Stand: 26.09.2007


  • Titel: Unterwegs für Vielfalt

  • Untertitel: Deutschlandtour für biologische Vielfalt
  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
  • Anlass: Start der "Deutschlandtour für biologische Vielfalt"
  • Datum/Ort: 26.09.2007, Berlin, Haupteingang Humboldt-Universität, 10.30 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Nagel,
liebe Maria Krautzberger,
Sehr geehrter Herr Prof. Leohold,
sehr geehrter Herr Wilmsen,
Sehr geehrter Herr Israel,
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute hier begrüßen zu dürfen und mit Ihnen unseren Infobus zur biologischen Vielfalt auf die Reise schicken zu können. Wir transportieren auf diese Weise die biologische Vielfalt direkt in die Fußgängerzonen. So kann es gelingen, das Thema stärker in der Öffentlichkeit zu verankern und die politische Aufmerksamkeit im Vorfeld der internationalen UN-Naturschutzkonferenz im kom-menden Mai in Bonn zu erhöhen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Unternehmen Karstadt, Volkswagen und Twintec: Ohne ihr Engagement wäre diese erste Info-Bustour des Bundesumweltministeriums nicht möglich gewesen.

Der Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt ist neben dem Klimaschutz eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Allein 40 Prozent des weltweiten Handelsvolumens bauen darauf auf, die natürlichen Lebensgrundlagen zu nutzen. – Die biologische Vielfalt garantiert uns, dass das komplexe System Erde funktioniert und auch weiter funktionieren kann. Wenn wir aber den Reichtum an Arten, Lebensräumen und genetischen Ressourcen vernichten, gefährden wir zugleich unsere eigene Existenzgrundlage und löschen damit die Festplatte des Betriebssystems Erde!

Gerade an den Themen biologische Vielfalt und Klimawandel lässt sich das ablesen: Beide sind eng miteinander verknüpft. So wird der Klimawandel durch die Zerstörung von Kohlenstoffspeichern wie Wäldern, Mooren und Feuchtgebieten extrem verschärft. Schon heute gehen etwa 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen darauf zurück. Der Verlust von Primärwaldgebieten seit dem Jahr 2000 wird auf 6 Millionen Hektar pro Jahr geschätzt. Das hat kürzlich der "Global Biodiversity Outlook" (GBO 2) des UN-Sekretariates des Übereinkommens über die biologische Vielfalt ergeben. Pünktlich zur Deutschlandtour für biologische Vielfalt veröffentlicht das Bundesumweltministerium eine deutsche Fassung dieser Studie. Sie informiert umfassend über Zustand und Trends der biologischen Vielfalt weltweit und schlägt Maßnahmen vor, um sie zu erhalten.

Biologische Vielfalt hat auch unmittelbare Auswirkungen auf unsere Lebensqualität: So genießen wir eine vielfältige und abwechslungsreiche Ernährung. Und wir nutzen lebenswichtige Medikamente, die aus Pflanzen- oder Tierbestandteilen gewonnen werden. Etwa 30 Prozent aller weltweit verschriebenen Medikamente sind direkt auf Naturstoffe zurückzuführen – wie der Wirkstoff gegen Krebs, der in der pazifischen Eibe entdeckt wurde. Die pazifische Eibe gehört zu den mehr als 15.000 vom Aussterben bedrohten Arten, die sich 2006 auf der Roten Liste gefährdeter Arten befanden. Allein aus den 125.000 bisher bekannten Blütenpflanzen der Tropen könnten wahrscheinlich zahlreiche neue Medikamente entwickelt werden – ein bedeutendes Potenzial.

Im nächsten Jahr ist Deutschland Gastgeber der UN-Naturschutzkonferenz, der 9. Vertragsstaatenkonferenz (COP 9) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Bundesumweltminister Gabriel hat die Vertragsstaaten nach Bonn eingeladen und wird mit etwa 5000 Vertreterinnen und Vertretern der Staatengemeinschaft Bilanz ziehen. Es ist höchste Zeit: Wenn wir das international vereinbarte Ziel erreichen wollen, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 erheblich zu reduzieren, müssen wir uns deutlich mehr anstrengen und die Öffentlichkeit für das Thema gewinnen. Dazu brauchen wir die Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft, ob nun Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, Wissenschaft oder Nichtregierungsorganisationen. Mit der Naturallianz geben wir ein Beispiel einer solchen Kooperation, mit der gemeinsamen Bustour wollen wir zu mehr motivieren.

Ich lade Sie und Euch Schülerinnen und Schüler zu einem kleinen Rundgang durch unseren Infobus ein. Lassen Sie sich von quakenden Fröschen und Kröten oder von heulenden Wölfen inspirieren! Ich wünsche mir, dass Ihnen das noch mehr Lust darauf macht, die Vielfalt der Natur zu erleben und sich für sie einzusetzen.

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