• Titel: Solarthermische Stromerzeugung

  • Untertitel: BMU-Strategie zum Ausbau der erneuerbaren Energien
  • Redner/in: Bundesumweltminister Jürgen Trittin
  • Anlass: Statusseminar des BMU/KfW
  • Datum/Ort: 14.03.2002, Berlin Gebäude der KfW

Anrede

ich begrüße Sie herzlich zu diesem Statusseminar. Es geht um die solarthermische Stromerzeugung, die derzeit einen deutlichen Aufschwung erfährt - und das nicht nur national.

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Zukunftsinvestitionsprogramms den Forschungsschwerpunkt solarthermische Kraftwerke neu eingerichtet. Für die Jahre 2001 bis 2003 stehen insgesamt ca. 10 Mio. für Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet zur Verfügung. Der Forschungsschwerpunkt wird von meinem Ministerium betreut.

Die eingereichten Projektvorschläge waren von ausgesprochen hoher Qualität, was die Auswahl von nun sechs Vorhaben nicht einfach gemacht hat. Mein Glückwunsch geht daher an die Forschungsnehmer und Referenten, die ihr Projekt platzieren konnten. Ich möchte mich auch bei den Mitarbeitern der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die den gesamten Forschungsschwerpunkt in enger Zusammenarbeit mit dem BMU und mit hohem Engagement begleitet haben, bedanken.
Im Verlauf dieses Seminars werden wir Details zu den Projekten und den einzelnen Forschungsinhalten erfahren. An dieser Stelle möchte ich Ihnen zunächst die Schwerpunktbereiche nennen.

Da ist zunächst die Parabolrinnentechnologie, bei der das Sonnenlicht zum Erzeugen von Dampf mit Hilfe parabolisch gekrümmter Spiegel auf ein Absorberrohr fokussiert und dann in einem Dampfkraftprozess verstromt wird. Parabolrinnenkraftwerke sind seit über 15 Jahren in Kalifornien kommerziell und erfolgreich im Einsatz. Sie bieten derzeit die kostengünstigste Möglichkeit, Strom aus Sonnenenergie zu erzeugen. Innerhalb der nächsten Jahre können Stromgestehungskosten für den reinen Solarbetrieb von ca. 9 bis 12 Cent/kWh erzielt werden. Dabei ist das Potenzial zur Kostenreduktion und zur Verbesserung der Technik noch lange nicht ausgeschöpft. Im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms sollen Weiterentwicklungen gerade unter diesen Gesichtspunkten erfolgen. Zudem sollen auch Energiespeicher weiterentwickelt werden, die eine Stromproduktion zu Abend- und Nachtstunden ermöglichen. Gegenstand dieses Projektes ist auch die Montage einer ersten Spiegelreihe des sog. "EuroTrough" in Kalifornien und der anschließende Betrieb unter realen Bedingungen einschließlich der Stromproduktion.

Gefördert werden weiterhin Forschungen an Solarturmkraftwerken. Bei dieser Technik wird das Sonnenlicht mit Hilfe einzeln nachgeführter Planspiegel auf einen Turm fokussiert. Forschungsanstrengungen sind insbesondere bei der Konstruktion des dort montierten Absorbers erforderlich. Die hohen Temperaturen bieten Möglichkeiten einer besonders effizienten Energieausnutzung, z. B. in Verbindung mit GuD-Anlagen. Solarturmkraftwerke haben bisher jedoch noch nicht den Entwicklungsstand der Parabolrinnentechnik erreicht. Die Forschungen im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms sind ein wichtiger Schritt zur Realisierung eines Demonstrationskraftwerkes.

Schließlich werden auch Vorhaben zu sog. Solar Dish Systemen gefördert. Solar Dish Systeme sind Parabolspiegel - Stirlingmotor Einheiten, die - in Kombination mit einem Speichersystem - weitgehend unabhängig von der Sonneneinstrahlung Strom produzieren können. Die Leistung dieser Aggregate liegt zwischen der von kleinen Photovoltaikanlagen und großen solarthermischen Kraftwerken. Für Anwendungen denke ich besonders an entwicklungspolitisch wichtige Aufgaben, wie z. B. die Stromversorgung einzelner Dörfer. Diese können derzeit - wenn überhaupt - nur durch wenig umwelt- und klimafreundliche Dieselgeneratoren versorgt werden.

Deutsche Forschungsinstitute und Firmen sind auf den genannten Gebieten bereits heute führend. Es gilt, die erreichten Positionen auszubauen und wettbewerbsfähige Techniken bereitzustellen. Wettbewerbsfähig sowohl im Hinblick auf konventionell erzeugten Strom, wobei natürlich die externen Kosten berücksichtigt werden müssen, als auch im Hinblick auf die Konkurrenz auf dem internationalen Markt.

Damit bin ich bei der globalen Dimension. Ich freue mich, dass gerade jetzt viele Länder ihr Interesse an solarthermischen Kraftwerken bekunden. Spanien - wo Deutschland in Almeria eine Forschungsplattform zu solarthermischen Kraftwerken betreibt - baut mit Hilfe seines Stromeinspeisegesetzes erfolgreich die Windenergienutzung aus und wird in Kürze auch Strom aus solarthermischen Kraftwerken besonders vergüten. Ausschreibungen für solarthermische Kraftwerke in Indien und Italien sind in Vorbereitung und in weiteren Ländern wie Marokko, Ägypten, Zypern, Mexiko, Südafrika, Saudi Arabien und Jordanien sind Planungen angelaufen. Darüber hinaus haben der kalifornische Kongress und Senat ihr solarthermisches Engagement bekräftigt und kürzlich ca. 15 Mio. US Dollar zur Unterstützung solarthermischer Kraftwerke für das Jahr 2002 bewilligt.

