Stand: 16.05.2006


  • Titel: Windenergie – Rückenwind für Innovationen

  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Astrid Klug
  • Anlass: Eröffnung der WindEnergy 2006
  • Datum/Ort: 16.05.2006, Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch von mir ein herzliches Willkommen in Hamburg. Ein herzliches Willkommen bei der WindEnergy 2006 und ein Dank an die Veranstalter und an alle Aussteller. Sie organisieren hier eine Zukunftsmesse. Angesichts weltweit knapper und teurer werdender fossiler Energieträger, angesichts der dramatischen Entwicklung beim Klimwandel stehen wir vor einem Zeitalter der Energieinnovationen in den Bereichen Energieeffizienz, Energieeinsparung und der Nutzung Erneuerbarer Energien. Windenergie ist dabei einer der Innovationsmotoren. Windenergie ist ein wichtiges Standbein einer modernen Energieversorgung der Zukunft. Das zeigt diese Messe auf beeindruckende Weise. Und wir in Deutschland haben mit dieser Zukunft bereits angefangen. Wir sind stolz auf unsere Windenergie-Branche. Und dass wir das zu Recht sind, auch das zeigt diese Messe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen vor einer Neuausrichtung der weltweiten Energiepolitik. Dabei müssen wir heute den Rahmen für die Investitionen der Zukunft schaffen: in der Forschung, bei der Technologieentwicklung, bei der Energieversorgung. Kraftwerke haben eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. Das heißt, wir stellen heute die Weichen dafür, wie wir 2050 Strom erzeugen. Deshalb müssen wir sauberen Kohle- und Gastechniken, alternativen Kraftstoffen, erneuerbaren Energien und umweltverträglicher Mobilität jetzt den Weg bahnen. Das schnelle Wirtschaftswachstum in Staaten wie China und Indien und der damit verbundene Ressourcenverbrauch stellen eine enorme Herausforderung dar, aber auch die Chance, energie- und ressourcenschonende Technologien schnell in Masse zu produzieren und in der Breite einzusetzen. Auch in Deutschland stehen wir vor der Modernisierung des Kraftwerkparks. Unter Berücksichtigung des Atomausstiegs müssen wir allein in Deutschland 40.000 MW Kraftwerksleistung in den nächsten 15 bis 20 Jahren ersetzen. Der Energiegipfel Anfang April hat den Startschuss für ein nationales Energiekonzept gegeben. Und neben der traditionellen Energie haben allein die Vertreter der Erneuerbaren Energien bis zu 40 Milliarden Euro Investitionen bis 2012 dafür angekündigt.

Das Bundesumweltministerium setzt auf eine Doppelstrategie. Wir setzen einen deutlichen Schwerpunkt in den Bereichen Energieeinsparung und Energieeffizienz und im weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Bei knapper werdenden Energiereserven entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit von Nationen und Unternehmen in Zukunft immer stärker daran, wer in der Lage ist, mit möglichst wenig Energieaufwand eine möglichst hohe Produktivität zu erzielen. Gleichzeitig wollen wir, dass Energie für den Privatverbraucher nicht zum Luxusgut wird, sondern dass sich jeder auch in Zukunft Energie leisten kann. Also müssen wir dafür sorgen, dass Energie – vor allem heimische Energie – auch in Zukunft zur Verfügung steht, dass sie bezahlbar bleibt und dass sie klimafreundlich ist.

Deshalb setzen wir auf Energieeffizienz und wir setzen weiter auf die Nutzung und den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir haben heute einen Anteil von über 10 Prozent der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung. Die Windenergie trägt über 40 Prozent dazu bei. Bis zum Jahr 2020 wollen wir mehr als 20 Prozent Anteil der EE am Strombedarf erreichen. Und 2050 soll die Hälfte des gesamten Energiebedarfs aus EE kommen.
Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben wir in Deutschland das weltweit effektivste und preisgünstigste Instrument zur Markteinführung für erneuerbare Energien geschaffen. Das EEG hat riesige Innovationspotenziale freigesetzt. Deutschland ist bei den Erneuerbaren Energien, insbesondere bei der Windenergie, Weltmarktführer. Nicht nur die in Deutschland dadurch entwickelten Technologien – insbesondere bei der Nutzung der Windenergie - haben sich zu einem Exportschlager entwickelt, auch das EEG selbst ist zu einem Exportschlager geworden. Über vierzig Länder haben es inzwischen kopiert. Und die Erneuerbaren Energien werden immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Über 170.000 Menschen arbeiten mittlerweile in dieser Branche.

