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Archiv 14. Legislaturperiode
Bundesumweltminister Jürgen Trittin
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Titel: Die Zukunft gehört Effizienz und Erneuerbaren
- Untertitel: Klimaschutz und Standort Deutschland
- Redner/in: Bundesumweltminister Jürgen Trittin
- Anlass: Konferenz "Energien für morgen - vom Öl zum solaren Wasserstoff"
- Datum/Ort: 02.03.2002, Rathaus Schöneberg, Berlin
Anrede
Mein Glückwunsch heute an die belgischen Grünen. Sie haben gestern im dortigen Kabinett ein Gesetz durchgesetzt, wonach die Laufzeit der belgischen Atomkraftwerke auf 40 Jahre begrenzt wird. Im Jahre 2025 soll dort das letzte AKW vom Netz gehen.
Die in der Bundesrepublik seit 1998 eingeleitete Energiewende scheint ansteckend zu sein - nicht nur das Erneuerbare Energien Gesetz, auch uns unser Ausstieggesetz wird zu einem Exportschlager.
Die Weichen sind gestellt.
Die rot-grüne Bundesregierung hat in den letzten drei Jahren die Weichen für eine grundlegend neue Energieversorgung gestellt. Wir haben es geschafft die Produktion von Strom aus Windkraft zu verdreifachen. Heute wird ein Drittel des Windstromes der Welt hier produziert. Wir haben es geschafft, allein im letzten Jahr die Fläche an Sonnenkollektoren zu verdreifachen auf 1 Mio. m².
Ob Atomausstiegsgesetz, Erneuerbares Energiegesetz, ob Steuerfreiheit für hocheffiziente Gaskraftwerke oder die Energiesparverordnung - wir haben es geschafft, Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch zu entkoppeln und die CO2-Emissionen zu senken.
Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Und das liegt nicht nur daran, dass allein diese weitestgehend CO2-neutral sind. Die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas und auch Uran sind schlicht endlich - und werden schon bald wesentlich knapper und damit auch teurer werden als heute. In 60-70 Jahren werden die bekannten Erdöl- und Erdgasreserven erschöpft sein.
Ich möchte heute ein Szenario entwerfen, wie eine zukunftsfähige Energieversorgung aussehen kann - eine Versorgung, die das Klima und die Ressourcen schont und von daher überwiegend dezentral organisiert ist und natürlich ohne Atomstrom auskommt. Eine Energieversorgung, die vielfach effizienter ist - und aus all diesen Gründen auf einen stetig wachsenden Sockel Erneuerbarer Energien setzt. Ein Anteil von 50% im Jahre 2050 ist keine Utopie und auch die vollständig regenerative Energieversorgung ist jedenfalls langfristig vorstellbar.
Wo stehen wir heute?
- Etwa 13% des Primärenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf die Atomkraft. Die übrigen fossilen Energieträger machen rund 85 % aus. Die Erneuerbaren haben bislang nur einen Anteil von gut 2% am gesamten Energieverbrauch. Global sieht die Energienutzung ähnlich aus: 80% fossile Energieträger, rund 6% nukleare, der Anteil der Erneuerbaren - weitgehend große Wasserkraft - ist mit 14% allerdings deutlich höher als in Deutschland. Nach den Prognosen der Internationalen Energie-Agentur wird sich der weltweite Energieverbrauch zwischen 1997 und 2020 um 57 % erhöhen - bei einem Anteil von 80% fossiler Energieträger ist dieses Szenario eine Katastrophe für Klima, Mensch und Umwelt.
- Die Stromerzeugung basiert global je zu einem Sechstel auf Wasserkraft (19%) und Kernenergie (18%) sowie zu etwa zwei Dritteln auf der Verbrennung sonstiger fossiler Energieträger. In Deutschland werden noch gut 60% des Stroms fossil hergestellt, darunter etwa ein Drittel Atomkraft - gut 7% durch Erneuerbare Energien.
- Dabei ist die Energiewirtschaft überwiegend zentral aufgebaut: große Kraftwerke mit teilweise deutlich über 1.000 MW elektrische Nennleistung dominieren den Markt.