Für viele Länder wird von besonderem Interesse sein, dass aus der Abwärme solarthermischer Kraftwerke Meerwasserentsalzungsanlagen zur Trinkwassergewinnung betrieben werden können. Dadurch wird die Sonnenenergie besonders effizient genutzt. Zudem ist diese Anwendung gerade vor dem Hintergrund einer global wachsenden Trinkwasserproblematik, insbesondere in den sonnenreichen Ländern, zu sehen.

Die genannten Länder liegen alle im sog. Sonnengürtel der Erde. Nur dort lassen sich solarthermische Kraftwerke bei einer Sonnenscheindauer von über 2.000 Stunden/Jahr auch ökonomisch sinnvoll betreiben. Die Auslastung entspricht in diesen Ländern - selbst ohne Speichersystem - der Auslastung von Windkraftanlagen hierzulande. Zudem verfügen gerade die sonnenreichen Länder der Erde über riesige ungenutzte Flächen und Wüstenflächen. Selbst bei einem zukünftig größeren Ausbau dieser Technik wird daher kein Flächenproblem entstehen. Im Vergleich zu einem Wasserkraftwerk benötigt ein solarthermisches Kraftwerk vergleichbarer Leistung nur einen Bruchteil der Fläche, die z. B. durch den Assuan Staudamm in Ägypten überschwemmt wird. Rein rechnerisch könnte allein aus den Wüstenregionen Nordafrikas der Energiebedarf der gesamten Erde gedeckt werden.

Über die Entwicklung des zukünftigen globalen Energiebedarfes wurden und werden laufend Szenarien veröffentlicht. Unbestritten wird der globale Energiebedarf trotz aller Anstrengungen um Energieeinsparungen und Effizienzverbesserungen weiter steigen. Grund ist zum einen eine wachsende Bevölkerung, zum anderen ein steigender pro Kopf Energieverbrauch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Szenariorechnungen zeigen, dass selbst unter diesen Randbedingungen bis zum Jahre 2050 die Hälfte der globalen Energieversorgung auf regenerativer Basis erfolgen kann. Ich halte eine Realisierung dieser Szenarien nicht für eine Utopie. Bereits heute werden ca. 19 % des globalen Strombedarfes aus Wasserkraft gewonnen. Dies ist mehr als der Beitrag der gesamten Kernenergie mit 17 %. Wer hätte es vor 20 Jahren in Deutschland für möglich gehalten, welche Ausbaudynamik durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das 100.000 Dächer-Solarstrom-Programm und die Biomasse-Verordnung für erneuerbare Energien in Gang gesetzt werden konnte? Wir können jedes Jahr fast zweistellige Zuwachsraten verzeichnen und nebenbei ausgesprochen positive Wirkungen auf den Arbeitsmark. Bereits 100.000 Menschen arbeiten inzwischen in Deutschland in der Jobmaschine Erneuerbare Energien. Warum sollte nicht global eine ähnliche Ausbaudynamik für Solarstrom in Gang gesetzt werden können?

Einer volkswirtschaftlichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung halten die erneuerbaren Energien locker stand: Denken Sie nur an die externen Kosten der derzeitigen Elektrizitätserzeugung, die von der Europäischen Kommission mit 4 Cent/kWh angegeben werden. Je nach Rechenmethode und Primärenergieträger werden sie mit einem Mehrfachen der genannten 4 Cent/kWh angegeben.

Für den Ausbau der solarthermischen Kraftwerke sind die Verhandlungsergebnisse der Klimakonferenzen in Bonn und in Marrakesh von besonderer Bedeutung. Dort wurde lange um internationale Regelungen zu den sog. flexiblen Mechanismen im Rahmen des Kyoto-Protokolls gerungen. Mit diesen Instrumenten können insbesondere klimaschützende Techniken im Bereich der Solarstromerzeugung umgesetzt werden.

Lassen Sie mich zum Schluss kommen: Das BMU wird gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Global Environment Facility am 19. und 20. Juni 2002 ein internationales Symposium zu Einsatzmöglichkeiten solarthermischer Kraftwerke hier in Berlin veranstalten. Dabei soll insbesondere mit Vertretern aus Entwicklungsländern über Einsatzmöglichkeiten solarthermischer Kraftwerke diskutiert werden. Nach meiner Überzeugung wird diese Technik sowohl für den Klimaschutz als auch für die mittel- und langfristige globale Energieversorgung eine immer größere Rolle spielen. In diesem Sinne stellen wir jetzt die Weichen. Ein Schritt ist das zunächst bis zum Jahr 2003 befristete Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung. Die Fraktionsspitzen der Koalitionsfraktionen haben sich aber trotz der sehr angespannten Haushaltslage bereits dafür ausgesprochen, das Zukunftsinvestitionsprogramm bis zum Jahr 2006 zu verlängern. Ich unterstütze dies ausdrücklich und setze mich dafür ein, dass die bisherigen Forschungen des BMU in den Bereichen geothermische Stromerzeugung, ökologische Begleitforschung zu erneuerbaren Energien und insbesondere der solarthermischen Stromerzeugung weiter fortgesetzt werden können.

Letztlich entscheidend für die Zukunft der solarthermischen Kraftwerke wird aber Ihre Arbeit sein - d. h. wie schnell Fortschritte erzielt und Erfolge transportiert werden können. Bei der hohen Motivation und dem hohen Engagement aller Beteiligten bin ich sehr zuversichtlich. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen viel Erfolg.