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Archiv 14. Legislaturperiode
Parl. Staatssekretärin Simone Probst
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Titel: CSP und die Herausforderung einer globalen, nachhaltigen Energieversorgung
- Untertitel: Opening
- Redner/in: Parlamentarische Staatssekretärin Simone Probst
- Anlass: International Executive Conference on Expanding the Market for Concentrating Solar Power (CSP) - Moving Opportunities into Projects
- Datum/Ort: 19. Juni 2002, Gebäude der KfW / Berlin
Es gilt das gesprochene Wort
Anrede,
ich begrüße Sie herzlich zu diesem Symposium und heiße besonders diejenigen Gäste willkommen, die aus dem Ausland, einige sogar aus dem nicht europäischen Ausland,angereist sind.
Wir befinden uns in der Vorbereitung auf den Weltgipfel in Johannesburg, der in gut zwei Monaten beginnen wird. Zehn Jahre nach dem Weltgipfel in Rio soll der Prozess "Umwelt und Entwicklung" aufhöchster Ebene fortgeführt werden. Heute zeigt sich - z. B. durch vermehrt auftretende Überschwemmungen und an steigenden wetterbedingten Versicherungsschäden - deutlicher unddringlicher als damals -, dass der Klimawandel als eine der größten globalen Bedrohungen bereits Realität ist. Es geht nicht mehr um die Frage ob, sondern in welchem Ausmaß erstattfindet - ob zum Beispiel der Meeresspiegel innerhalb diese Jahrhunderts in Folge des Treibhauseffektes um 9 oder um 90 cm ansteigen wird.
Besonders betroffen sind arme Staaten und Bevölkerungsgruppen, die sich aufgrund ihrer nur begrenzten Möglichkeiten kaum dem Klimawandel anpassen und Risikovorsorge treffen können. Auf das Ausmaß des Klimawandels und der Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung haben wir jedoch Einfluss. Dabei kommt einer Kooperation zwischen Entwicklungs-, Schwellen- undIndustrieländern auch im Hinblick auf das Erreichen sozialer und ökonomischer Ziele unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit eine Bedeutung zu.
Hauptverursacher der Treibhausgase ist die Energiebereitstellung. 75 % des globalen Energiebedarfes wird in Industrieländern verbraucht, obwohl dort lediglich 25 % der Weltbevölkerungleben. Dagegen fehlt zwei Milliarden Menschen in ärmeren Regionen der Zugang zu moderner Energie vollständig. Dort sind Menschen vielfach dazu gezwungen, Energiequellen in höchstineffizienter Weise und daher mit besonders negativen Umweltauswirkungen auszubeuten, z. B. durch Abholzung von Wäldern.
Es ist unbestritten, dass der globale Energiebedarf trotz aller Anstrengungen um Energieeinsparungen und Effizienzverbesserungen weiter steigen wird. Dies hängt zum einen schlicht mit derwachsenden Weltbevölkerung zusammen. Zum anderen streben wir in Entwicklungs- und Schwellenländern als Instrument zur Bekämpfung der Armut einen steigenden pro Kopf Energieverbrauchausdrücklich an.
So werden Entwicklungs- und Schwellenländer in den nächsten 25 Jahren voraussichtlich für die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sein. Das Problem desKlimawandels wird sich also weiter verschärfen, wenn wir nicht gravierend umsteuern. Dies bedeutet, wir müssen sowohl national als auch international die überkommenenEnergieversorgungsstrukturen und Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen überwinden.
Deutschland hat sich vor diesem Hintergrund im Rahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie sehr ehrgeizige Ziele gesetzt:
- die Minderung der CO2 Emissionen um 25 % gegenüber 1990 bis zum Jahre 2005 - dies ist erheblich mehr als es uns das Kyoto-Protokoll im Rahmen der europäischen Lastenteilung fürDeutschland vorschreibt
- eine Verdoppelung des Anteils der Erneuerbaren Energien, ausgehend vom Jahr 2000, auf 4,2 % des Primärenergiebedarfes sowie auf 12,5 % des Strombedarfes bis zum Jahr 2010
- die Gewinnung der Hälfte des deutschen Energiebedarfes aus Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050
Derzeit werden in Deutschland etwa 2,5 % des Primärenergiebedarfes und 7,5 % des Strombedarfes aus Erneuerbaren Energiequellen produziert. Ein großes Wachstumspotenzial beinhaltet dieWindenergiebranche, die bis zum Jahr 2025 ein Viertel des gesamten deutschen Strombedarfes decken kann und von der heute ungefähr ein Drittel der weltweit installierten Windkapazität inDeutschland am Netz ist. Parallel bauen wir die Biomassenutzung, Photovoltaik, Geothermie und Wasserkraft aus.
Das wichtigste nationale Markteinführungsinstrument ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Abnahme von Strom aus Erneuerbaren Energien zu einem festen Vergütungssatz langfristiggarantiert. Eine wachsende Anzahl Staaten hat bereits vergleichbare Regelungen eingeführt. Die damit in den letzten Jahren erzielten zweistelligen Zuwachsraten sichern in Deutschland bereitsüber 100.000 Menschen einen Arbeitsplatz in der Jobmaschine Erneuerbare Energien, davon ca. 35.000 allein in der Windenergie - und ca. 40.000 in der Biomassebranche, Tendenz steigend.
Szenariorechnungen zeigen, dass es möglich ist, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit die Hälfte des Energiebedarfs auf regenerativer Basis zuerzeugen. Es gilt also, eine ähnliche Dynamik zu deren Ausbau auch international anzustoßen. Dabei verfügen viele Länder über deutlich günstigere klimatischeRandbedingungen. Dies betrifft insbesondere die Einsatzmöglichkeiten solarthermischer Kraftwerke, die in unseren Breiten aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung nicht betrieben werdenkönnen.
