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Archiv 14. Legislaturperiode
Bundesumweltminister Jürgen Trittin
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Titel: Globalisierung zukunftsfähig machen
- Untertitel: Wir stecken mitten in den Vorbereitungen für den Weltgipfel in Johannesburg
- Redner/in: Bundesumweltminister Jürgen Trittin
- Anlass: Übergabe des WBGU-Politikpapiers zum Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung
- Datum/Ort: 18. 10. 2001, Berlin
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrter Herr Professor Graßl,
sehr geehrte Frau Bulmahn,
sehr geehrte Frau Wieczorek-Zeul,
sehr geehrte Damen und Herren,
Ich danke allen, die dieses Politikpapier für den Johannesburg-Gipfel erarbeitet haben. Ihre Forderungen zielen in die richtige Richtung und Sie stellen sie genau zur richtigen Zeit in den politischen Raum. Wir stecken mitten in den Vorbereitungen: Zur Zeit tagen weltweit die regionalen Vorbereitungskonferenzen. Ende Januar 2002 wird der UN-Vorbereitungsausschuss in New York seine Arbeit aufnehmen.
Wir wollen die UNO-Strukturen in den Politikfeldern Umweltschutz und Nachhaltige Entwicklung verbessern. Die Vorgespräche verlaufen durchaus erfreulich. Eine gute Nachricht möchte ich gleich zu Beginn an Sie weitergeben: Mit Blick auf die Globalisierung der Weltwirtschaft sagte der chinesische Umweltminister kürzlich in einem bilateralen Gespräch von sich aus und überraschend deutlich, dass wir eine starke UN-Umweltorganisation brauchen. Mit einem solchen Votum hatten wir nicht gerechnet. Umso mehr freuen wir uns.
Die Bundesregierung bemüht sich international um Unterstützung für die Stärkung der UN-Strukturen. Denn die Erde ist mehr als nur ein rundes Operationsfeld für gewinnträchtige Investitionen. Sie ist das einzige Wohnhaus der Menschheit. Deshalb brauchen wir einen starken Hausmeister oder Verwalter. Und wir brauchen eine verbindliche Hausordnung, also einen ökologischen und sozialen Ordnungsrahmen.
Noch vergrößert die Globalisierung der Weltwirtschaft die Kluft zwischen Armut und Reichtum, zwischen Süd und Nord. Wir wollen diese Entwicklung umkehren - und zwar mit der Kraft der Globalisierung. Wir wollen nicht gegen den Wind ankämpfen, sondern wir wollen ihn drehen. Das Ziel ist, ökologische und soziale Rahmenbedingungen zu schaffen, die es auch dem Süden ermöglichen, einen angemessenen Platz in der Weltwirtschaft zu finden. In einer Weltwirtschaft, die sich im Sinne von Nachhaltigkeit neu ausrichtet. Deshalb brauchen wir Koordinaten, die z. B. Afrika nicht nur erlauben, aufzuholen, sondern dem Schwarzen Kontinent die Chance geben, unsere Fehler von vornherein zu vermeiden.
Die Privatwirtschaft ist dabei einer unserer wichtigsten Partner. Wenn z. B. ein Solar-Unternehmen in einem afrikanischen Land Solarthermik produziert - so wie es UFE aus Eberswalde gerade in Ghana plant - dann bekämpft es durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in einer Zukunftsbranche Armut, es leistet know-how-transfer und einen Beitrag zum Klimaschutz.
Armutsbekämpfung und ökologische Nachhaltigkeit sind zentrale Themen des Johannesburger Gipfels. Unsere Erfolge im Umwelt- und Klimaschutz werden wesentlich von den Erfolgen bei der Armutsbekämpfung abhängen. Nehmen Sie Südafrika, das Gastgeberland, als Beispiel! Es ist zwar Schwellenland, aber zwei von drei Haushalten haben keine gesicherte Nahrungsmittelversorgung. Eins von vier Kindern leidet unter Wachstumsstörungen.
Unsere Ansätze im Bereich nachhaltiger Energiepolitik und Wasserwirtschaft müssen diese reale Situation vor Ort zur Ausgangslage machen. Also weit verbreitete Armut und zugleich horrender Reichtum einer kleinen Oberschicht. Korruptionsbekämpfung etwa ist deshalb ein wichtiges Thema. Aber auch die Zweiklassengesellschaft der Geschlechter, die so lange fortbesteht, wie Frauen und Mädchen das Wasser auf dem eigenen Rücken über Stunden nach Hause schleppen müssen - und deshalb von allen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen bleiben.
Wir werden bei der internationalen Wasserkonferenz in Bonn Anfang Dezember auf aktionsorientierte Empfehlungen für alle den Wassersektor betreffenden Faktoren hinarbeiten. Ich sage ausdrücklich: Wir planen in Bonn keine Fachtagung für Ingenieure. Denn Wasserversorgung ist ein hochpolitisches Thema. Es geht darum, wie Chancen verteilt werden: zwischen den Söhnen und Töchtern von heute, zwischen den Generationen von heute und morgen, zwischen Stadt und Land.
Schwierig sind im Moment die Vorabstimmungen für eine nachhaltige Energiepolitik. Denn die Staatenmehrheit wird wahrscheinlich in Johannesburg keine großen, keine strategischen Entwürfe akzeptieren. Ich halte es aber für realistisch, dass der Gipfel einen Auftrag zur Ausarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen erteilt. Wir müssen dabei die sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen der Entwicklungsländer zum Ausgangspunkt unserer Planungen machen. Nur wenn wir differenzieren, kommen wir zu vor Ort umsetzbaren Handlungsempfehlungen. Nur sie können die Ergebnisse der Bonner Klimakonferenz wirkungsvoll ergänzen.
Sie geben uns mit dem WBGU-Politikpapier wichtige Anregungen für diese Verhandlungen auf den Weg. Dafür danke möchte ich Ihnen herzlich danken.
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