• Titel: Eröffnungsrede zum 13. Magdeburger Gewässerseminar

  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
  • Anlass: Eröffnung des Seminars
  • Datum/Ort: 07. Oktober 2008, Johanniskirche, Magdeburg

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

ich freue mich sehr, heute das 13. Magdeburger Gewässerseminar eröffnen zu dürfen, an dem Ort, an dem es vor 20 Jahren seinen Ursprung hatte.

Bereits Johann Wolfgang von Goethe hat erkannt "Alles ist aus dem Wasser entsprungen! Alles wird durch das Wasser erhalten!" Diese Feststellung ist in Zeiten des Klimawandels aktueller denn je. Künftig werden wir gerade an infrastrukturell erschlossenen Flüssen und in den Flussgebieten mit häufigeren Extremereignissen zu rechnen haben. Niedrigwasser- und Hochwassersituationen sind im Flussgebiet Elbe wahrlich keine Unbekannten. An die Hochwasserkatastrophe 2002 und die von ihr verursachten Opfer und Schäden sei an dieser Stelle erinnert. Daher begrüße ich, dass sich das Seminar in einem Themenblock ausdrücklich mit dem Klimawandel befasst.

Die Flüsse sind die Lebensadern unserer Staaten. Sie sind Lebensraum, Trinkwasserressource, Lebensmittelspender, Energiequelle und der natürlichste Biotopverbund, den wir uns vorstellen können. Wir nutzen sie als Orte der Erholung, als Verkehrsträger und als Entsorgungsweg. Ausreichend verfügbares, sauberes Wasser ist eine Grundvoraussetzung für gesunde Lebensräume, für die Ernährung sowie ein wichtiger Produktionsfaktor. All diese unterschiedlichen Nutzungen haben vielfältige Auswirkungen. Wir müssen unsere Gewässer im komplexen Zusammenhang der Nutzungen sehen.

Wichtig ist daher der Paradigmenwechsel von einer isolierten Betrachtung von Mengen- und Qualitätsaspekten des Mediums Wasser hin zu einer integralen Betrachtung der Gewässer, die alle Nutzungsaspekte und den Nachhaltigkeitsgedanken einbezieht. Dies ist heute breiter Konsens, dennoch ist die praktische Umsetzung angesichts der Vielzahl der einzubeziehenden Akteure nicht einfach und muss einiges an Hindernissen überwinden. Es besteht die Notwendigkeit, neue Wege der Beteiligung und der Steuerung zu entwickeln. Hier sind die Staaten im Flussgebiet Elbe schon ein gutes Stück vorangekommen, national und international, aber dieser Prozess ist bei weitem noch nicht abgeschlossen.

Anrede,

die thematischen Schwerpunkte des 13. Magdeburger Seminars machen vor diesem Hintergrund deutlich, wie wichtig der Gewässerschutz ist und wie viele Facetten er hat. Die verschiedenen Gewässernutzungen werden von zahlreichen Vorträgen beleuchtet, aber auch die Bedeutung der Elbe als Ökosystem, in dem sich zum Beispiel wieder viele Fischarten wohl fühlen. In Deutschland wird gerade diskutiert, ob und wie man den Stör, der früher in der Elbe häufig vorkam, wieder in diesem Flussgebiet ansiedeln kann.

Das Seminar widmet auch dem Thema Seen, insbesondere Bergbaufolgeseen, einige Vorträge. Damit wird deutlich, dass nicht nur Fließgewässer betrachtet werden dürfen. Gerade die Flutung der Tagebaue ermöglicht das Entstehen neuer Landschaften und Lebensräume, auch wenn sie vom Menschen gemacht sind.

Die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie und das Fließgewässermanagement sind Themen, die uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen werden und die unser gemeinsames Engagement erfordern, gerade auch grenzüberschreitend. Die dazu vorgesehenen zahlreichen Beiträge in der Veranstaltung beweisen den hohen Stellenwert der damit verbundenen Fragestellungen.

Ende nächsten Jahres wird es den ersten gemeinsamen Bewirtschaftungsplan für die Flussgebietseinheit Elbe geben, ein Produkt der erfolgreichen Kooperation und Koordination in der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe. Für viele Wasserkörper wird der gute Zustand bis 2015 allerdings nicht erreicht werden können und es werden daher Fristverlängerungen in Anspruch genommen werden müssen. Eine der größten Herausforderungen bildet dabei die Reduzierung der diffusen Einträge in Oberflächen- und Grundwasser, z.B. von Nährstoffen aus der Landwirtschaft.

Die IKSE hat sich bereits jetzt als gute und erfolgreiche Plattform für die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie bewährt. Und es stehen neue gemeinsame Aufgaben an, wie die Umsetzung der EG-Richtlinie zum Hochwasserrisikomanagement. Hier wird sicherlich auf dem Aktionsplan Hochwasserschutz Elbe aufgebaut werden können.

Dem Magdeburger Gewässerseminar werden die Themen also nicht ausgehen. Der Informations- und Gedankenaustausch - vor allem auch auf internationaler Ebene – ist eine essentielle Voraussetzung für eine vertrauensvolle und effektive Zusammenarbeit. Dazu trägt diese Veranstaltung seit Jahren in besonderer Weise bei!

Ich wünsche dem Seminar einen erfolgreichen Verlauf und Ihnen viele interessante Gespräche und Diskussionen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!