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Archiv 16. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Astrid Klug
Stand: 11.01.2007
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Titel: TRAFFIC
- Untertitel: Portraits von Menschen
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
- Anlass: Eröffnung der Ausstellung TRAFFIC am 11.01.2007, 16.00 Uhr
- Datum/Ort: 11.01.2007, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bonn, Foyer
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen im Bundesumweltministerium. Ich begrüße Sie zur Eröffnung der Ausstellung TRAFFIC mit fotografischen Portraits von Michael Reh. Es ist eine Ausstellung zum nicht ganz einfachen, aber hochaktuellen Thema Sucht und Abhängigkeit. Wir freuen uns und empfinden es als eine Bestätigung, dass die Ausstellung eine so starke Resonanz findet.
Besonders begrüße ich für die Gäste aus dem politischen Bereich die 1. stellvertretende Landrätin des Rhein-Sieg-Kreises Uta Gräfin Strachwitz, die Herrn Landrat Kühn vertritt. Sie sind - wie ich höre - stark im sozialen und karitativen Bereich verankert und deshalb sicher mit den Problemen der Suchtkranken besonders vertraut.
Stellvertretend für die Gruppe derjenigen, die Suchtkranke beraten und betreuen, begrüße ich herzlich Herrn Haug vom Verhaltensmedizinisches Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der Kliniken Daun. Sie sind hier in der Region eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.
Für die Gäste aus dem kulturellen Bereich begrüße ich stellvertretend Herrn Prof. Dr. Dieter Ronte, den Direktor des Bonner Kunstmuseums. Ich begrüße viele interessierte Damen und Herren aus Ministerien und Verwaltungen sowie zahlreiche Kolleginnen und Kollegen des BMU und anderer Behörden hier aus dem Haus.
Ganz besonders freue ich mich natürlich, dass der Initiator, Ideengeber und Gestalter der Ausstellung, der Fotograf Michael Reh, heute hier ist und Ihnen gleich persönlich mehr über die Idee, das Ziel und die Entstehung der Ausstellung erzählen wird. Herzlich willkommen und vielen Dank für Ihre Arbeit, Herr Reh.
Weitere Hinweise zur Ausstellung und ihren Hintergründen wird uns daneben Lilo Wanders geben, die ich ebenfalls besonders herzlich begrüsse. Lilo Wanders kümmert sich in großartiger Weise um das Projekt TRAFFIC und diese Wanderausstellung. Lilo Wanders ist Schirmherrin des Vereins "Subway e.V. Hamburg – flexible Substitutionsbegleitung", der sich um Drogenabhängige kümmert und Mitinitiator und Partner des Projektes Traffic ist.
Seitdem das Bundesumweltministerium mit seinen Bonner Abteilungen in das ehemalige Postministerium eingezogen ist, hat es in diesem Foyer eine Reihe von Ausstellungen gegeben. Das BMU hat sich vor allem die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler auf die Fahnen geschrieben, die hier die Möglichkeit haben, ihre Werke zu präsentieren. Daneben gibt es natürlich auch regelmäßig Fachausstellungen aus dem breiten Spektrum nationaler und internationaler Umweltschutzthemen. Vom globalen Klimaschutz bis zum lokalen Fledermausschutz war hier schon so ziemlich alles zu sehen.
Die Fotoausstellung TRAFFIC ist da etwas völlig neues. Auch wenn sie als Sammlung von Portraitaufnahmen zur Kategorie der Fotokunst zu rechnen ist, ist sie in ihrer Form und in ihrem Inhalt so ungewöhnlich und einzigartig, dass sie in kein normales Raster passt. Die Ausstellung greift ein aktuelles und wichtiges Thema auf, vor allem aber besticht die Ausstellung durch beeindruckende Exponate, die den Betrachter sehr direkt ansprechen. Die Portraits wirken sehr authentisch, sie sind unglaublich ausdrucksstark und gehen unter die Haut. Sie sagen uns etwas und sie rütteln auf.
Drogenmissbrauch und Sucht, das sind auch heute noch für viele Menschen Themen, mit denen sie am liebsten nichts zu tun haben möchten. Bei denen man gerne wegschaut und die Gedanken schnell wieder auf andere, schönere Dinge lenkt. Für Viele sind das abstrakte Probleme, denen man weiträumig ausweicht oder die man auf Stichworte und Zahlen reduziert: das Drogenproblem, die Begleitkriminalität, die Statistik der jährlichen Drogenopfern.
Oft ändert sich diese persönliche Position erst dann, wenn aus dem abstrakten Thema ein konkretes Problem wird. Wenn Drogensucht und Missbrauch plötzlich "ein Gesicht bekommt", das man kennt. Wenn ein Bekannter aus dem beruflichen oder privaten Umfeld, vielleicht sogar ein Mitglied der eigenen Familie ein Drogenproblem hat. Dann ist plötzlich guter Rat und fachkundige Hilfe gefragt.
Manchmal ist es dann aber schon sehr spät, oft leider auch zu spät. Weil der Betroffene sich mit seinem Problem zu lange versteckt, es verdrängt hat. Weil man selbst nicht genau genug hingeschaut und nicht sensibel genug die eigenen Antennen ausgefahren hat.
Liest man die Zahlen, wird die Dimension des Themas deutlich. Drogenprobleme sind in Deutschland und in Europa kein Randgruppenthema. Und nicht umsonst hat die Bundesregierung mit meiner geschätzten Kollegin Sabine Bätzing eine Drogenbeauftragte.
