Stand: 19. Februar 2008


  • Titel: 30 Jahre im Zeichen der Umwelt

  • Untertitel: Der Blaue Engel feiert Geburtstag
  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
  • Anlass: Pressekonferenz 30 Jahre Blauer Engel
  • Datum/Ort: 19.02.2008, Bundespressekonferenz Berlin

Sehr geehrte Frau Prof. Müller, sehr geehrter Herr Prof. Troge,

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

30 Jahre Blauer Engel. Das heißt 30 Jahre im Dienste des Umweltschutzes. Damit ist der Blaue Engel sogar älter als das Bundesumweltministerium. Der Blaue Engel hat in seiner Geschichte viel bewegt und dies ist der Anlass, dem Zeichen zu gratulieren und ihm auch für die Zukunft weiterhin viel Erfolg zu wünschen.

Der Blaue Engel ist die erste und älteste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen. 1978 wurden die ersten sechs Vergabegrundlagen von der Jury Umweltzeichen verabschiedet. Heute tragen rund 10.000 Produkte von rund 950 Zeichenanwendern (Stand August 2007) den Blauen Engel.

Der Auftrag, der mit dem Umweltzeichen verbunden ist, ist klar definiert: Der Blaue Engel fördert sowohl die Anliegen des Umwelt- als auch des Verbraucherschutzes. Darum werden Angebote ausgezeichnet, die in ihrer ganzheitlichen Betrachtung besonders umweltfreundlich sind und zugleich hohe Ansprüche an den Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Gebrauchstauglichkeit erfüllen.

Der Konsum von Produkten bestimmt unser tägliches Leben. Das Konsumverhalten einschließlich Produktion und Bereitstellung der entsprechenden Güter und Dienste beeinflusst immer stärker nicht nur die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen, sondern auch den Zustand der Umwelt. Allein der Konsum der privaten Haushalte ist beispielsweise für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen.

Für eine produktbezogene Umweltpolitik ist die Gewinnung und Weitergabe von Informationen über die Umweltwirkungen eines Produktes eine wesentliche Voraussetzung. Nur wenn die Umweltwirkungen bekannt sind, kann eine effiziente Entwicklung umweltfreundlicher Produkte erfolgen. Gleichzeitig – und dies ist aus meiner Sicht noch bedeutsamer – sollen Umweltinformationen dazu beitragen, dass die Verbraucher ihre Kaufentscheidung auch an Umweltgesichtspunkten orientieren können.

Nun kann und will der Verbraucher nicht jedes Mal alle Umweltwirkungen recherchieren. Er braucht daher Informationshilfen, denen er vertrauen kann. Der Blaue Engel ist seit nunmehr 30 Jahren der ökologische Leuchtturm, der den Weg zum ökologisch besseren Produkt weist.

Die Verbraucher von heute erwarten von einem Produkt insbesondere auch, dass es qualitativ gut ist. Das heißt zunächst, dass das Produkt funktionieren muss. Aber es muss auch einen Zusatznutzen wie etwa Ästhetik, Status usw. haben. Einen solchen Zusatznutzen stellt auch die Umweltqualität dar. Umweltfreundliche Produkte liegen derzeit im Trend. Der Verbraucher möchte gern etwas für die Umwelt und insbesondere den Klimaschutz tun. Mit dem Blauen Engel kann er das.

Schon jetzt umfasst sein Portfolio eine ganze Reihe von Produkten, die diesen Anforderungen entsprechen. Ein schönes Beispiel sowohl für Material- als auch Energieeffizienz, ist das Recyclingpapier. Neben der offensichtlichen Materialersparnis wird bei der Herstellung im Vergleich zu Frischfaserpapier auch in nicht unerheblichem Maße Energie eingespart. Beispielsweise spart die Produktion von drei Blatt Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier soviel Energie, um damit einen Liter Kaffee zu kochen. Weitere Beispiele finden sich im Gebäudebereich. Ich denke da an die Blauen Engel für Heizungsanlagen, Warmwasserbereiter und Solaranlagen. Aber auch im Officebereich ist der Blaue Engel mit Energiesparprodukten vertreten, z.B. mit energiesparenden Bildschirmen, Tastaturen und Computern.

