier müssen für den kommerziellen Gartenbau und die privaten Gartenbesitzer Alternativen gefunden und Überzeugungsarbeit geleistet werden. Ein Problem ist sicherlich auch, dass Moore trotz ihrer großen ökologischen Bedeutung kaum in internationalen Abkommen, wie beispielsweise der RAMSAR-Konvention (Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung) berücksichtigt werden. Weniger als 10 Prozent der weltweiten Moorflächen sind bisher in die RAMSAR-Liste aufgenommen worden. Auch hier sehe ich Handlungsbedarf.

Wir müssen in Deutschland effektive Biotopverbundsysteme etablieren. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt haben wir uns in der Bundesregierung auf das Ziel verständigt, dass empfindliche Arten und Lebensgemeinschaft auf klimabedingte Veränderungen durch räumliche Wanderungen in einem bis 2020 realisierten Netz räumlich bzw. funktional verbundener Biotope reagieren können. Dies ist sicher in erster Linie eine Aufgabe für die Bundesländer, die aber durch weitere Akteure von der lokalen bis zur europäischen Ebene unterstützt werden müssen.

Anrede,

Wir müssen die Synergieeffekte zwischen Naturschutz und Klimaschutz betonen und nutzen. Ich freue mich, dass auf mein Betreiben hin im Bundeshaushalt 2008 eine neue Klimaschutzinitiative gebilligt wurde. Künftig werden jährlich 280 Millionen Euro aus der Veräußerung von Emissionszertifikaten für nationale und 120 Millionen Euro für internationale Klimaschutzmaßnahmen verwendet. Im Rahmen der internationalen Klimaschutzinitiative werden weltweit Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie den Transformationsstaaten Mittel- und Osteuropas gefördert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier im Schnittstellenbereich zwischen Biodiversitäts- und Klimaschutz, wie er sich zum Beispiel im Schutz großer Waldflächen zeigt, die für den Erhalt des Klimas von großer Relevanz sind. Lassen sie mich nur einige Beispielprojekte nennen, die wir mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative unterstützen werden:

  • Im Amazonas werden wir die Einrichtung und das nachhaltige Management von Sammelgebieten fördern. Solche Gebiete, in denen die lokale Bevölkerung Produkte des Waldes wie z.B. Nüsse oder Naturkautschuk sammeln kann ohne den Wald zu beschädigen, sind ein bedeutendes Instrument um Waldschutz und nachhaltige lokale Entwicklung zu verknüpfen.
  • Wir unterstützen die Einrichtung neuer Schutzgebiete in einem der letzten großen zusammenhängenden Tropenwaldgebiet dieser Erde – dem Kongobecken. Auf der Vertragsstaatenkonferenz der CBD in Bonn hat der Umweltminister der Demokratischen Republik Kongo zugesagt, 15 Mio. ha neue Waldschutzgebiete ausweisen zu wollen. Dabei wollen wir ihm helfen.
  • In Indonesien werden wir unter anderem den Schutz und die Wiederherstellung von Mooren und Moorwäldern fördern, die zu den kohlenstoffreichsten Lebensräumen der Erde zählen.

In Vietnam, Indonesien und Papa Neuguinea werden wir den Schutz von Mangroven und Korallenriffen unterstützen. Der Erhalt dieser Küstenlebensräume ist essentiell für den Schutz vor Stürmen und Überschwemmungen, wie wir zuletzt bei der Flutkatastrophe in Birma leidvoll erkennen konnten. Durch den Schutz können sich die Korallenriffe auch besser an die sich ändernden Umweltbedingungen anpassen und die lokale Fischerei kann nachhaltig gesichert werden. Ein anschauliches Beispiel für die zentrale Rolle der biologischen Vielfalt bei der Anpassung an den Klimawandel.

Meine Damen und Herren,

das bisher Gesagte kann man auch auf die Formel bringen: Naturschutz ist Klimaschutz und Klimaschutz ist Naturschutz. Die Klimaschutzziele der Bundesregierung finden Sie selbstverständlich auch in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Wir haben sehr darauf geachtet, Klimawandel und Klimaschutz umfassend zu integrieren.