Bis zu 150.000 Heroinabhängige, bis zu 400.000 Menschen mit gesundheitsgefährdendem Canabiskonsum und bis zu 1,4 Mio. Menschen mit Medikamentenabhängigkeit gibt es in Deutschland. Ganz zu schweigen von den großen Volksdrogen Tabak und Alkohol, mit Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Suchtgefahr.
Das sind Zahlen, hinter denen Menschen und ihre Schicksale stehen.
Es gibt natürlich eine Drogenpolitik auf europäischer und nationaler Ebene. Bundes- und Länderministerien, Behörden und Einrichtungen arbeiten auf diesem Feld. Vor Ort kümmern sich kommunale Ämter und Mediziner um die Opfer, die Betroffenen und deren Angehörige. Zahlreiche Vereinigungen und Organisationen sind engagiert, von den großen zivilen und kirchlichen Hilfsorganisationen bis hin zu so wichtigen örtlichen Institutionen wie dem Hamburger Verein Subway.
Trotz dieser wichtigen Arbeit von vielen Beteiligten, deren Engagement so unendlich wertvoll ist, bleibt das Thema Sucht, das mitten in unserer Gesellschaft stattfindet, auch eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, das nicht delegiert werden kann, sondern das das Engagement von jedem Einzelnen erfordert. Und dabei helfen außergewöhnliche Initiativen wie das TRAFFIC-Projekt von Michael Reh. Er macht mit den Mitteln seiner Kunst, der Fotografie, Facetten des Problems deutlich, die wichtig sind, aber gerne übersehen werden. Wichtige Aspekte nicht nur im Rahmen der Prävention bei jungen Leuten, sondern von großer Bedeutung auch für unser aller Verhältnis zu den Opfern von Drogen und Abhängigkeit.
Michael Reh gelingt dies, indem er die zutiefst menschliche Seite von Drogensucht und Abhängigkeit ins Bild setzt.
Ihm geht es nicht um das Sensationsbild des Drogentoten auf der Bahnhofstoilette. Er zeigt keinen erhobenen Zeigefinger, versucht nicht, Mahnungen zu visualisieren. Seine Aufklärung mit der Sprache des Portraitfotos ist subtil, einfühlsam und würdevoll. Und gerade deshalb geht sie dem Betrachter so unter die Haut.
Es war und ist eine großartige Idee, die Michael Reh und Brigitte Goepel-Reinhard von Subway an einem Morgen am Küchentisch entwickelt haben: drogenabhängigen Männern und Frauen, die nach bürgerlichen Maßstäben verwahrlost von einem Tag zum anderen leben, ihre menschliche Würde zurückzugeben. Und das, indem Michael Reh und sein Team sie wie Fotomodelle vor eine Kamera stellen, sich mit ihnen und ihren Sehnsüchten auseinandersetzen und durch die Portraits ihre bedrückende und zerstörende Lebenswirklichkeit mit einer "Wunsch-Realität" verknüpfen. Diese Idee war und ist großartig, aber auch mutig.
Die Arbeit mit den Männern und Frauen aus dem Subway-Programm war sicher nicht immer einfach. Es war, wie Brigitte Goepel-Reinhardt im Vorwort zum TRAFFIC-Katalog formuliert: "Eine emotionale Gratwanderung mit beglückenden und bedrückenden Momenten".
Michael Reh weiß, dass Bilder unsere Meinung und unsere Wahrnehmung bestimmen. Er zeigt uns mit den Portraits "den Menschen", der Hilfe, Hoffnung und Unterstützung braucht. Er macht die individuelle Dimension von Drogensucht deutlich. Sie wird für den Betrachter fühlbar.
Die Portraits machen deutlich, wie brutal die Abhängigkeit von Drogen den einzelnen Menschen verändert und sein persönliches Schicksal bestimmt. Sie zeigen die Schattenseiten des Lebens von Drogenabhängigen, aber eben auch, dass in jedem Abhängigen auch viele positive andere Seiten stecken. Bilder sagen hier mehr als 1000 Worte. Ihre Wirkung ist viel stärker, intensiver und nachhaltiger als jedes Informationsblatt.
Ich wünsche mir deshalb, dass die Ausstellung TRAFFIC vor allem von vielen jungen Leuten besucht und erlebt werden kann. Hier können Lehrerinnen und Lehrer die Chance nutzen, die Gefahr von Drogen auf außergewöhnliche, sehr menschliche und emotionale Weise zu vermitteln.
Sucht ist eine Krankheit. Drogenmissbrauch zerstört Menschen. Aber jeder Betroffene ist ein Opfer - mit einer Seele, mit Sehnsüchten und Wünschen. Die allermeisten vor allem mit dem Wunsch, wieder gesund und frei zu sein. Dabei brauchen sie Unterstützung, vor allem brauchen sie Respekt. Und Respekt beginnt damit, dass wir nicht wegschauen, sondern hinschauen. Und dass sich das Hinschauen lohnt – für beide Seiten – das macht diese Ausstellung mit ausdrucksstarken Fotos deutlich.
Ich wünsche der Ausstellung viele interessierte Besucherinnen und Besucher und noch viele weitere Stationen.
Danke an alle Beteiligten, die diese wichtige Ausstellung möglich gemacht haben. Danke Ihnen für Ihr Kommen und Ihr Interesse. Sagen Sie weiter, dass es diese Ausstellung gibt und dass es sich lohnt, vorbeizukommen. Und vor allem: Schauen Sie genau hin.
Weitere Informationen:
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Pressemitteilung vom 09.01.2007: Bewegende Portraits im Bundesumweltministerium
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Bilder von der Eröffnung
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Bilder der Ausstellung
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