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Archiv 16. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Astrid Klug
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Titel: Klima- und Ressourcenschutz als Motor für Umwelt, Innovation und Beschäftigung
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
- Anlass: Auftaktveranstaltung zur Gründung eines Null-Emissions-Forschungsnetzwerks
- Datum/Ort: 15.09.2008, Paul-Wunderlich-Haus, Eberswalde,
Punktation:
Einführung
Anrede
Überbringung der Grüße von BM Gabriel
die Schirmherrschaft für die Auftaktveranstaltung zur Gründung eines Null-Emissionsnetzwerkes wurde gerne übernommen
Der Konferenzort wurde gut gewählt:
- Eberswalde gilt mit als eine der Wiegen der Nachhaltigkeit,
- mit dem in 2007 fertig gestellten Paul-Wuderlich-Haus wurde ein bundesweit viel beachtetes innovatives Energiekonzept für ein Verwaltungszentrum umgesetzt und
- hier hat der Kreistag Barnim im April 2008 den Aufsehen erregenden Beschluss gefasst, den Landkreis durch die Umsetzung einer Nullemissionsstrategie nachhaltig zu entwickeln.
Herausforderung für die Zukunft
- gewaltiger weltwirtschaftlichen Wachstums- und Industrialisierungsschub. Das Weltsozialprodukt wird bis zum Jahr 2030 im Durchschnitt um 3 % jährlich wachsen und sich innerhalb der kommenden 25 Jahre annähernd verdoppeln.
- Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung werden zunehmen, heute 6,5 Milliarden Menschen, im Jahr 2050 werden bereits rund 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben.
- Der fortschreitende Klimawandel führt bereits heute zu einer deutlichen Zunahme von Dürren und Überflutungen. Die Folgen des Klimawandels lassen sich nur vermeiden, wenn die Oberflächentemperatur der Erde - im Vergleich zur vorindustriellen Zeit - um nicht mehr als zwei Grad Celsius bis 2100 ansteigt.
- Steigende Energie- und Rohstoffpreise: Der Weltmarktpreis für Rohöl hat sich seit dem Jahr 2000 von unter 30 US-$ auf derzeit weit über 100 US-$ je Barrel mehr als vervierfacht. Gaspreise steigen aufgrund der Ölpreisbindung ebenfalls ungebremst mit.
- Die Antwort auf die Herausforderungen: Effizienz steigern, erneuerbare Energien ausbauen, Ressourcenverschwendung vermeiden. Wie wir produzieren und konsumieren, das ist zu einer existenziellen Menschheitsfrage geworden. Die Wissenschaft gibt uns noch rund 15 Jahre, um umzusteuern.
- Wir brauchen einen Strategiewechsel, der den radikalen Umbau der Industriegesellschaft einleitet. Wir brauchen den Einstieg in die dritte industrielle Revolution.
- Technologische, organisatorische und gesellschaftliche Innovationen müssen Hand in Hand gehen. Bereits heute zeigt eine Reihe von Null-Emissions-Beispielen, dass der Prozess einer nachhaltigen Entwicklung durch technologische Sprünge bei der Ressourceneffizienz bei gleichzeitiger Verbesserung der Wertschöpfung sowie der Arbeit- und Lebensbedingungen erfolgreich eingeleitet werden kann.
Deutschland ist bei der Umwelttechnik weltweit in der Spitzengruppe
- Das Marktvolumen für Umwelttechnik wird bereits heute auf rund 1.000 Milliarden Euro geschätzt, und könnte sich bis zum Jahre 2020 mehr als verdoppeln
- Die durchschnittlichen Wachstumsraten in den Umwelttechnikbereichen sind hoch. Sie reichen von 11 % in der Rohstoff- und Materialeffizienz bis zu 30 % in der umweltfreundlichen Energieerzeugung (2004 bis 2006)
- Gegenwärtig (2005) kommen rund 4% des Umsatzes der deutschen Industrie aus dem Bereich der Umwelttechnik. Bis 2030 gehen Studien von einer Vervierfachung des Anteils am Gesamtumsatz aus. In Deutschland arbeiten inzwischen fast 1,8 Millionen Menschen im Bereich des Umweltschutzes.
- Wir brauchen Innovationen, Pioniergeist und Wahrnehmung von Verantwortung zur Behauptung unserer Spitzenposition im Bereich der Umwelttechnologien.
Die Bundesregierung handelt
- Deutschland verfolgt das weltweit ambitionierteste Klima- und Energieprogramm, um bis 2020 die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
- Für ein Land, das auf den Import von Rohstoffen und Energieträgern angewiesen ist, wird der effizientere Umgang mit Ressourcen immer wichtiger, dass heißt: Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt und die Effizienzrevolution forcieren.