- Kernkraftwerke decken einen großen Teil der Grundlast ab. Sie können nicht kurzfristig heruntergefahren werden, um der sinkenden Nachfrage in der Nacht zu entsprechen. Das ständige Angebot von Strom erhöht dabei automatisch die Nachfrage: entsprechend ist der Stromverbrauch in Frankreich aufgrund des hohen Anteils von Atomstrom pro Person um rund 30% höher als in Deutschland.
- Weiterhin wird traditionell die Kohle zur Grundlastdeckung verwendet. Auch sie ist relativ schwerfällig. Gas dagegen kann flexibel sowohl zur Grund- als auch zur Spitzenlast eingesetzt werden.
- Aber auch bei den Erneuerbaren gibt es mit Biomasse, Wasser und Geothermie Energieträger, die grund- und teilweise auch spitzenlastfähig sind; Wind und Sonne stehen natürlich nicht an jedem Ort und nicht immer gleichmäßig zur Verfügung. Wenn sie aber stärker verteilt und gut vernetzt sind und zudem eine intelligente Netzsteuerung existiert, dann ist diese Witterungsabhängigkeit zu bewältigen.
Szenarien für die nächsten Jahrzehnte
Stromerzeugung
Mit dem Atomausstieg wird es im Jahr 2020 nur noch einen prozentual zu vernachlässigenden Anteil von Atomstrom in Deutschland geben.
Und wir werden unser Klimaschutzprogramm erfolgreich fortführen und damit alle Unkenrufe widerlegen, dass Atomausstieg und Klimaschutz nicht zusammenpassen. Wir werden dazu nicht nur den begonnenen Boom erneuerbarer Energien verstetigen müssen. Wir werden ein vielfaches an Energie-Effizienz erreichen müssen und alle überflüssige Energienutzung beenden.
Lassen Sie mich eine Perspektive für das Jahr 2020 entwerfen, die all diejenigen als Zweckpessimisten dastehen lässt, die einen Ausstieg aus der Atomenergie nur mit Öl oder Kohle meinen substituieren zu können.
Durch weiterhin garantierte Einspeisevergütungen mit einem weiter verbesserten EEG wird sich der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung - konservativ geschätzt - sicher auf 20 oder mehr Prozent steigern lassen. Während die Kernenergie mit etwa 3% dann schon fast zu vernachlässigen sein wird, wird der Rest noch durch fossile Energieträger erzeugt werden - allerdings deutlich effizienter als heute. KWK-Anlagen und GuD-Kraftwerke vorwiegend auf Erdgasbasis werden die Energielandschaft bestimmen.
Unter den Erneuerbaren wird Wind deutlich den größten Beitrag liefern. Von heute 35% wird der Anteil auf 45% steigen. Über die Hälfte davon Offshore in Nord- und Ostsee. An zweiter Stelle wird die Biomasse stehen. Von heute 4% wird sie auf 26% steigen. Wasserkraft wird auf die dritte Stelle zurückfallen. Ihr Beitrag von heute 62% wird auf 21% fallen. Fotovoltaik wird von heute 0,2% auf 3,4% steigen.
Jetzt komme ich zur Energieversorgung im Jahr 2050. Dann werden 35% des Stroms von effizienten fossilen Kraftwerken und Brennstoffzellen produziert. Den Großteil des Stroms aber werden die Erneuerbaren produzieren, nämlich 65%.
Wind wird seine Stellung weiter ausbauen und unter den Erneuerbaren rund 1/3 der Stromproduktion decken. Die Leistung auf See wird dann deutlich stärker sein als die auf Land. In 50 Jahren wird sich auch die Photovoltaik durchgesetzt haben und 11% der Stromproduktion durch Erneuerbare decken. Die Biomasse wird dann gut 13% der Stromleistung der Erneuerbaren liefern, Wasser und Geothermie werden rund 7 bis 9% beitragen.