Die Basis für eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik sind ambitionierte, verbindliche Zielsetzungen. Unser Klimaschutzziel steht im Kontext der EU-Vorgaben:

Im Frühjahr hat der Europäische Rat unter Vorsitz der Bundeskanzlerin weit reichende Beschlüsse gefasst: Ziel ist, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2050 um 60-80% gegenüber 1990 zu reduzieren. Ein solcher Beitrag der Industrieländer ist nötig, um die Erderwärmung auf 2°C einzudämmen und so die härtesten Folgen noch einigermaßen beherrschbar zu machen.

Bis 2020 will die EU die CO2-Emissionen um 30 % reduzieren, wenn andere Länder mitziehen.

Deutschland hat angekündigt, noch mehr zu tun: Wir können 40% schaffen. Damit stellt sich die Bundesregierung ihrer Verantwortung für den Schutz des Klimas.

Wir haben im Klimaschutz kürzlich entscheidende Maßnahmen auf den Weg gebracht, die auch auf der Bali-Konferenz von anderen Staaten sehr begrüßt wurden:

Im Sommer 2007 hat sich die Bundesregierung bei der Kabinettsklausur in Meseberg auf 29 Eckpunkte geeinigt. Am 5. Dezember 2007 und am 18. Juni 2008 wurden im Kabinett konkrete Umsetzungsmaßnahmen in Form der Integrierten Energie- und Klimapakete I und II beschlossen.

In der Geschichte unseres Landes hat es ein solch weit reichendes Programm zum Schutz von Klima und Umwelt noch nicht gegeben – es ist auch weltweit einzigartig. Alle CO2-relevanten Aktionsfelder – von der Strom- und Wärmeproduktion bis zum Verkehr, von der Gebäudesanierung bis zur Energieeffizienz – werden mit dem neuen Maßnahmenpaket einen Schub erhalten und den Klimaschutz voranbringen. Sie werden aber auch für Beschäftigung und Wachstum in Deutschland sorgen.

Das Programm erreicht gegenüber 1990 insgesamt eine Emissionsminderung von etwa 35 Prozent bis 2020, wenn es konsequent umgesetzt wird. Für die fehlenden 5 Prozent müssen wir noch arbeiten, besonders an der Energieeffizienz. Damit stellt sich die Bundesregierung ihrer Verantwortung, den Schutz des Klimas und der gesamten Biosphäre als größte politische Herausforderungen anzunehmen. Alle Staaten haben sich im Jahr 2007 in Bali unter der Klimarahmenkonvention verpflichtet, über ihre Beiträge zu einem künftigen Klimaregime für die Zeit nach 2012 zu verhandeln. Für die Verhandlungen wurde eine ad hoc-Arbeitsgruppe eingesetzt. Ende 2009 auf der Klimakonferenz in Kopenhagen sollen die Verhandlungen abgeschlossen werden.

Der Bali-Konsens unterscheidet zwischen Minderungsverpflichtungen für Industriestaaten und Maßnahmen von Entwicklungsländern. Er sieht für beide im Vergleich zu bisher ein deutlich höheres Anspruchsniveau vor. Alle Beiträge müssen messbar, berichtbar und überprüfbar sein.

Die Kyoto-Industriestaaten haben in Übereinstimmung mit dem IPCC einen indikativen Minderungskorridor von -25 bis -40 % bis 2020 gegenüber 1990 für ihre Überlegungen über künftige Minderungsverpflichtungen in Aussicht genommen und darüber hinaus ein konkretes Arbeitsprogramm bis 2009 festgelegt.

Die Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung in Entwicklungsländern soll in das künftige Klimaregime aufgenommen werden. Entwaldung ist in vielen Entwicklungsländern die größte Ursache für Treibhausgasemissionen. Sie trägt zu nahezu 20% zu den globalen Emissionen bei. In den kommenden zwei Jahren sollen Methoden entwickelt und in Pilotprojekten getestet werden, um diese Emissionen zu messen. Deutschland unterstützt bereits solche Pilotaktivitäten, indem es 40 Millionen € zur "Forest Carbon Partnership Facility" der Weltbank beisteuert. Diese Initiative wurde im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft im letzten Jahr auf den Weg gebracht.

Aber auch andere Ökosysteme speichern in hohem Maße CO2: Moore, Feuchtgebiete, Grasland. Wir müssen alles daran setzen, diese carbonspeichernden Ökosysteme dauerhaft zu erhalten. Das nutzt der Natur und es nutzt dem Klima.