Solarthermische Kraftwerke stellen jedoch eine bewährte und darüber hinaus die effizienteste Technik dar, das unerschöpfliche Potenzial der Solarstrahlung zu nutzen. SonnenreicheLänder könnten sich damit nicht nur von teuren Energieimporten abkoppeln, sondern mittelfristig sogar Erneuerbare Energie als kostbares Exportgut vermarkten. Damit würdensolarthermische Kraftwerke einen entscheidenden Beitrag für den globalen Klimaschutz und für eine nachhaltige Energieversorgung leisten.
Vor diesem Hintergrund werden in Deutschland alle Techniklinien solarthermischer Kraftwerke - d.h. Parabolrinnen-, Schüssel- und Turmanlagen - erforscht und weiter entwickelt. Für dieJahre 2001 bis 2003 hat das BMU dafür Mittel in Höhe von insgesamt ca. 10 Mio. Euro bereitgestellt. Unter Berücksichtigung der hohen Eigenbeteiligung der Industrie beträgt derGesamtetat für diesen Bereich sogar ca. 17 Mio. Euro.
Mit diesen Mitteln sollen z. B. zum Ende des Jahres der europäische Kollektor "EuroTrough" in Kalifornien ans Netz gehen und weitere Solarschüssel-Anlagen in der Praxis erprobt werden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die bisherigen Forschungen auch über das Jahr 2003 hinaus im BMU fortgesetzt werden können. Diese Anstrengungen machen jedoch nur Sinn, wenn denForschungs- und Entwicklungsaktivitäten konkrete Projekte folgen und die entwickelte Technik auch zum Einsatz kommen kann.
Das politische Umfeld dafür ist nach meiner Auffassung günstiger als jemals zuvor. Im Juni 2001 hat der Europäische Rat in Göteborg beschlossen, künftig alle Politiken imHinblick auf ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu beurteilen - sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union. Dabei hat er seine Prioritäten unter anderemauf die Bereiche Klimaschutz und Energie gesetzt.
Beim Weltgipfel in Johannesburg werden Erneuerbare Energien ein wichtiges Thema sein, gerade vor dem Hintergrund einer effektiven Armutsbekämpfung. Ich habe es bereits erwähnt:nachhaltige Entwicklung und Bekämpfung der Armut sind aus meiner Sicht untrennbar mit dem Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung verbunden. Gerade vor dem Hintergrund unsererinternationalen Verantwortung sehe ich daher die große Bedeutung solarthermischer Kraftwerke. Denn sie können nicht nur zentral als Rinnen- und Turmtechnik, sondern alsSolarschüssel-Anlagen auch dezentral, z. B. für Dorfstromversorgungen eingesetzt werden.
Zu einer breiten Markteinführung solarthermischer Kraftwerke ist es jedoch noch ein langer Weg. In vielen Ländern bestehen offensichtlich noch Vorbehalte gegenüber der bisher nurbegrenzt verbreiteten Technik. Die daraus resultierenden geringen Stückzahlen schlagen sich in höheren Investitionskosten nieder. Die Global Environment Facility versucht dafür einenfinanziellen Ausgleich zu schaffen, der auch auf absehbare Zeit noch sehr wichtig bleiben wird. Sie wissen aber wie ich, dass nicht nur finanzielle Gründe den bisher noch zögerlichverlaufenden Prozess der Markteinführung bestimmen.
Ich möchte Sie daher dazu einladen, auf diesem Workshop offen über Barrieren und besonders über Wege zur Realisierung solarthermischer Kraftwerke zu diskutieren. "MovingOpportunities into Projects" sollte dabei nicht nur als Momentaufnahme verstanden werden: Ziel muss zugleich sein, eine langfristig und global ausgelegte Markteinführungsstrategie zu entwickeln,auch unter Inanspruchnahme der sog. flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls und im Hinblick auf die Ergebnisse in Johannesburg.
Nur mit einer langfristigen Strategie sind Investoren, Hersteller, Banken, Versicherungen und Planer zusammen mit den Entscheidungsträgern in den Zielländern in der Lage,wettbewerbsfähige Konzepte auszuarbeiten. Dazu gehört auch die Schaffung günstiger Randbedingungen, wie z. B. Unterstützung beim Abschluss langfristiger Stromabnahmeverträge. Darüber hinaus sollten internationale Kooperationen in diesem Bereich so weit wie möglich von Zöllen und Steuern befreit werden. Letztendlich profitieren alle Volkswirtschaften von dendurch solarthermische Kraftwerke vermiedenen Emissionen und externen Kosten.
Deutschland wird auf dem Weltgipfel in Johannesburg mit einem eigenen Pavillon vertreten sein. Dort werden wir verstärkt für den Ausbau solarthermischer Kraftwerke werben. Wir werdenspeziell zu diesem Thema einen Parallel-Event veranstalten und haben auch deswegen großes Interesse an den Ergebnissen dieses Workshops. Wenn Sie die Möglichkeit zur Teilnahme auf demWeltgipfel haben, darf ich Sie schon jetzt herzlich auf den deutschen Stand einladen.
Der Fortschritt in dieser Sache wird in hohem Maße von Ihrem Engagement abhängen, das Sie bereits durch Ihr Kommen bewiesen haben. In diesem Sinne wünsche ich dieser wie auch derFolgekonferenz in den USA und damit letztlich uns allen viel Erfolg. Last but not least wünsche ich besonders unseren ausländischen Gästen einen angenehmen Aufenthalt in Berlin.
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