• Titel: Dachbegrünung / Fotovoltaik

  • Untertitel: Clean Energy Power 2004
  • Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Margareta Wolf
  • Anlass: Eröffnungsansprache zur Fachtagung "Dachbegrünung und Solartechnik" im Rahmen der Grünen Woche
  • Datum/Ort: 22.01.2004, Berlin



Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Gege, Geschäftsführender Vorstand B.A.U.M.; Herr Oldeland, Mitglied der Geschäftführung B.A.U.M.; Herr Seeger, Vorstand DDV; Herr Schenk, Schriftführung DDV, meine Damen und Herren,


zunächst einmal vielen Dank für die Einladung, die Eröffnungsansprache auf Ihrer Fachtagung "Dachbegrünung und Solartechnik" im Rahmen der Grünen Woche hier in Berlin zu halten, der ich gerne gefolgt bin.

Die Vielzahl an Flachdächern in Deutschland wie bspw. Produktions- oder Lagerhallen, aber auch Tiefgaragendecken, stellt ein riesiges Potenzial dar, das auf vielfältige Weise für Gründächer auch in Kombination mit Solaranlagen genutzt werden kann.

Die Bundesregierung hat sich das ehrgeizige Ziel für einen deutlichen Ausbau des Anteils der Erneuerbaren Energien gesetzt:
  • Bis 2010 soll sich der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 12,5 % verdoppeln,
  • bis 2020 soll ihr Anteil am Stromverbrauch 20 % betragen.
  • Weltweit soll der Anteil der Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 50 % an der gesamten Energieversorgung betragen.
In Deutschland werden heute über 8 % des elektrischen Stroms aus erneuerbaren Energien hergestellt. Die Nutzung der Erneuerbaren Energien - Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Geothermie - erfolgt mit einer vielversprechenden Ausbaudynamik.

Die Solartechnik / Fotovoltaik hat mit einer installierten Leistung von rund 400 Megawatt peak (MWp) zwar noch einen sehr geringen Beitrag zur bundesdeutschen Stromversorgung. Sie hat aber von allen erneuerbaren Energien mit die weltweit größten Ausbaupotenziale.

Die Bundesregierung will den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland und global auch in Zukunft unterstützen. Um die Entwicklung der Erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben, hat die Bundesregierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen geschnürt.

Der bisherige Aufschwung basiert auf einer Mischung aus:
  • klarer Rahmensetzung (Ökologische Steuerreform, Atomausstiegsgesetz, Erneuerbare-Energien-Gesetz),
  • gezielten Förderprogrammen (u. a. 100.000-Dächer-Solarstromprogramm, Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien) sowie
  • Förderung von zielgerichteter Forschung und Entwicklungsarbeit zur Weiterentwicklung, Kostensenkung und Effizienzsteigerung von Technologien der Erneuerbaren Energien.
Jetzt gilt es, diese Maßnahmen zu justieren. Denn um die anspruchsvollen Ziele erreichen zu können, müssen Politik aber auch die Wirtschaft und viele einzelne Investoren weiterhin erhebliche Anstrengungen unternehmen. Die Weichen für eine nachhaltige Energiezukunft werden daher in den kommenden Jahren gestellt.

Die Kombination von 100.000-Dächer-Solarstromprogramm und EEG war ein großer Erfolg: Sie hat das Marktvolumen der Fotovoltaik von 1997 bis 2002 verzehnfacht.

D Die Installationsrate gegenüber dem Vorjahr ist noch einmal um 50 % angewachsen. Diese enorme Steigerung basiert vor allem auf dem Antragsboom, den das 100.000-Dächer-Solarstromprogramm im letzten Jahr erlebt hat.

Das 100.000-Dächer-Programm hat damit seine Funktion erfüllt und ist ausgelaufen. In der zweiten Ausbaustufe muss die Förderung der Fotovoltaik andere, kostengünstigere Instrumente nutzen.

Die KfW führt ihr Umweltprogramm für gewerbliche Unternehmen und ihr CO2-Minderungsprogramm für Privathaushalte mit weiterhin attraktiven Zinssätzen weiter und macht Klimaschutz auch für Menschen mit geringerem Einkommen möglich. Beide Programme leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Fotovoltaik.

Wichtigstes Instrument zur Förderung der Fotovoltaik wird jetzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Es beansprucht keinerlei Subventionen und kostet auch den Durchschnittshaushalt nur etwa 1 € im Monat. Zum 1. Januar 2004 treten die verbesserten Bedingungen für die Vergütung von Sonnenstrom in Kraft. Mit dem sogenannten "Photovoltaik-Vorschaltgesetz" wird ein Schritt zur Runderneuerung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorgezogen.