Mit den Beschlüssen von Bali ist die Arbeit jedoch nicht getan. In den Jahren 2008 und 2009 müssen die Details eines künftigen Klimaregimes vollständig ausgehandelt werden. Damit diese Zeit ausreicht, braucht der Prozess eine treibende Kraft. Die EU und auch wir haben auf Bali gezeigt, dass wir diese Kraft sein können. Wir haben große Erwartungen geweckt. Wir können und wir müssen ihnen gerecht werden.

Anrede,

Auch wenn es uns gelingt, national wie international die Emissionen von Treibhausgasen drastisch zu senken und den globalen Temperaturanstieg auf die Marke von 2 Grad Celsius zu begrenzen, werden wir dennoch noch mit Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sein, auf die wir vorbereitet sein müssen. Dabei geht es nicht allein um die Auswirkungen auf die natürliche Umwelt und die menschliche Gesundheit, sondern auch um viele wirtschaftliche Aktivitäten. Die Bundesregierung erarbeitet deshalb unter Federführung des Bundesumweltministeriums eine "Nationale Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels". Die Erarbeitung der Strategie erfolgt derzeit unter Einbeziehung der Länder und beinhaltet erstens eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Wissens über zu beobachtende bzw. prognostizierte Klimaänderungen in Deutschland, über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt sowie wichtige Sektoren und Handlungsfelder, über die damit verbundenen Risiken und Chancen. Zweitens werden Wissenslücken und der weiteren Forschungsbedarf beschrieben. Außerdem werden Maßnahmenoptionen skizziert und ein Handlungsrahmen für die weitere Ausdifferenzierung der Anpassungsstrategie hin zu einem Aktionsplan entwickelt. Im November 2008 wird sich das Bundeskabinett mit dem Thema befassen.

Es ist geplant – nach der Kabinettbefassung – die gesellschaftlichen Gruppen intensiv in den Weiterentwicklungsprozess einzubeziehen, um den im Kabinettbericht gegebenen Rahmen zu diskutieren und mit Leben, d.h. mit konkreten Anpassungsmaßnahmen zu füllen. Ich lade Sie schon jetzt dazu ein, sich hieran intensiv zu beteiligen!

Der nächste Schritt sollte dann in der nächsten Legislaturperiode ein Aktionsplan zur Deutschen Anpassungsstrategie sein. Die Liste der dabei anzusprechenden Politikbereiche, Branchen und Sektoren ist lang. Wichtig ist aber, dass wir insbesondere auf regionaler Ebene integrale Ansätze entwickeln, die die Wechselbeziehungen zwischen den sektoral differenzierten Aktivitäten und Maßnahmen berücksichtigen und - wo immer möglich - Synergien mit Maßnahmen des Klimaschutzes nutzen. und diesen in die tägliche Arbeit mehr und mehr zu verankern. Derzeit ist angedacht, bis Ende 2010 einen detaillierten Aktionsplan zu erarbeiten.

Anrede,

auch die Instrumente des Naturschutzes bieten Ansatzpunkte für Synergieeffekte zwischen Klima- und Naturschutz. Dabei ist für mich die Erhaltung der Wälder von besonderer Bedeutung. Zum Schutz der Urwälder habe ich bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD, des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, die im Mai 2008 in Bonn stattgefunden hat, ein Paket von aufeinander abgestimmten Maßnahmen vorgelegt: Die Ausweisung von Waldschutzgebieten muss in der CBD vorangebracht werden, und wir werden für die Erhaltung der Wälder auch mehr Finanzierungsmittel organisieren müssen leisten. Wir erarbeiten zur Zeit Nachhaltigkeitsstandards für den Anbau von Biomasse zur Energieerzeugung und werden damit ein Abholzen von Urwäldern, um Platz für Biomasseanbau zu schaffen, verhindern. Wir werden die EU-FLEGT-Verordnung gegen den Handel mit illegal geschlagenem Holz forciert umsetzen und – wenn nötig - auch eine Verschärfung dieser Verordnung durchsetzen.

Anrede,

"Biodiversitätsschutz in Zeiten des Klimawandels" lautete der Titel meiner Rede. Ich denke, man könnte durchaus auch sagen "Klimaschutz in Zeiten des Biodiversitätswandels". Beides wäre richtig! Und es zeigt auch, dass es unbedingt erforderlich ist, beides zu tun - sowohl eine engagierte Biodiversitätserhaltungspolitik als auch eine engagierte Klimaschutzpolitik zu betreiben. Beide Politikbereiche sind auf einander angewiesen!


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