Darauf sind wir stolz und diese positive Entwicklung wollen wir weiter ausbauen. Aufbauend auf dem Erfahrungsbericht zum EEG, der – wie im Koalitionsvertrag vorgesehen – in diesem Jahr zusammengetragen wird, werden wir im nächsten Jahr das EEG weiterentwickeln und damit den weiteren Ausbau auf hohem Niveau sicherstellen.

Auch international zeigt die Entwicklung der Windenergie, dass hier eine Technologie gewachsen ist, die in immer größerem Umfang fossile Energieträger ersetzt. Windenergie beschränkt sich nicht mehr nur auf einzelne Länder, sondern findet global immer mehr Anhänger und Anwender. Auch das zeigt die 3. WindEnergy-Messe hier in Hamburg. Mit 330 Ausstellern aus 26 Ländern hat die Messe sich einen hohen Stellenwert als internationaler Branchentreff erworben. Um die Entwicklung auf internationaler Ebene zu beschleunigen sind gerade der Erfahrungsaustausch und die Präsentation neuster Entwicklungen von zentraler Bedeutung. Mit dem messebegleitenden fachlichen Veranstaltungen und Fachforen trägt die WindEnergy in beeindruckender Weise zur notwendigen internationalen Vernetzung und dem inhaltlichen Austausch bei.

Aufgrund der enormen technologischen Entwicklung in den letzten 20 Jahren steht die Windenergie an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu Strom aus konventionellen Kraftwerken. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, hängt von der Ölpreisentwicklung, aber maßgeblich auch vom weiteren technischen Fortschritt im Bereich der Anlagentechnik und der gesamten Infrastruktur zusammen. Deutschland hat mit stabilen politischen Rahmenbedingungen sowie einem generell starken Maschinen- und Anlagenindustriezweig eine Vorreiterrolle im Bereich der Windenergienutzung weltweit übernommen. Besonders deutlich wird das an der hohen Exportquote deutscher Hersteller, die bei über 60 Prozent liegt.

Deutschland selbst liegt mit über 17.500 Windenergieanlagen und über 18.000 MW gemessen an der installierten Windenergieleistung weltweit auf Platz eins. Aber auch bei uns geht die Entwicklung weiter. Neben der weiteren Verbesserung der Netzintegration und des beschleunigten Netzausbaus stehen für uns die Verbesserung der Bedingungen im Bereich Repowering sowie die Nutzung der Windenergie auf See im Fokus.

Im Bereich des beschleunigten Netzausbaus hat die Bundesregierung im Kabinett einen Gesetzesvorschlag zur Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen verabschiedet, der erstmals auch die Besonderheiten des Stromnetzausbaus berücksichtigt. Aufgrund der langen Genehmigungsverfahren bei notwendigen Netzausbaumaßnahmen kommt es bereits heute zu Verzögerungen beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Das können wir uns nicht leisten. Moderne Energieversorgung braucht auch moderne Infrastruktur.

Aber auch im vorhandenen Netz ergeben sich Optimierungsmöglichkeiten für die Netzintegration der Windenergie, u.a. auch durch den Einsatz von innovativen Technologien, wie z.B. dem Temperaturleitermonitoring, dem Einsatz von Speichertechnologien, der weiteren Verbesserung von Windprognosen sowie einem effizienten Lastmanagement. Für den Bereich des Erzeugungsmanagements, das u.a. auch zu einer Verzögerung beim Ausbau der Windenergie führt, hat das Bundesumweltministerium ein Beratungsvorhaben in Auftrag gegeben, das in Kürze abgeschlossen ist. Das BMU wird gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium Gespräche mit allen relevanten Akteuren führen, um möglichst noch im laufenden Jahr eine betriebs- und volkswirtschaftlich optimierte Regelung zu finden.