Bei der Kostensenkung haben wir bereits erhebliche Erfolge erreicht: 1990 kostete eine Solaranlage für ein Einfamilienhaus (3 kW) noch 38.000 €. Heute nur noch 20.000 €.

Dieses Engagement für erneuerbare Energien ist keine kostspielige Benefizveranstaltung für den globalen Klimaschutz, sondern es nutzt uns auch selbst und unmittelbar:
  • Wir schaffen heute Arbeitsplätze.
  • Wir sichern uns durch die Vorreiterrolle Wettbewerbsvorteile für die Märkte von morgen.
Welche Gründe sprechen für eine Dachbegrünung?

Gründächer sind bedeutsam für Natur- und Landschaft, Boden, Wasserwirtschaft, Energie und Umwelt sowie das Gebäude selbst und seine Besitzer bzw. seine Betreiber.
Es sprechen also nicht nur ökologische, sondern auch städtebauliche, bautechnische sowie handfeste wirtschaftliche Vorteile für eine Dachbegrünung sowohl für den Eigentümer (z. B. kein weiterer Sanierungsbedarf mehr, Energieeinsparung, etc.) als auch für die örtliche Kommune (z. B. weniger Regenrückhaltebecken nötig).

Gründächer sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Durch Dachbegrünungen können die im Zuge von Baumaßnahmen verlorengegangenen Grünflächen wenigstens zum Teil kompensiert werden. Vor allem artenreiche Extensivbegrünungen bieten Möglichkeiten des Ausgleichs.

Dachbegrünungen stellen nutzbare Freifläche dar. Vielerlei Nutzungen lassen sich auf Dächern verwirklichen, die von der reinen "Naturschutzfläche" über erholsame Gärten bis hin zum Dach-Café oder Spiel- und Sportflächen reichen. Und dies, ohne dass teurer und knapper Baugrund in Anspruch genommen werden muss.

Ein hoher Wasserrückhalt ist ein weiteres Argument für die Anlage von Gründächern. Je nach Bauart können 50-90 % der Niederschläge zurückgehalten werden. Ein großer Anteil des zurückgehaltenen Wassers verdunstet, der Rest fließt zeitverzögert ab. So können Rohrleitungen, Kanäle, Überlaufbecken, etc. kleiner dimensioniert, Entwässerungsgebühren evtl. gesenkt werden.

Dachbegrünungen ermöglichen einen erhöhten Schallschutz. Sie mindern die Schall-Reflexion um bis zu 3 dB und verbessern die Schalldämmung eines Daches um bis zu 8 dB.
Insbesondere bei Bauwerken, die z. B. in Einflugschneisen liegen oder die sehr starke Lärmquellen beinhalten, kommen diese Vorteile zum Tragen.

Gründächer bewirken aber auch eine zusätzliche Wärmedämmung. Im Sommer wie auch im Winter verbessern sie den Wärmeschutz. Mittlerweile kann die Wärmedämmung aufgrund bauaufsichtlicher Zulassungen bestimmter Begrünungssysteme sogar ganz offiziell angerechnet werden.

Gründächer verlängern darüber hinaus die Dachlebensdauer; denn unter der Dachbegrünung liegt die Abdichtung wirksam geschützt vor UV-Strahlung, Hagelschlag, Hitze und Kälte. Es werden temperaturbedingte Spannungen abgebaut, und die Lebensdauer der Dachabdichtung wesentlich erhöht.

Dachbegrünungen binden Staub und Schadstoffe. Die große Blattoberfläche sowie die Abbremsung des Luftstromes filtern 10-20 % Staub aus der Luft heraus. Aber auch Nitrate oder andere in Luft und Niederschlägen enthaltenen Stoffe werden festgehalten und verwertet.

Natürlich tragen Dachbegrünungen aber auch zur Klimaverbesserung bei. Gründächer führen zu einer Abkühlung und befeuchten zudem die Luft. Vor allem wirkt sich dies auf angrenzende Wohn- oder Büroräume aus. Dachbegrünungen leisten aber auch einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Kleinklimas in städtischen Ballungsräumen.

In diesem Sinne wünsche ich der Fachtagung "Dachbegrünung und Solartechnik" einen erfolgreichen Verlauf.

Vielen Dank