Zu diesem Zeitpunkt wird auch der importierte erneuerbare Strom mit über 1/3 an Bedeutung gewonnen haben. Zum einen wird dann der deutsche Exportschlager EEG in den Nachbarländern seine Wirkung entfaltet haben. Zum anderen werden in sonnigen Gefilden solarthermische Kraftwerke gebaut sein, die große Mengen Strom produzieren- oftmals mehr als vor Ort benötigt wird.
Wärmebereich
Im Wärmebereich werden sich die Erneuerbaren etwas langsamer durchsetzen. Bis 2020 ist hier ein Anteil von rund 12% zu erwarten. Davon wird die Biomasse gut ¾ ausmachen, den Rest liefern Solarkollektoren. Einen geringen Anteil wird die Geothermie beisteuern. Etwa 75% der Wärme wird durch fossile Energieträger geliefert, davon rund 1/3 durch Fern- und Nahwärme. Studien gehen übrigens davon aus, dass der Anteil von Strom am Wärmemarkt relativ konstant bleibt, also auch in den Jahren 2020 und 2050 einen bedeutenden Anteil von rund 10% am Endenergieverbrauch haben wird - was bei regenerativ erzeugtem Strom ja auch in Ordnung wäre.
Im Jahre 2050 werden die Erneuerbaren etwa die Hälfte der Nutzwärme bereitstellen. Den größten Anteil wird dann die Sonne einnehmen, gefolgt von der Biomasse. Knapp 20% kann die Geothermie beitragen. Kanpp 40% der Nutzwärme wird auch im Jahr 2050 noch durch fossile Energieträger bereitgestellt.
Diesen Perspektiven liegt ein wachsender Bedarf an Energiedienstleistungen zugrunde. Mehr Licht, mehr Wärme, mehr Computer werden uns umgeben. Aber sowohl beim Strom als auch bei der Wärme wird die Energieeffizienz um den bekannten Faktor 4 steigen. Daher gehen wir von einem konstanten Stromverbrauch und einem um rund 40% sinkenden Endenergiebedarf im Wärmebereich aus. Vor diesem Hintergrund ist bis 2050 der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch von 50% machbar.
Wie können wir diese Ziele erreichen?
Um diese Energieversorgung zu erreichen, müssen wir die Energiewende weiter beschleunigen. Sie wird weiteren Raum für verschiedene innovative Lösungsansätze bieten.
Dennoch sind die drei Eckpfeiler, die uns den Weg in die Zukunft weisen, klar:
Der Ausstieg aus der Kernenergie.
Hier haben wir ein Gesetz beschlossen, dass den weltweit ehrgeizigsten Ausstieg einleitet und vollenden wird.
Die rationelle und sparsame Energieverwendung.
- Rationelle Energieverwendung bietet derzeit die weitaus größten Potenziale zur Klimavorsorge und zur Ressourcenschonung. Nichteffiziente Großkraftwerke wie AKW, die rund 2/3 der eingesetzten Primärenergie in Form von Abwärme in die Luft und Flüsse verschwenden werden durch dezentrale und effiziente Kraftwerke mit hohen Wirkungsgraden ersetzt.
Die rationelle und sparsame Energieverwendung muss in der gesamten Verbrauchskette von der Erzeugung bis zur Nutzung konsequent verwirklicht werden. Dies umfasst eine moderne Stromerzeugung etwa in effizienten GuD-Kraftwerken oder KWK-Anlagen, energietechnisch optimierte Produktionsprozesse, verbrauchsarme Elektrogeräte, Energiesparlampen, effiziente Heizkessel und bestmögliche Wärmedämmung in Gebäuden.
Ein Wechsel innerhalb der fossilen Energieträger steigert ebenfalls die Energieeffizienz: Mittel- und langfristig wird die kohlenstoffreiche Kohle abnehmen, ebenfalls der Anteil von Mineralöl. Die Bedeutung von Erdgas wird dagegen weiter zunehmen. Selbstverständlich gehört hierzu auch eine Verkehrswende, die vom 3-Liter-Auto über den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel bis hin zu langfristig veränderten Siedlungsstrukturen reicht.
