• Redner/in: Parl. Staatssekretärin Simone Probst
  • Anlass: Preisverleihung des Jugendwettbewerbs "Halt’ die Welt im Gleichgewicht"
  • Datum/Ort: 29. November 1999, Berlin

Liebe Preisträgerinnen, liebe Preisträger, sehr geehrte Damen und Herren,

zur heutigen Preisverleihung des Jugendwettbewerbs "Halt’ die Welt im Gleichgewicht" begrüße ich Sie recht herzlich hier im Literatensalon.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren die Literatensalons Ort für einen intensiven Austausch von Ideen über Zustand und Zukunft von Staat und Gesellschaft. Eine Tradition, an die ich gerne anknüpfen möchte: Denn auf dem Weg ins 21. Jahrhundert brauchen wir mehr denn je den Austausch von Ideen und Konzepten für eine zukunftsfähige Lebensweise und eine ökologische Modernisierung unserer Gesellschaft.

Auch der in diesem Jahr erstmals europaweit ausgeschriebene Jugendwettbewerb "Halt’ die Welt im Gleichgewicht" des Bundesumweltministeriums hat deshalb junge Umweltschützer aus ganz Europa aufgerufen, Projekte und Ideen zu einer nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen vorzustellen. Denn nur eine Gesellschaft, der es gelingt, das Prinzip "Nachhaltigkeit" durchzusetzen, ist zukunftsfähig.

Die inhaltliche Vielfalt der im Rahmen des Wettbewerbs eingereichten Beiträge - die sich ebenso mit lokalen wie mit globalen Umweltthemen befassen - macht deutlich, dass die Verwirklichung des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft und auch praktisches Handeln jedes Einzelnen voraussetzt.

Für das Entstehen eines solchen Bewusstseins in der Bevölkerung spielt Umweltbildung eine entscheidende Rolle.

Setzte die frühere Umweltbildung ihren Schwerpunkt auf Fragen der Naturpädagogik und eine rein naturwissenschaftlich-technische Aufklärung und Wissensvermittlung, so steht heute die Übernahme von Verantwortung für das eigene Lebensumfeld und für die globale Umwelt im Vordergrund. Dies spiegelt sich bei den eingereichten Projekten und besonders bei den Arbeiten der Preisträger ebenfalls wieder.

Ihr Engagement liebe Preisträgerinnen und Preisträger, hat Vorbildcharakter! Alle Projekte, angefangen von der Entwicklung spezieller Abfallcontainer für die Entsorgung von Holzasche in Bulgarien, über die ehrenamtliche Organisation von Jugendumweltreisen und die Recherche ökologischer und sozialer Aspekte der Textilproduktion bis hin zur Untersuchung und Beeinflussung des Käuferverhaltens beim Honigkauf haben mich sehr beeindruckt.

In dem starken Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehe ich die Chance, nicht nur das Umweltwissen in unserer Bevölkerung weiter zu festigen und zu sensibilisieren. Rhetorische Bekenntnisse zum Umweltschutz reichen nicht aus. Das praktische Umsetzen in zielgerichtetes Umwelthandeln ist für einen wirksamen Natur- und Umweltschutz ausschlaggebend. Hier haben wir auch im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung großen Nachholbedarf!

Nachhaltige Entwicklung, so hat es die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 formuliert, ist eine Entwicklung, welche die heutigen Bedürfnisse zu decken vermag, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu schmälern. Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro hat sich die internationale Staatengemeinschaft diesem Leitbild verpflichtet und sich mit der Agenda 21 ein globales Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert gegeben.

Die heutigen umweltpolitischen Probleme – beispielsweise das Ozonloch, das Artensterben oder die Gefahr einer sich über mehrere Jahrzehnte hinziehenden, allmählichen Erwärmung des Klimas haben eine andere Zeitscala und auch eine andere räumliche Dimension als die klassischen Umweltprobleme. Der schleichende, langfristige und globale Charakter vieler Umweltprobleme findet in unser Denken, das üblicherweise auf die unmittelbare räumliche und zeitliche Umgebung ausgerichtet ist, nur schwer Eingang.

"Halt’ die Welt im Gleichgewicht", der Titel des Jugendwettbewerbs macht auch deutlich, dass die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung einen Balanceakt verlangt. Nachhaltige Entwicklung umschreibt einen Handlungsrahmen, der beides sicherstellen soll: Umweltschutz und Entwicklung. Ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung sollen als eine Einheit betrachtet werden.

Man muß eine nachhaltige Entwicklung wollen, man muß sie mehrheitsfähig machen. Und das heißt: Die Idee muß für den Menschen attraktiver erscheinen als das Weitermachen in der bisherigen Spur des Wachstums, des Wirtschaftens und Konsumierens.

Die im Rahmen des Jugendwettbewerbs eingesandten Projekte zeigen, dass die Teilnehmer bereits auf dem richtigen Weg sind. Sie haben die Idee der nachhaltigen Entwicklung aufgegriffen und zur Grundlage ihres persönlichen Handels gemacht. Allen heute anwesenden Preisträgerinnen und Preisträgern möchte ich deshalb herzlich zu ihren Arbeiten und zu ihrem Erfolg gratulieren. Nicht vergessen möchte ich allerdings dabei die anderen engagierten jugendlichen Umwelt- und Naturschützer, die diesmal ohne Preis ausgegangen sind. Sie alle sind auf dem richtigen Weg! Diesen Weg wollen, ja müssen wir alle gemeinsam gehen.