• Redner/in: Parl. Staatssekretärin Simone Probst
  • Anlass: Präsentation des 5. Sonderpostwertzeichens "Der Boden lebt"
  • Datum/Ort: 22. Mai 2000, Berlin

(Es gilt das gesprochene Wort)

Werter Herr Kollege Diller, meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, dass wir Ihnen heute das neue Sonderpostwertzeichen Umweltschutz zum Thema "Der Boden lebt" vorstellen können. Die Umwelt-Sonderpostwertzeichen haben ja bereits eine längere Tradition.

Seit 1992 wollen wir damit zweierlei erreichen: Zum einen wolle wir das öffentliche Bewusstsein für Probleme des Umwelt- und Naturschutzes stärken - insbesondere hinsichtlich der globalen Dimension der Erhaltung unserer natürlichen Lebensbedingungen. Zum anderen unterstützen wir mit dem Ertrag Projekte in Deutschland als auch in den Ländern des Südens - und hier ist uns vor allem die Zusammenarbeit zwischen Nicht-Regierungsorganisationen hier und Initiativen vor Ort wichtig.

Häufig achtet man ja nicht auf die Briefmarken, die geklebt sind - mir geht es zumindest oft so -, und dann gibt es einen Moment, wo es auf einmal "Klick" macht, man sich die Marke genauer betrachtet. Diese hier ist grafisch sehr schön geworden. Im Hinblick auf die Sammler unter Ihnen erlaube ich mir zu sagen, dass Briefmarken sammeln immer auch eine Bildungsveranstaltung ist und eine echte Leidenschaft sein kann.

Das Thema der diesjährigen Marke ist von besonderer Bedeutung. Der Boden ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit. Dieses wurde schon 1972 in der Europäischen Bodencharta des Europarates ausdrücklich festgehalten. "Kostbar" ist der Boden deshalb, weil er Lebensgrundlage im wörtlichen Sinne ist. Und er "lebt" selbst mit seinen vielen verschiedenen Funktionen für Mensch, Tier, Pflanze und Bodenlebewesen. Die Menschen nutzen ihn, um leben zu können - aber er hat ein Eigenleben, das geachtet und erhalten werden muss. Wenn er nicht mehr fruchtbar ist, wenn sein biologisches Gleichgewicht zerstört ist, dann ist unser Leben gefährdet. Die vielfältigen Belastungen des Bodens haben Auswirkungen auf das globale Ökosystem. Die weltweite Bodenerosion, die Zunahme der Wüstenbildung bedroht nicht nur die Ernährung, sondern auch das Klima.

Die Bundesregierung hat sich dem Prinzip der "Nachhaltigkeit" verpflichtet. Darum ist der Schutz der Böden ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung, nicht nur national, sondern auch auf europäischer und internationaler Ebene. Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang beispielhaft die Agenda 21 der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung, die Konvention zum Schutze der biologischen Vielfalt und die als Wüstenkonvention bekannte Vereinbarung. Ich begrüße, dass die Vereinten Nationen in diesem Jahr dem Management der Landressourcen und der Bodendegradation besondere Aufmerksamkeit widmen.

Immer wieder ist aber festzustellen, dass die Politik und die Öffentlichkeit die zunehmenden Bodenbelastungen und Bodengefährdungen bisher nur zögerlich wahrnehmen. Daher ist es für mich eine ganz besondere Freude und Ehre, das Interesse für diesen Problembereich durch das Sonderpostwertzeichen "Der Boden lebt" zu stärken und in das Bewusstsein der Bevölkerung und aller Akteure zu bringen. Ich denke dabei an die rechtssetzenden Organe, an die durchführenden Verwaltungen, die Planer und nicht zuletzt an jeden Einzelnen von uns. Ich hoffe, dass wir alle unser Verhalten überdenken und unser Verantwortungsbewusstsein für den Boden als eine endliche und nicht erneuerbare Ressource schärfen.

Wir wollen mit diesem Sonderpostwertzeichen aber nicht nur in den Köpfen, sondern auch in der Praxis etwas bewegen. Und damit komme ich zu unserem zweiten Ziel, das wir mit der Herausgabe des Sonderpostwertzeichens verbinden: der Förderung von Projekten vor Ort. Die 50 Pfennige, die mit dem Verkauf jeder Briefmarke erlöst werden, summierten sich bei der vorherigen Briefmarke mit dem Motto "Schützt die Küsten und Meere" bislang auf einen Betrag von 1,3 Millionen Mark, für alle bisherigen Umwelt-Sondermarken sind es fast 10 Millionen Mark, die für insgesamt 66 Projekte verwendet wurden. Die Themen der Briefmarken umfassen eine breites Spektrum: vom tropischen Regenwald über den Artenschutz bis hin zum Küsten- und Meeresschutz. Nähere Informationen dazu liegen aus.

Die Länder des Nordens und des Südens haben eine gemeinsame Verantwortung für unseren Globus. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Zusammenarbeit zwischen den Nicht-Regierungsorganisationen des Nordens und des Südens, ist die produktive Zusammenarbeit bei Initiativen vor Ort in den Ländern des Südens. Deshalb hat die Verwendung der Mittel eine besondere "Philosophie": dass nämlich die Organisationen, die in Deutschland einen Antrag stellen für ein Projekt im Süden, auf gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit aufbauen können.

Die Projekte, die wir entsprechend des jeweiligen Mottos der Marke gefördert haben, hatten Pilotcharakter. Sie setzen darauf, Beispiel zu geben und längerfristige Kooperation anzubahnen. Herr Dr. Bätke von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, die diese Mittel verwaltet, wird uns zwei Beispiele erläutern.

Darüber hinaus werden auch - zum geringeren Teil - Inlandsprojekte gefördert - ein wichtiges Beispiel ist etwa das Ökomedia-Filmfestival in Freiburg.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass die neue Marke mit dem Moto "Der Boden lebt" heute präsentiert wird und übergebe nun das Wort an Staatssekretär Diller vom federführenden Bundesfinanzministerium.