Im Verkehrsbereich wird der mit der Ökosteuer begonnene Weg mit der Förderung verbrauchsarmer PKW, der Bereitstellung zusätzlicher Mittel für die Schiene und die Einführung einer streckenabhängigen Autobahngebühr für schwere LKW weitergegangen werden.
Und schließlich sind wir alle gefragt bei den vielen Möglichkeiten, Energie im Alltag einzusparen. Immer noch wissen zu wenige, dass mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit im stand-by-Bereich nicht nur viel Geld gespart werden, sondern auch die Leistung von zwei Kernkraftwerke ersetzt werden kann.
Im Gebäudebereich werden auch im Altbaubestand die schlummernden Effizienzpotenziale endlich ausgeschöpft werden. In diesem Sinne wird die Energiesparverordnung weiterhin durch Förderprogramme ergänzt werden.
Der dritte Eckpfeiler ist der Einstieg in eine neue zukunftsfähige Energieerzeugung.
- Das EEG hat sich als hochwirksame Maßnahme für den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien erwiesen. Es schafft stabile Rahmenbedingungen, um unser Ziel einer Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Aber natürlich wird es weiter entwickelt werden müssen. Die Einspeisevergütungen werden den Marktbedingungen angepasst werden müssen. Für Fotovoltaik z. B. wird ein Rahmen gefunden werden müssen, der dem sich beschleunigenden Wachstum gerecht wird.
- Die Windstromkapazität hat sich in den letzten drei Jahren auf gut 8750 MW verdreifacht! Deutschland ist Windenergieweltmeister: 1/3 des Windstroms der Welt wird heute hier erzeugt. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil der Windkraft am gesamten Stromverbrauch auf mindestens 25 % steigen - vor allem durch Off-shore-Anlagen, für deren Errichtung wir derzeit die Grundlagen erarbeiten. Das EEG wird allerdings hier wohl angepasst werden müssen. Für Windenergie können die Einspeisevergütungen an guten Standorten möglicherweise abgesenkt werden, für den Offshore-Bereich müssen sie aber voraussichtlich über 2006 hinaus gelten.
- Eine ähnliche Erfolgsstory wie beim Wind wollen wir auch bei den anderen erneuerbaren Energien in Gang setzen. Mit der Biomasseverordnung, dem 100.000-Dächer-Fotovoltaik-Programm und dem Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien haben wir zusätzliche Grundsteine gelegt. Und die Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: Im ländlichen Raum boomt die Biomasse, im Jahr 2001 wurden in Deutschland rund doppelt so viel Sonnenkollektoren installiert wie 1998, und auch die Photovoltaik ist rasant im Aufwind. Im letzten Jahr wurde mehr als die 5-fache PV-Leistung von 1998 installiert. Nachdem noch 1998 der letzte Hersteller Deutschland verlassen wollte, wird jetzt in Hameln die vierte neue Solarfabrik gebaut. Wenn diese Entwicklung sich fortsetzt - und dafür werden wir arbeiten - ist das nicht nur gut für den Klimaschutz, sondern so werden wird auch Tausende von Arbeitsplätzen in der Produktion dieser Anlagen entstehen, die durchaus auch ein Exportschlager werden können.
- Bei einer zu erwartenden technischen Entwicklung der erneuerbaren Energien und einem Ansteigen der Preise für knapper werdende fossile Energien - und einem Emissionshandel - werden die Erneuerbaren ihre Position auf dem Energiemarkt mittel- und langfristig deutlich verbessern. Wenn wir hier zeigen, dass so eine zukunftsfähige Energieversorgung aufgebaut wird, werden diese zum Exportschlager werden. Dann werden Hersteller von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung bald ebenso zum Kreis der gerne empfangenen Wirtschaftsdelegationen gehören wie es heute noch die Hersteller von fossilen Kraftwerken sind. Die von den Koalitionsfraktionen eingeleitete Initiative zur Exportoffensive für Erneuerbare wird hier gute Dienste leisten.
