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Archiv 14. Legislaturperiode
Staatssekretär Rainer Baake
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Titel: Statement von Staatssekretär Rainer Baake anlässlich der Podiumsdiskussion am 16. September 1999 zum Thema "Brennstoffzelle - die Zukunftstechnologie?" im Rahmen der Jahrestagung 1999 des Forschungsverbundes Sonnenenergie (FVS) am 15. und 16. September 1999 in Ulm zum Thema "Zukunftstechnologie Brennstoffzelle"
- Untertitel: Die Brennstoffzelle als eine wichtige Zukunftstechnik für den Übergang vom fossilen zum Solarzeitalter
- Redner/in: Staatssekretär Rainer Baake
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, im Namen der Bundesregierung - insbesondere BMU - all denjenigen Dank zu sagen, die durch ihre F + E-Arbeit die Technik der Brennstoffzelle inden letzten Jahren kräftig vorangetrieben haben.
Nach meiner Einschätzung wird der Brennstoffzellentechnik eine Schlüsselrolle zukommen, wenn es darum geht im Energiebereich das Prinzip der Nachhaltigkeit umzusetzen.
In allen 3 Einsatzbereich der Brennstoffzellentechnik
- KWK
- GuD
- Verkehr
nehmen deutsche Firmen und Forschungseinrichtungen Spitzenpositionen ein. Ich möchte Sie ausdrücklich ermutigen, in Ihrem Engagement nicht nachzulassen und dieses Positionen auszubauen.
1. Nachhaltigkeit, meine Damen und Herren, ist zum Leitbild für eine zukunftsgerichtete, umwelt- und sozialverträgliche sowie ökonomisch effiziente Entwicklung geworden! Als einer der zentralen Schwerpunkte hat sich dabei der Aufgabenkomplex der Energieversorgung und -nutzung herausgestellt. Nachhaltige Energiezukunft basiert auf drei Säulen, die parallel in Angriff genommen werden müssen:
1) Die Nutzung der fossilen Energiewirtschaft als Übergangslösung: so effizient wie möglich und einer schrittweisen Reduzierung ihres Volumens,
2) Die Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit dem Ziel mindestens der Verdoppelung ihres Anteils bis 2010 und mindestens 50 % Anteil im Jahr 2050; Langfristig sollen die erneuerbaren Energien die Hauptenergiequelle darstellen.
3) Die sparsame und effiziente Nutzung der bereitgestellten Energien in allen Bereichen, d. h. nicht nur bei der Stromerzeugung, sondern auch im Gebäude- und Heizungsbereich, im Verkehrsbereich, in der industriellen Produktion sowie im Tertiärsektor.
Der Brennstoffzellentechnik dürfte bei der Nachhaltigkeitsstrategie im Energiebereich deshalb eine Schlüsselrolle zukommen, weil bei ihr alle drei genannten Säulen zum Tragenkommen:
- Sie verspricht sehr hohe Wirkungsgrade;
- Sie ermöglicht zunächst den effizienten Einsatz von Energieträgern auf fossiler Basis;
- Sie erlaubt den schrittweisen Einsatz von Energieträgern auf erneuerbarer Basis.
Sie dürfte damit nicht "die" Zukunftstechnik werden, wie beim Motto dieser Podiumsdiskussion provokativ gefragt wird. Denn in vielen Bereichen wird die Strom- oder Wärmegewinnung auserneuerbaren Energien und deren direkter Einsatz Vorrang haben. Brennstoffzellen und zugehörige Systeme von Sekundärenergieträgern auf fossiler und erneuerbarer Basis dürften aber in einer Reihe von Einsatzbereichen eine zentrale Rolle spielen. Die Brennstoffzellen-Technik wird daher "eine der" Zukunftstechniken werden. Vielfalt und Diversifizierung gehören auch im Energiebereich zu den Kriterien der Zukunftsfähigkeit.
Einige Anmerkungen zu Einsatzbereiche für Brennstoffzellen zeichnen sich heute schon ab:
Ein wichtiger Anwendungsbereich ist die Kraft-Wärme-Kopplung mit Jahresnutzungsgraden in der Größenordnung von 95 %. Ein schnell reagierendes Betriebsverhalten sowie hohe Wirkungsgrade im Teillastbetrieb prädestinieren sie für einen zukünftig flexibleren Strom- und
Wärmemarkt mit einer Nachfrage-orientierten Ausrichtung. Wichtig für eine dezentrale Energiestruktur wären dabei vor allen Blockheizkraftwerke sowie nach Möglichkeit noch kleinere Größen. Mit den bereits betriebenen sowie den geplanten Demonstrationsanlagen sollten
Erfahrungen gesammelt werden mit dem Ziel, diesen Bereich relativ schnell auszubauen.
Als weiterer Einsatzbereich zeichnet sich ab, Brennstoffzellen zur reinen Stromerzeugung mit hohen Wirkungsgraden zu realisieren. GuD-Kraftwerke mit 65 % Wirkungsgrad erscheinen machbar. Hiersollten Pilotanlagen den Einstieg schaffen.
Sowohl mit Kraft-Wärme-Kopplung als auch mit GuD-Anlagen lassen sich somit erhebliche Effekte zum Klimaschutz erzielen, selbst wenn die Brennstoffzellen zunächst überwiegend mit Energieträgern auf fossiler Basis betrieben werden.
Als dritter Einsatzbereich kommt der Verkehrsbereich in Frage. Ein heute betriebener PKW setzt pro km Treibhausgase von etwa 200 Gramm CO 2-Äquivalenten frei - den Energieverbrauch der Vorkette eingerechnet. Abschätzungen gehen davon aus, dass dieser Wert bei größten
Anstrengungen in einem Jahrzehnt halbiert werden kann. DieGrößenordnung von 100 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer gilt sowohl für Benzin- und Dieselfahrzeuge als auch für Gasfahrzeuge als auch für Brennstoffzellen/Elektromotor-Fahrzeuge. Es ist also naheliegend, alle drei
Optionen im kommenden Jahrzehnt voranzubringen. Es wäre unverantwortlich, eine der Optionen zu vernachlässigen. Brennstoffzellen und Elektroantrieb haben allerdings bereits kurzfristig den Vorteil geringer Schadstoff- und Lärmemissionen vor Ort. Dies kommt vor allem bei der
Reduzierung der Belastung in Ortschaften zum Tragen. Welche Linie oder welche Kombination dann langfristig die größten Zukunftsperspektiven besitzt, kann sich letztlich nur in der Praxis herausstellen.
Lassen Sie mich mit drei Schlussbemerkungen schließen:
- Die Entwicklung der Brennstoffzellen-Technik ist zurecht mit hohen Erwartungen an eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz und den schrittweisen Übergang zum Solarzeitalter verbunden!
- Sie ist nicht die einzige Zukunftstechnik, sondern ein wichtiger Baustein eines nachhaltigen Energiesystems
- Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sollten gemeinsam an dieser großen Aufgabe arbeiten und sich den Herausforderungen stellen.
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