- Wir brauchen neue Wege in eine nachhaltige Industriegesellschaft. Klima- und Ressourcenschutz werden immer mehr zum Motor für die Vermeidung von Umweltbelastungen, Förderung von Innovationen und Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit, einschließlich Sicherung von Einkommen und Schaffung von neuen zukunftsfähigen Arbeitsplätzen.
- Wir haben in dieser Legislaturperiode mit der ökologischen Industriepolitik die Weichen richtig gestellt. Die ökologische Industriepolitik ist eine Antwort auf diese veränderte Realität. Sie verknüpft Umweltschutz und Wettbewerbsfähigkeit.
- Das integrierte Energie- und Klimaschutzprogramm der Bundesregierung und das im Juni 2008 gestartete 400-Millionen-Programm der Klimaschutzinitiative sind wichtige Maßnahmen zur Umsetzung der ökologischen Industriepolitik.
Klimaschutz und Ressourceneffizienz nützen der Wirtschaft
- Das Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung ist angesichts der drastisch steigenden Öl- und Gaspreise zugleich ein starkes Konjunkturprogramm.
- Die Steigerung der Energieeffizienz in der gewerblichen Produktion, die energetische Sanierung von Gebäuden und der verringerte Kraftstoffverbrauch bei Kraftfahrzeugen werden zum Motor für Innovation, Wachstum und Beschäftigung.
- Es entstehen völlig neue Industriezweige mit neuen und sicheren Arbeitsplätzen: Allein 235.000 bislang im Bereich der erneuerbaren Energien, die sich bis 2020 auf 400.000 erhöhen können.
- Die Schubkraft für dieses Konjunkturprogramm kommt aus einem breit angelegten Förderprogramm zur ökologischen Modernisierung unserer Industriegesellschaft. Beispielsweise wird die Gebäudesanierung bis 2011 mit insgesamt 1,4 Mrd. Euro jährlich gefördert. Allein mit dem Gebäudesanierungsprogramm und dem Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien werden Investitionen mit einem Volumen von weit mehr als 10 Mrd. Euro ausgelöst.
- Es gibt kaum ein besseres Programm, bei dem Investitionen und Innovationen so gut miteinander verknüpft sind.
- Wer Wachstum und Beschäftigung will, muss auf erneuerbare Energien und Energie- und Ressourceneffizienz setzen.
Neue Wege
- Der notwendige Umbau der Industriegesellschaft kann nicht verordnet werden. Hier gilt es neue Wege bei der Zusammenarbeit von Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und Politik zu beschreiten. Die Zukunft braucht Mut zu Innovationen und eigenverantwortlicher schöpferischen Gestaltung.
- Innovative Unternehmen, kreative Wissenschaftler und vorausschauende Entscheidungsträger in Kommunen haben schon vor Jahren die Herausforderungen der Zukunft erkannt und begonnen zu handeln. Der Null-Emissions-Ansatz mit seinen Wurzeln im Umwelt- und Qualitätsmanagement von Unternehmen kann sich zu einer viel versprechenden Strategie entwickeln.
- Wir können für den anstehenden Modernisierungsprozess viel von den Optimierungsstrategien in der Natur lernen. Die Steigerung der Ressourceneffizienz bedeutet: die Nutzung der regionalen Potentiale, die regionale Schließung von Stoffkreisläufen durch die schöpferische Wahrnehmung von Verantwortung. Wir müssen lernen, wie es sich ohne Abfälle und ohne Energie- und Ressourcenverschwendung besser leben lässt.
Erwartungen an die Auftaktveranstaltung
- An der Auftaktveranstaltung zur Gründung eines Null-Emissions-Netzwerkes beteiligen sich Vertreter aus Unternehmen, Kommunen und Wissenschaft, die zum Teil seit vielen Jahren über konkrete Erfahrungen mit dem Null-Emissions-Ansatz, der Steigerung der Ressourceneffizienz und der wirtschaftlichen Nutzung von erneuerbarer Energien verfügen. Diese Erfahrungen sollen weitergegeben und die richtigen Schlussfolgerungen für die Gestaltung unserer Zukunft abgeleitet werden.
- Das Null-Emissions-Netzwerk soll die Akteure von innovativen zukunftsweisenden Systemlösungen zusammenbringen.
- Das Null-Emissions-Netzwerk soll sich zu einem selbsttragenden produktiven Forum für gesellschaftliche Innovationen entwickeln.
- Es soll die Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung zukunftsweisende Projekte fördern,
- neue Projekte initiieren,
- auf allen Ebenen der Politik wichtige Impulse und Anstöße geben und besonders für die Umsetzung der ökologischen Industriepolitik, für die Gestaltung der Zukunft unseres Landes Schwung, Kraft und Ausdauer, um die notwendigen Veränderungen für eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.
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Pressemitteilung vom 15.09.2008: Neue Wege in eine nachhaltige Industriegesellschaft




