Sie befinden sich in diesem Bereich der Seite:
Startseite
Ministerium
Reden
Archiv 14. Legislaturperiode
Bundesumweltminister Jürgen Trittin
-
Titel: Ein Leben für das Klima
- Redner/in: Bundesumweltminister Jürgen Trittin
- Anlass: Verabschiedung von Michael Zammit Cutajar
- Datum/Ort: 15.01.2002, Altes Rathaus Bonn
Sehr geehrter Herr Exekutivsekretär, lieber Michael,
das Jahr 2001 war ein gutes Jahr für den Klimaschutz. Trotz aller Widerstände und trotz schwieriger Verhandlungen kann das Kyoto-Protokoll von 1997 in Kraft treten. Darin verpflichten sich die Industrieländer völkerrechtlich verbindlich, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
Zu Beginn des Jahres sah es noch ganz anders aus. Damals standen wir vor dem Scherbenhaufen der gescheiterten Klimakonferenz in Den Haag. Sie war im November letzten Jahres ohne Ergebnis vertagt worden. Dann kam im März der nächste Rückschlag: Die neue US-Administration verkündete, sie werde das Kyoto-Protokoll ablehnen.
Heute können wir sagen: Das waren zwar herbe Rückschläge. Doch sie konnten den Klimaprozess nicht aufhalten. Im Gegenteil: In Bonn und Marrakesch ist es gelungen, gemeinsam ein System zu entwickeln, das den globalen Klimaschutz in den nächsten Dekaden prägen wird.
Es mag noch unvollkommen sein. Es mag den Anforderungen zum Schutz des globalen Klimas nur unzureichend genügen. Aber es ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Sie, lieber Michael, haben sehr viel zu diesem Gelingen beigetragen. Die komplexen Verhandlungen begannen in Berlin, und es hat sechs Jahre mühsamer Arbeit gebraucht, sie erfolgreich abzuschließen. Sie waren der Bauleiter beim globalen Klimaschutz. Sie haben die Konstruktion durch kluge Beratung im Hintergrund entscheidend geprägt und den Bauprozess durch prägnante, aufrüttelnde und vorwärtsgerichtete Aufrufe immer wieder vorangetrieben. Präsidentinnen und Präsidenten hatten wir unterschiedliche. Der Exekutivsekretär aber hielt die Bauleitung die ganze Zeit fest in der Hand - und alle Vertragsparteien in schwierigen Zeiten am Bau.
Aber Ihr Einfluss reicht viel weiter zurück. Sie haben schon seit 1991 das Interimssekretariat geleitet und die Aushandlung der Klimarahmenkonvention kompetent und konstruktiv mitgestaltet. Die zwei wichtigsten internationalen Klimavereinbarungen - die Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll - werden untrennbar auch mit Ihrem Namen verbunden bleiben. Denn ohne Ihr Engagement, ohne Ihre professionelle Arbeitsweise, Ihren Scharfsinn, Ihre Kreativität, Ihre Weisheit und Ihre Weitsicht wäre das internationale Klimaschutzregime nicht möglich gewesen.
Sie sind zugleich ein Meister für den Brückenbau zwischen Nord und Süd. Denn Sie können auf vielfältige Erfahrungen in Ländern des Südens zurückgreifen - und auf eine Staatsangehörigkeit, die Sie zum Mittler prädestiniert. Nicht nur geografisch, sondern auch innerhalb des Klimaregimes lässt sich Malta nicht eindeutig zuordnen.
Wir wollen Ihr Werk vollenden. Das heißt: Wir müssen alles tun, das Kyoto-Protokoll rasch in Kraft zu setzen. Also vor dem Johannesburg-Gipfel. In Deutschland ist das Ratifikationsverfahren bereits weit fortgeschritten. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf schon vor Weihnachten verabschiedet.
Kyoto ist ein erster Schritt. Das Kyoto-Protokoll bildet nun allen Zweiflern zum Trotz den Rahmen für die Klimapolitik des 21. Jahrhunderts. Der Klimaschutzprozess hat gezeigt: Es ist möglich, der globalisierten Wirtschaft einen ebenso globalen Ordnungsrahmen gegenüberzustellen, der die sozialen und ökologischen Leitplanken für unsere zukünftige Entwicklung festlegt.
Michael, neben allen fachlichen Qualitäten haben Sie die große Gabe, ein Team engagierter und hochprofessioneller Mitarbeiter an sich zu binden und zu einer schlagkräftigen Einheit zu machen. Ihr Klimasekretariat ist sicherlich eine der effizientesten und erfolgreichsten VN-Institutionen.
Die Bundesregierung ist stolz, Sie und Ihre immer weiter steigende Anzahl von Mitarbeitern seit 1996 in Bonn beherbergen zu dürfen. Das Klimasekretariat ist ein Aushängeschild unserer Verbundenheit mit der Staatengemeinschaft. Ich werde auch in Zukunft alles daran setzen, dass sich das Sekretariat hier in Bonn gut aufgehoben fühlt. Die Idee eines VN-Campus ist auf dem besten Wege, bald Realität zu werden.
Michael, ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute. Ein Weltbürger wie Sie, der sich ein Leben lang für Klimaschutz engagiert hat, wird demnächst ob von Genf oder von Malta aus weiterhin erfolgreich wirken. Das hoffe ich jedenfalls. Und ich hoffe, dass Sie dabei gelegentlich den Blick auf den Rhein aus dem Haus Castanjien vermissen.
Lassen Sie uns das Glas erheben! Wir möchten uns bei Ihnen, einem guten Freund Deutschlands bedanken, und Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft wünschen.
Klicken Sie
hier, um zur entsprechenden Pressemitteilung zu gelangen.
-
Druckversion
-
Inhalt als PDF erzeugen
-
Notizzettel
-
Seite empfehlen