Damit ist für die Änderung des Energiemixes hin zu erneuerbaren Energien das entscheidende Fundament gelegt. Während wir die drei Eckpfeiler aufbauen, können wir die überkommenen Strukturen des alten, nicht zukunftsfähigen Systems abbauen. Das bedeutet:
- die Atomenergie herunterfahren,
- den Verbrauch fossiler Energieträger kontinuierlich senken,
- damit die Abhängigkeit von Ölimporten vermindern,
- den Trend vom Energieverschwenden umkehren hin zum intelligenten und effizienten Umgang mit Energie.
Vom Öl zum solaren Wasserstoff
Zurecht hat dieser Kongress den Titel: Energien für morgen - vom Öl zum solaren Wasserstoff. Beim Umbau der Energieversorgung kann der Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. Als Energieträger und Speichermedium bietet er eine Reihe von Vorteilen: Er lässt sich emissionsfrei in Energie umwandeln, löst das Speicherproblem der erneuerbaren Energien und ist praktisch universell anwendbar. Wasserstoff ist die Basis für hocheffiziente Zukunftstechnologien wie die Brennstoffzelle. In Verbindung mit stationärer Kraft-Wärme-Kopplung werden dadurch energetische Wirkungsgrade von mehr als 90 % möglich, bei mobiler Anwendung entsteht das - bislang immer wieder versprochene, aber nicht erreichte - "zero-emissions-car".
Langfristig könnten Wasserstoff und erneuerbare Energien die Allianz zur solaren Wasserstoffwirtschaft eingehen - eine Vision, die diesen Namen verdient!
Aber bis zur solaren Wasserstoffwirtschaft ist es noch ein langer Weg. Sie wird zudem immer nur ein Teil des Energiesystems der Zukunft bleiben. Der größte Teil der regenerativ erzeugten Energie wird auch langfristig direkt verwendet werden, sei es als Wärme oder als Strom, der direkt in die elektrischen Netze eingespeist wird. Darüber hinaus wird Biomasse einen beachtlichen Teil des Brennstoffbedarfs decken. Und schließlich werden wir auf absehbare Zeit auch noch fossile Energien benötigen.
Noch ist die solare Wasserstoffwirtschaft Zukunftsmusik. Solarer Wasserstoff ist teuer, es fehlt die erforderliche Infrastruktur, die Technologien sind noch nicht ausgereift. Dies führt mich zu der Frage: Was können wir hier und heute tun, um die Zukunft vorzubereiten?
- Als Brückentechnologie für die Wasserstoffwirtschaft gilt die Brennstoffzelle. Deshalb haben wir im Zeitraum 2001-2003 rund 60 Mio EUR aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm für Forschung rund um die Brennstoffzelle bereitgestellt. Wenn wir jedoch mit ihrer Anwendung auf den solaren Wasserstoff warten, werden wir zu lange warten. Warum nicht die hocheffiziente Brennstoffzelle auf Erdgasbasis einführen und damit die Zukunft schon heute vorbereiten?
- Damit kommt dem Erdgas ebenfalls eine strategische Bedeutung für den Übergang in die solare Wasserstoffwirtschaft zu. Auch wenn es sich zunächst widersinnig anhört: Ohne flächendeckende Erdgas-Infrastruktur werden wir den Übergang in die Wasserstoffwirtschaft nicht schaffen. Autos können mit Brennstoffzellen oder herkömmlichen Motoren betrieben werden; in beiden Fällen können Erdgas und Wasserstoff als Kraftstoff dienen. Vor diesem Hintergrund wird neben der schon jetzt deutlich positiven Umweltwirkung ein weiterer Grund deutlich, warum ich mich für Erdgasfahrzeuge und - tankstellen einsetze - nicht nur, weil dadurch unmittelbar Emissionen eingespart werden, sondern auch als Investition in die Infrastruktur der Zukunft.