Neben dem weiter notwendigen Ausbau der Windenergie an Land liegt ein erhebliches Potenzial für die zukünftige Windenergienutzung auf hoher See. Es ist ein Erfolg, dass in Deutschland bereits Genehmigungen auf hoher See erteilt wurden, die zusammen eine Leistung von mehr als 3.300 Megawatt Leistung umfassen. Allerdings ist es zwingend notwendig, dass wir nun auch praktische Erfahrungen sammeln. Die technischen Probleme bei der Realisierung der ersten internationalen Projekte haben gezeigt, dass noch nicht alle Unwägbarkeiten ausreichend abgeschätzt werden können.

Aus diesem Grund hat das Bundesumweltministerium vor ziemlich genau einem Jahr seine Vorstellungen zur Realisierung eines Offshore-Testfeldes vorgestellt. Die Zweifel waren zum Teil erheblich. Die dann im Sommer 2005 gegründete Offshore-Stiftung der deutschen Wirtschaft hat mit Unterstützung des BMU die Rechte an einem bereits genehmigten Offshore-Windpark vor der Insel Borkum mit dem Ziel der Errichtung eines Testfeldes erworben. Auf dem Energiegipfel Anfang April wurde bekanntgegeben, dass die Offshore-Stiftung gemeinsam mit den Energieversorgungsunternehmen E.ON, EWE und Vattenfall im Sommer 2008 das Testfeld mit einem Investitionsvolumen von ca. 170 Mio. € bauen und in Betrieb nehmen wird. Das Offshore-Testfeld wird die Initialzündung für die gesamte deutsche Windenergienutzung auf See sein. Morgen wird die Offshore-Stiftung hier auf der Messe ihre Kuratoriumssitzung haben und ihren wissenschaftlichen Beirat konstituieren.

An Land, wo die windstarken Flächen bei uns knapper werden, liegt das Ausbaupotenzial vor allem im Repowering, also im Austausch bestehender alter Windenergieanlagen durch leistungsstärkere neue Anlagen. In Deutschland rechnen wir mit einem Anstieg der installierten Onshore-Windenergieleistung von 18.400 MW in 2005 auf ca. 25.000 MW in 2020. Dafür brauchen wir gute genehmigungsrechtliche Bedingungen der Länder, auch und vor allem für die modernste Anlagentechnik der Multimegawattklasse. Und wir brauchen Anlagenhersteller und Projektierer, die auch auf vorhandene Vorbehalte der Bevölkerung gegen Windenergieanlagen eingehen, innovative Lösungswege suchen und die Anwohner mitnehmen. Wir helfen dabei. Das BMU bereitet gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium zum Beispiel eine Änderung der Befeuerungsrichtlinien von Windenergieanlagen vor. Mit der Änderung der Richtlinien wollen wir die Akzeptanz der Windenergieanlagen verbessern.

Für den Bereich des Repowerings wird die Bundesregierung entsprechend des Koaltionsvertrages die Rahmenbedingungen verbessern. Hierzu identifiziert das BMU derzeit die wesentlichen Hemmnisse und wird einen Regelungsvorschlag zur Diskussion vorlegen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen vor einer grundsätzlichen Weichenstellung in der Energiepolitik. Die Konflikte, Abhängigkeiten und ökologischen Krisen werden zunehmen, wenn sich der heutige Kurs der extensiven Energienutzung fossiler Ressourcen weltweit fortsetzt. Die verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien und insbesondere der Windenergie bieten die Chance, hier aktiv gegenzusteuern und der Zukunft Rückenwind zu geben – für mehr weltweiten Klimaschutz, für eine sichere Energieversorgung für uns, unsere Kinder und für deren Kinder und auch für mehr Beschäftigung in Deutschland. Diese Messe steht für die Innovationen und die Investitionen, die wir dafür brauchen. Ich wünsche allen Ausstellern den größtmöglichen Erfolg.

Und erkläre hiermit die WindEnergy 2006 für eröffnet.

Weitere Informationen: Pressemitteilung vom 16.05.2006: Astrid Klug: Bedeutung der Windenergie spiegelt sich in wachsenden Exportzahlen wider