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Archiv 14. Legislaturperiode
Bundesumweltminister Jürgen Trittin
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Titel: Die Bedeutung der Windenergie für den Klimaschutz
- Untertitel: Die 10.000 Megawatt-Marke ist erreicht!
- Redner/in: Bundesumweltminister Jürgen Trittin
- Anlass: Einweihung einer WKA
- Datum/Ort: 6. August 2002, Windpark Bimolten/Nordhorn
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Frau Witte,
Sehr geehrter Herr Hüsemann,
Sehr geehrter Herr Ahmels,
wir treffen uns heute hier in Bimolten, um einen Erfolg zu feiern: Nachdem wir schon im vergangenen Jahr das Zwischenziel 10.000 Windkraftanlagen erreicht hatten, haben wir nun auch 10.000 Megawatt installierte Leistung.
Wer hätte vor 20 Jahren mit einem solchen Erfolg gerechnet? Vor 20 Jahren, als der Growian mit seinen 3 Megawatt nach nur 480 Betriebsstunden zur Fehlentwicklung erklärt wurde. Dass wir den Growian technisch längst überholt haben, dass wir heute Weltmeister bei der Windenergie sind, verdanken wir zunächst kleinen Unternehmen aus der Ökoszene. Sie haben an der Idee festgehalten und kleine Windturbinen Schritt für Schritt fortentwickelt. Obwohl diese Unternehmen innerhalb der Energiepolitik von CDU und FDP eher auf feindlichem Boden operierten. Die Bundestagswahl 1998 ermöglichte dann den Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die Deutschland weltweit auf Platz 1 bei der Installation von Windkraftanlagen gebracht hat.
50% der in der EU errichteten Anlagen stehen in Deutschland. Das ist ein Drittel der weltweit installierten Windkraftanlagen. Wir haben nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, bei der technischen Weiterentwicklung große Fortschritte gemacht. In diesem Sommer soll in Deutschland eine Pilotanlage mit 4,5 Megawatt errichtet werden.
Mit hilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und flankierenden Maßnahmen haben Regierung, Unternehmer und Verbraucher gemeinsam den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 5,2% im Jahr 1998 auf mittlerweile rund 8% gesteigert. Wir haben die installierte Windenergieleistung nahezu vervierfacht: von 2.860 MW im Jahr 1998 auf jetzt 10.000 MW. Wir haben den Anteil der Windenergieam Stromverbrauch von 1 % in 1998 auf 3,5 % gesteigert.
Inzwischen hat die EU-Kommission bestätigt, dass das EEG keine Beihilfe darstellt. Das bedeutet Rechtssicherheit und Zukunftsperspektiven für Anlagenbauer und -betreiber. Wir können das EEG fortführen und - zur stärkeren Förderung der Offshore-Windparks - weiterentwickeln. Das ist unverzichtbar, denn die Windkraft wird auch in den nächsten Jahrzehnten den größten Teil der erneuerbaren Energien erbringen müssen. Dafür brauchen wir die Offshore-Windparks.
Die Windenergie ist in Deutschland der Pionier beim Ausbau der erneuerbaren Energien und trägt damit viel dazu bei, dass Deutschland beim internationalen Klimaschutz eine Vorreiterrollespielen kann. 35 Millionen Tonnen Treibhausgase wurden durch den Einstieg in erneuerbare Energien vermieden. Damit tragen sie fast 23% zur bereits erreichten CO2-Vermeidung von rund 150 Tonnen bei.
Der rasche Zuwachs macht uns glaubwürdig, wenn wir global für erneuerbare Energien werben. Ich werde mich Ende des Monats in Johannesburg für konkrete Zeitpläne für den Einstieg in erneuerbare Energien einsetzen. Dies nur zu predigen, würde nichts nutzen.
- Dass ich aber darauf verweisen kann, dass man mit den richtigen Anreizen in relativ kurzer Zeit einen Boom erzeugen kann, das zieht andere Staaten mit.
- Auch dass ich darauf verweisen kann, dass erneuerbare Energien neue Arbeitsplätze schaffen, ist ein überzeugendes Argument: 130.000 Menschen in den alten und den neuen Bundesländern haben heute ihr Einkommen im Bereich erneuerbarer Energien. Allein in der Windenergie sind es 35.000. In Sachsen-Anhalt ist Enercon heute der größte private Arbeitgeber.
Sonne, Biomasse und Geothermie kommen hinzu. Auf absehbare Zeit bleibt aber die Windenergie tragende Kraft für die Wende in der Stromversorgung und damit für Klimaschutz.
- Die höchste Wachstumrate bei den regenerativen Energien hat heute die Photovoltaik. Mit knapp 200 MW ist Deutschland hier europaweit führend.
- Auch die Biomasseverstromung boomt. Inzwischen haben wir 300 bis 350 Megawatt installierte Leistung erreicht.
- Das Bundesumweltministerium fördert außerdem acht Projekte im Bereich Geothermie, deren Leistung von rund 1 Megawatt bis 12 Megawatt variiert.
Gerade diese beiden Argumente - Arbeitsplätze und Klimaschutz - machen die Einwände von Kritikern und Blockierern haltlos. Die Unwetterschäden dieses Sommers, die langfristigen Klima- und Umweltschäden, die externen Kosten der fossilen Energien erleben Sie genauso wie ich mit großer Sorge. Volkswirtschaftlich gesehen ersparen wir uns Kosten in einer Höhe vonbis zu 2,5 Milliarden Euro, wenn wir Klimaschäden verringern helfen, indem wir erneuerbare Energien ausbauen.
Schäden vorzubeugen ist Politik für die Bürger, und sie gelingt mit den Bürgern. Der Windpark Bimolten geht hier mit gutem Beispiel voran: Der Windpark wurde als Bürgerwindpark konzipiert und alle Beteiligten - Planer, Bürger und Landeigentümer - werden an den Erträgen beteiligt. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Sie werden hierrund 46 Mio. Kilowattstunden jährlich ernten, das ist Strom für gut 15.000 Haushalte.
Dieser Windpark trägt dazu bei, dass unsere Energieversorgung nachhaltiger wird und dass wir nicht Energieressourcen verbrauchen zulasten der nächsten Generationen. Dieser Windpark hiervermittelt den Jugendlichen in der Umgebung die Erfahrung, dass ihre Elterngeneration nicht auf Kosten der Kinder leben will.
Jeder Windpark gibt mehr Sicherheit für die Zukunft unserer Kinder. Ich wünsche uns allen eine allzeit steife Brise.
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