- Natürlich müssen wir auch dafür sorgen, dass mit dem zukünftigen Energieträger Wasserstoff praktische Erfahrungen gesammelt werden können. Hierzu wollen wir nicht nur bei stationären Kraftwerken, sondern auch im Verkehrsbereich einen Beitrag leisten: Bis spätestens 2004 soll im Rahmen des Projektes "Clean Energy Partnership" eine öffentliche Wasserstofftankstelle in Deutschland errichtet werden, die eine Flotte von rund 100 Fahrzeugen mit Wasserstoff versorgen wird. Dies ist bereits ein erster Schritt im Rahmen der auf den Zukunftsenergieträger Wasserstoff gerichteten Verbundstrategie, auf die sich die Bundesregierung sowohl mit den Automobilherstellern als auch mit der Mineralölindustrie geeinigt hat.
Die Vorreiterrolle der deutschen Klimaschutz- und Energiepolitik lohnt sich auch ökonomisch
Zum Schluss noch ein Wort zur Wirtschaftlichkeit der Energiewende - ich finde, das kann gar nicht oft genug betont werden.
Wir brauchen die Energiewende, wenn wir unseren Lebensstandard umwelt- und klimaverträglich halten wollen und dabei nicht aus den Augen verlieren, dass es noch große Teile der Welt gibt, die diesen erst noch erreichen wollen. Dabei können wir helfen und obendrein noch unsere Wirtschaft ankurbeln, die am Export von Zukunftstechnologien verdienen und Arbeitsplätze schaffen kann.
Schon heute greifen die USA zur Bewältigung ihrer Energiekrise in Kalifornien auf hocheffiziente Gasturbinen aus Deutschland zurück. Wirkungsgrade von mehr als 57 % bei der Stromerzeugung und mehr als 90 Prozent bei der gekoppelten Erzeugung von Strom und Wärme sind nicht nur ökologisch spitze, sondern machen derartige Kraftwerke auch ökonomisch akttraktiv! Eine klassische win-win-Situation: Klima und Wirtschaft profitieren!
Bei den erneuerbaren Energien haben wir uns einen weltweiten Spitzenplatz erobert. Damit werden wir von einem der Wachstumsmärkte der Zukunft profitieren. Schon jetzt sind hier in Deutschland mehr als 100.000 Menschen beschäftigt, und täglich werden es mehr.
ABB Mannheim hat gerade den Auftrag für den größten Windpark Nordamerikas in Kanada im Wert von 1 Mrd. € erhalten.
Die Vorreiterrolle der deutschen Klimaschutz- und Energiepolitik lohnt sich also auch ökonomisch. Das Schweizer Forschungsinstitut PROGNOS kommt in einer wissenschaftlichen Studie zu dem Ergebnis, dass eine Minderung der CO2-Emissionen in Deutschland um 40 % bis zum Jahr 2020 nicht nur machbar ist, sondern auch 200.000 neue Arbeitsplätze schafft.
Meine Damen und Herren,
Kohle und Atomkraft werden noch lange eine große wirtschaftliche Macht besitzen, die auf die Zeit vor der Liberalisierung der Energiemärkte zurückzuführen ist. Entsprechend brauchen Effizienzrevolution und Erneuerbare Energien eine kräftige Unterstützung, da sie sich
erst allmählich auf dem Markt werden etablieren und durchsetzen können. Dafür muss u.a. die ökologische Steuerreform weitergeführt und den aktuellen Bedingungen angepasst werden. Ökologisch kontraproduktive Subventionen müssen stufenweise abgebaut und
umgelenkt werden. Der Abbau ökologisch schädlicher Subventionen und Steuerbegünstigungen ist seit vielen Jahren ein Kernpunkt der umweltpolitischen Debatte. 35% aller Subventionen in Deutschland wirken derzeit laut OECD ökologisch kontraproduktiv. Dagegen sind nur 2-3%
der Subventionen dezidiert umweltschützend.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Energierevolution ist möglich. Das haben wir bewiesen. Sie bringt Vorteile für unser Klima und unsere Wirtschaft. Sie ist Ausdruck unserer Verantwortung für zukünftige Generationen.
Wir haben in der Energiepolitik in den letzten Jahren sehr viel erreicht. Jetzt geht es darum weiterzumachen, fortzusetzen, zuende zu führen - mit Ihnen gemeinsam.
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