Zudem wird der Blaue Engel gerade neu ausgerichtet und noch klimafreundlicher. So sollen verstärkt energieeffiziente Waren und Dienstleistungen mit dem Umweltzeichen gekennzeichnet werden. Geplant sind neue Umweltzeichen in der Beleuchtung, für Haushaltsgeräte und Heimelektronik, bei Ökostrom und für neuartige Akkus. Dies wird vom BMU ausdrücklich unterstützt.

Für die Verbraucher sind neben den Umweltwirkungen auch andere Aspekte wichtig. Ganz offensichtlich stehen die gesundheitlichen Auswirkungen eines Produktes im Vordergrund. Diese Aspekte hat der Blaue Engel in der jüngeren Vergangenheit verstärkt aufgegriffen. Beispiele sind u. a. die Blauen Engel für Mobiltelefone, Matratzen und Fußbodenbeläge.

Der Blaue Engel ist so durchaus auch als ein Umweltzeichen zu verstehen, das weitere Aspekte der Nachhaltigkeit einbezieht.

Der Blaue Engel ist jedoch in seiner Wirkung mehr als nur ein Zeichen zur Information. Er ist auch ein Instrument zur Stimulierung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Er ist ein Wegbereiter für den Umbau der Gesellschaft in Richtung nachhaltige Entwicklung. Hierbei hat der Blaue Engel in der Vergangenheit zu deutlichen Entlastungen von Umwelt und gesundheitlichen Risiken geführt und wird dies auch weiterhin tun. Als Beispiel sei hier nur auf die Reduktion von Lösemitteln in Farben und die heute breite Verwendung von Recyclingpapier verwiesen. In vielen Fällen ist der Blaue Engel auch Wegbereiter für nachfolgende gesetzliche Vorschriften gewesen, z.B. mit dem Blauen Engel für FCKW-freie Spraydosen noch weit vor dem Verbot von FCKW, Auch der Abgaskatalysator für Kraftfahrzeuge gehört in diese Reihe.

Neue und aktuelle Probleme wie Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz sind neue Herausforderungen, denen sich der Blaue Engel stellt und auf die er gut vorbereitet ist. Auch hier kann der Blaue Engel insbesondere den Standard setzen, der die beste verfügbare Technik auszeichnet. Hier wird er künftig auch seine Rolle im Zusammenhang mit der Öko-Design-Richtline der Europäischen Union spielen. Die Öko-Desing-Richtlinie wird Mindeststandards für energiebetriebene Produkte festlegen. Die herausragenden Produkte werden aber gesondert ausgezeichnet werden müssen, z.B. mit dem Blauen Engel.

Auf einen wichtigen Aspekt ist schließlich hinzuweisen, nämlich die Bedeutung des Blauen Engels bei der öffentlichen Beschaffung: Sowohl das europäische als auch das nationale Vergaberecht gestattet öffentlichen Auftraggebern ausdrücklich die Verwendung der Spezifikationen von Umweltzeichen bei der Festlegung von umweltbezogenen Leistungs- oder Funktionsanforderungen. Dabei kommt dem Blauen Engel eine besondere Bedeutung zu. So können öffentliche Auftraggeber davon ausgehen, dass Produkte und Dienstleistungen, die den Blauen Engel tragen, auch den in adäquaten technischen Spezifikationen festgelegten Umweltanforderungen genügen.

Die Bundesregierung geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Im Rahmen des Energie- und Klimapakets hat sie eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung energieeffizienter Produkte und Dienstleistungen beschlossen, die von allen Bundesbehörden bei ihren Beschaffungsaktivitäten anzuwenden ist. Der Blaue Engel ist danach bei jeder Beschaffungsentscheidung in den relevanten Produktgruppen zu berücksichtigen. Dies ist eine neue Qualität. Hier ist die Bundesregierung Vorreiter.

Der Blaue Engel ist darüber hinaus sogar ein erfolgreicher Exportartikel der deutschen Umweltpolitik, denn Kriterien des Blauen Engel werden in vielen Staaten beachtet und von einigen gewichtigen, wie zuletzt China, sogar übernommen.

Auch wenn nahezu jeden Tag ein neues Zeichen auf dem Markt erscheint, bin ich sehr zuversichtlich, dass der Blaue Engel weiterhin das bekannteste Umweltzeichen in Deutschland bleiben wird.
Das BMU wird sein Zeichen, den Blauen Engel, auch auf dem weiteren Weg nachdrücklich unterstützen.

Herzlichen Glückwunsch Blauer Engel.

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